Das Chemiestudium in Zahlen: Wie viele Studienanfänger und Absolventen gibt es jedes Jahr? Wie lange dauert ein Studium tatsächlich? Und wie entwickelt sich der Anteil an Studentinnen und internationaler Studierender? Die aktuelle GDCh-Statistik hat alle Antworten parat.
Die GDCh bringt jährlich eine Statistik zum Chemiestudium heraus (Symbolbild).
Chemie als Studienfach? Was in der Schule viele abschreckt, hat seit Jahren eine feste Anhängerschaft. Zugegeben, Höchstwerte für die Zahl der Studienanfänger von über 10.000, wie sie 2011 bis 2018 erreicht wurden, liegen schon eine Weile zurück. Aber seit dem Jahr 2021 hat sich die Zahl der neuen Chemiestudierenden auf rund 8.000 eingependelt. Darunter fallen die Studiengänge Chemie/Wirtschaftschemie mit dem größten Teil an Anfängern (5.166), aber auch Biochemie und Life Sciences (1.599), Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) (965) und Lebensmittelchemie (LM-Chemie) (307) spielen in diese Gesamtsumme mit hinein.
Im Folgenden werfen wir einen detaillierten Blick auf die Ergebnisse der aktuellen Statistik der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) für das Jahr 2024. Dabei werden wir uns allerdings auf den Bereich der reinen Chemie/Wirtschaftschemie-Studiengänge konzentrieren. Die Ergebnisse zu den Bereichen Biochemie, Lebensmittelchemie und HAW sind auf der GDCh-Webseite einzusehen. Die Erhebung wird seit 1952 jährlich durchgeführt und liefert einen umfassenden Blick auf die aktuelle Studiensituation.
Wieder mehr Studienanfänger im Bereich Chemie
Insgesamt starteten 2024 deutschlandweit 5.166 Studienanfänger im Bereich Chemie/Wirtschaftschemie. Damit verzeichneten die Universitäten im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Anstieg der neuen Studierenden von 2,2 Prozent – es kamen mehr Chemiestudenten an die Unis als in den drei Jahren zuvor.
Wie viele studieren momentan Chemie an einer deutschen Uni?
Die Gesamtzahl an Chemiestudierenden (also Bachelor-, Master- und Promotionsstudierende zusammen) sinkt allerdings seit 2017 jährlich und hat im Jahr 2024 mit 31.784 Immatrikulierten einen neuen Tiefstwert erreicht. Insgesamt waren 2024 rund 14.900 Studierende im Bachelor Chemie eingeschrieben, das sind etwa 400 weniger als im Vorjahr.
Hierzu sei angemerkt, dass der größte Teil der Bachelorstudenten sich im Semester 5 oder höher befindet (s. Grafik unten). Intuitiv würde man wohl die meisten Studenten in den Semestern 1+2 erwarten, da gerade in den ersten Semestern die Abbrecherquote besonders hoch ist und weniger Studenten in den höheren Semestern „übrig bleiben“ müssten. Doch viele Studenten benötigen insgesamt länger als die sechs Regelsemester für den Bachelor, weshalb der Teil „Semester 5 oder höher“ in der Grafik unten entsprechend groß ist. Die zu erwartenden Studiendauern werden später im Beitrag diskutiert.
Was an den Studierendenzahlen der ersten beiden Semester deutlich wird, ist der Trend zu mehr weiblichen Chemiestudenten. Klassisch ist das Chemiestudium noch immer eher männlich geprägt, wie die Verteilung der „älteren Semester“ in der Grafik oben zeigt. Über alle Bachelorstudierenden hinweg beträgt der Frauenanteil im Jahr 2024 immerhin 44,5 Prozent und befindet sich damit etwa auf Vorjahresniveau. Erstmals sind in der GDCh-Auswertung auch diverse Studierende angegeben.
Internationalisierung auf allen Ebenen
Laut Auswertung der GDCh ist ein bemerkenswerter Trend bei der Zahl der internationalen Studierenden zu erkennen. Während früher ausländische Studierende vorwiegend nur für ihre Promotion nach Deutschland kamen, entscheiden sie sich heute vermehrt dafür, bereits ihren Bachelor- oder Masterabschluss hierzulande zu erwerben: 14,9 Prozent der Studienanfänger in Chemie, 20 Prozent der Masterabsolventen und 25,4 Prozent der erfolgreich Promovierten stammen aus dem Ausland. Der internationale Anteil unter den aktuell Promovierenden hat sich seit dem Jahr 2000 von 13 auf 30 Prozent mehr als verdoppelt.
Studiendauer: Chemie – the neverending study
In der Chemie/Wirtschaftschemie erlangten im Jahr 2024 genau 1.828 Personen den Doktorgrad, das sind deutlich mehr als im Jahr zuvor (2023: 1.771).
Was ebenfalls wieder mehr geworden ist, ist die Zeit, die ein Chemiestudium insgesamt benötigt. Die Studiendauer bewegt sich im Median bei 7 Semestern für Bachelorabschlüsse und 5,5 Semestern für Masterabschlüsse. Zur Erinnerung, laut Regelstudienzeit sind für den Bachelor 6 und für den Master 4 Semester vorgesehen.
Top 10: Unis für Chemie (CHE-Hochschulranking 2024)
Am längsten sind die Chemiestudierenden dann mit ihrer Promotion beschäftigt: 8,8 Semester dauert die Chemiepromotion im Median. Vom Beginn des Chemiestudiums bis zur abgeschlossenen Promotion verbringen Studierende somit 21,3 Semester an der Uni, also rund 10,5 Jahre. Das Studium dauert heute ein Jahr länger als noch 2015 – und der Trend der Studiendauer geht weiterhin nach oben.
Abbruchrate im Chemiestudium
Naturwissenschaftliche Studienengänge sind dafür bekannt, dass sie hohe Abbrecherzahlen aufweisen. So verzeichnet auch der Studiengang Chemie eine hohe so genannte Schwundquote im Bachelor: Es gibt deutlich weniger Abschlüsse, als man anhand der Erstsemesterzahlen drei Jahre zuvor erwarten würde. Über die vergangenen Jahre hat sich dieser Wert weitgehend eingependelt und lag im Mittel (2011 bis 2024) bei rund 63 Prozent. Das bedeutet, dass lediglich knapp 40 Prozent der Studienanfänger bis zum Bachelorabschluss dabei bleiben.
Stand: 08.12.2025
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Dieser hohe Anteil an Studienabbrechern ist laut GDCh aber schon zu Zeiten der Diplomstudiengänge in ähnlicher Ausprägung vorgekommen und kein Phänomen durch die Bologna-Reform (Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge im Jahr 2002). Im aktuellen Berichtsjahr 2024 ist die Schwundquote im Bachelor mit 63 Prozent wieder gesunken, nachdem sie im Vorjahr deutlich erhöhten Wert von 67 Prozent erreicht hatte. Zuletzt war sie im Jahr 2020 auf einem bisherigen Höchstwert von 72 Prozent, was sich wohl als Corona-Ausreißer deuten lässt (da in diesem Jahr viele Prüfungen und Abschlüsse aufgeschoben wurden).
Bologna-Reform und das Auslaufen des Diplomstudiums
Die Bachelorabschlüsse haben sich seit 2016 Jahren auf ein einigermaßen konstantes Niveau eingependelt. Davor waren die Zahlen über viele Jahre gestiegen, da erst seit 2002 die Bachelor- und Masterstudiengänge mit der Bologna-Reform eingeführt worden sind. Noch lange danach waren vereinzelt Diplomstudenten an den Universitäten „unterwegs“. So wurden 2020 noch vier Vordiplom- und neun Diplomabsolventen gemeldet.
Ein Grund für die Studienreform war seinerzeit, den Studierenden mit dem Bachelor einen anerkannten Zwischenabschluss und damit einen schnelleren Start in das Berufsleben zu ermöglichen. Zumindest im Bereich Chemie hat dies aber nicht den gewünschten Erfolg gebracht, da hier nahezu alle Bachelorabsolventen direkt den Master anschließen.
Die (zwanghafte) Jagd nach dem nächsten Abschluss
In der Chemie ist es typisch, dass die Studierenden nach dem Bachelorabschluss an der Uni bleiben: 97,3 Prozent der 1.910 Bachelorabsolventen nahmen ein Masterstudium auf, nur 2,3 Prozent starteten direkt ins Berufsleben.
Auch auf der nächsthöheren Stufe sieht es ähnlich aus und 80 Prozent der 2.052 Masterabsolventen schlossen im Jahr 2024 direkt eine Promotion an. Der Weg in den Beruf wird hier immerhin schon von 14,4 Prozent der Absolventen eingeschlagen. Und positiv hervorzuheben ist, dass lediglich 4 Prozent der in der Statistik erfassten Absolventen angeben, dass sie noch auf Stellensuche sind.
Berufseinstieg mit Doktortitel: Industrie statt Forschung
Diejenigen, die es nach typischerweise zehn bis elf Jahren bis zur Promotion geschafft haben, beginnen zum Großteil einen Job in der chemischen Industrie oder der übrigen Wirtschaft (54,1 Prozent). Der zweithäufigste Karriereweg ist der Postdoc im Inland (18,9 Prozent). Unbefristete Stellen an Hochschulen oder Forschungsinstituten sind eher die Ausnahme (2,9 bzw. 1,8 Prozent). Bei den promovierten Chemikern ist der Anteil an Stellensuchenden höher als bei den Masterabsolventen, aber mit 7,1 Prozent immer noch erfreulich gering.
Wie gut ist meine Abschlussnote im Vergleich zu anderen Chemiestudenten?
Zum Ende blicken wir noch auf die Benotung. Abschlussnoten im Chemiestudium werden besser, je höher der Abschluss ist. So werden Bachelorarbeiten noch überwiegend mit „gut“ bewertet wohingegen die Note „mit Auszeichnung“ eine seltene Ausnahme ist. Bei Masterarbeiten sind die Noten „gut“ und „sehr gut“ schon etwa gleich häufig vertreten, und jede zehnte Masterarbeit wird „mit Auszeichnung“ abgeschlossen. Bei der Promotion schließen sogar 22 Prozent „mit Auszeichnung“ ab, während nur noch 7,5 Prozent mit „gut“ ihr Studium endgültig beenden. Dieser Trend zeigt, dass sich die Absolventen mit jedem Abschluss besser mit ihrem Thema auskennen und sich mehr dafür einbringen.
Abschlussnoten: Welche Uni gibt die besten Promotionsnoten?
Ein näherer Blick auf die Benotungen der Abschlüsse zeigt, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Universitäten gibt. Wir haben die Unis mit mindestens 40 abgeschlossenen Promotionen im Jahr 2024 verglichen und die Notenspiegel in der Grafik unten dargestellt. Die besten Abschlüsse wurden in dieser Auswahl an der TU München erzielt. Hier erhielten 36 Prozent der Promovierenden den Abschluss „mit Auszeichnung“. Eine ähnliche hohe Quote an „ausgezeichneten“ Promotionsarbeiten hatte die LMU München sowie die Universität Bochum.
Den kleinsten Anteil an Promotionen „mit Auszeichnung“ gab es bei den betrachteten Universitäten in Rostock: hier erhielten nur 2 von 43 Arbeiten die Bestnote (rund 5 Prozent).
Allzuviel sollte man von diesen Werten allerdings nicht ableiten. Denn der Vergleich zu den Erhebungen der Vorjahre zeigt, dass die Ergebnisse rapide schwanken. So hatte die LMU im Vorjahr mit 40 Prozent „ausgezeichneten“ Promotionen deutlich den ersten Platz belegt, während die TU München mit 29 Prozent ausgezeichneten Promotionen auf Platz drei lag.
Am Ende ist jede Promotion ein Zeichen größten Einsatzes für das eigene Fachgebiet und ein Beleg für die Fähigkeit zu eigenständigem, wissenschaftlichen Arbeiten.
Methodisches Vorgehen
Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie befasst sich u.a. mit aktuellen Entwicklungen an Hochschulen und am Arbeitsmarkt. Seit 1952 erhebt die GDCh jährlich umfangreiche statistische Daten zu den Chemiestudiengängen. Die Statistik vom Jahr 2024 basiert auf den Daten der Studiengänge der Chemie und Wirtschaftschemie, Biochemie und Life Science, Lebensmittelchemie sowie der Chemiestudiengänge der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW), ehemals Fachhochschulen. Abgefragt wurden die Anfänger- und Studierendenzahlen, die Zahl der bestandenen Abschlussprüfungen sowie die jeweiligen Abschlussnoten und Studiendauer. Zusätzlich machten einige Hochschulen Angaben zum Berufseinstieg ihrer Absolventen nach Studienabschluss oder Promotion. Stichtag der Erhebung ist der 31. Dezember.