Sie schwankt typischerweise, die Stimmung in den Prüf- und Kalibrierlaboratorien. Aktuell geht die Tendenz wieder aufwärts, wie die Ergebnisse des VUP-Konjunkturbarometers zeigen. Der deutsche Verband unabhängiger Prüflaboratorien erhebt darin halbjährlich Daten zu Auftragslage und Investitionsbereitschaft seiner Mitgliedslaboratorien.
Das Konjunkturbarometer Mai 2025 zeigt aktuelle Entwicklungen in den Prüf- und Kalibrierlaboratorien. (Symbolbild)
Neue Bundesregierung – neue Chancen? Wie die aktuelle Umfrage des deutschen Verbands unabhängiger Prüflaboratorien zeigt, ist die Stimmung unter Prüf- und Kalibrierlaboratorien signifikant besser als noch zur Erhebung im November 2024. Allerdings ergibt sich kein einheitliches Bild: während manche Marktsegmente positiv auf die nächsten sechs Monate blicken, rechnen einzelne Fachgebiete mit anhaltender Stagnation bzw. Umsatzeinbußen. Die Ergebnisse im Detail.
Mehr Aufträge und Investitionsbereitschaft
Die wirtschaftliche Situation in Deutschland ist in Bewegung. Statt politischer Stagnation ist durch die Freigabe von Investitionspaketen wieder mehr Optimismus und Planungssicherheit eingekehrt. Dies spiegelt sich auch in den Erwartungen der Laborbranche für die kommenden sechs Monate wider: Die aktuelle Auftrags- und Stimmungslage wird mit 0,3 (auf einer Skala von -2 bis +2) weiterhin positiv bewertet. Gleichzeitig werden die Erwartungen für die Auftragslage der kommenden sechs Monate mit 0,4 eingeschätzt und liegen damit deutlich höher als die Erwartungen aus dem Herbst des Vorjahres (0,1). In der aktuellen Umfrage sehen lediglich 20 Prozent der Teilnehmer eine Verschlechterung der Auftragslage auf sich zukommen.
Bereits seit Frühjahr 2023 bewegen sich die Erwartungen der Branche im neutralen bis leicht positiven Bereich – die letzte negative Bewertung durch die Labore gab es im November 2022. Dies zeigt, dass trotz anhaltender Krisen die Prüf- und Kalibrierlabore eine stabile und sichere Branche sind.
Der im Mai 2025 verzeichnete Aufschwung in der erwarteten Auftragslage ist jedoch nicht allgemein gültig, sondern je nach Marktsegment sehr unterschiedlich ausgeprägt, wie die folgende Analyse zeigt.
Viele Gewinner und ein Verlierer – die Marktsegmente
Für die einzelnen Marktsegmente wird die Auftragslage der nächsten sechs Monate zwar weitgehend positiv, jedoch noch uneinheitlich bewertet. Im Folgenden sind die einzelnen Segmente und deren Bewertung der Auftragslage aufgelistet (inklusive der Veränderung zur Herbstumfrage 2024):
Die größten Änderungen in der Auftragslage sind in den Bereichen Labormedizin und Industrieanalytik zu verzeichnen.
(Bild: LABORPRAXIS (Daten: VUP))
Den größten Anstieg verzeichnet aktuell die Industrieanalytik, welche im Herbst 2024 mit einer Bewertung von -0,1 noch zurückgehende Umsätze prognostizierte, nun aber deutlich positiv bewertet ist. Damit steht sie ähnlich gut da wie die Bereiche Pharmazie, Verbraucherschutz & Lebensmittel sowie Umweltanalytik.
Anders sieht es bei der Labormedizin aus. Hier sind die Erwartungshaltung deutlich zurückgegangen, von 0,1 im Herbst des vorigen Jahres auf jetzt nur noch -0,2. Damit ist die Labormedizin der einzige Bereich in der aktuellen Umfrage, in dem die Befragten mit einem Rückgang der Aufträge rechnen. Die zweitschlechteste Bewertung erhielt das Segment Kalibrierwesen. Trotz Anstieg der Bewertung um 0,2 rechnen die Befragten hier mit einer Stagnation der Umsätze.
Ansteigende Investitionsbereitschaft
Ein sehr positives Bild ergibt sich bei der Investitionsbereitschaft. Diese steigt branchenübergreifend tendenziell in allen abgefragten Bereichen. Den stärksten Anstieg verzeichnet Werbung mit 0,1 gegenüber -0,2 im Herbst 2024. Während Investitionsvorhaben in Immobilien mit -0,1 (auf einer Skala von -2 bis +2) sich erneut abschwächen, zeigt der Bereich Analysen- und Anlagentechnik mit 0,3, dass immer noch verstärkt in den Stand der Technik investiert wird.
Das Feld führt jedoch nach wie vor der Bereich IT und Digitalisierung an. Mit 0,7 zeigt der Wert erneut eine leichte Zunahme und macht deutlich, dass von den positiven Konjunkturaussichten der Laborbranche weiterhin die Digitalisierung profitiert. Fast zwei Drittel der befragten Labore wollen ihre Investitionen in IT ausweiten – nur zwei der 49 erhaltenen Rückmeldungen geben an, deutlich weniger investieren zu wollen.
Insgesamt erreicht die Branche im Saldo über alle Fachbereiche den Wert von 0,2 für die Investitionsbereitschaft (gegenüber 0,1 im Herbst 2024).
Unternehmen investieren in Nachhaltigkeit
Neben der Digitalisierung ist auch der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen ein wesentlicher Aspekt für die Laborbranche. Fast 50 Prozent der Befragten geben an, in nächster Zeit im Bereich Nachhaltigkeit investieren zu wollen. Das betrifft vor allem den Bereich Unternehmensorganisation und nur in Teilen den Bereich Labor. Beim Einkauf hingegen scheint das Thema Nachhaltigkeit laut der VUP-Umfrage noch keine große Rolle zu spielen.
Mangel an Fach- und Arbeitskräften bleibt
Das Angebot an Arbeits- und Fachkräften bleibt konstant mit -0,4 (auf einer Skala von -2 bis +2) auf niedrigem Niveau, während der Bedarf an Personal etwas zurückgegangen ist. So hat sich die Zahl von 0,3 auf 0,1 abgeschwächt. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser Trend vor dem Hintergrund der positiven Konjunkturaussichten wieder umkehrt.
Stand: 08.12.2025
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Das VUP-Konjunkturbarometer wird halbjährlich unter Prüf- und Kalibrierlaboratorien erhoben. Mehr dazu und zu den Ergebnissen der letzten Ausgaben des VUP-Konjunkturbarometers sind auf der Webseite des deutschen Verbandes unabhängiger Prüflaboratorien zu finden. Die Zusammenfassung der vorigen Konjunkturbarometer finden Sie auch in den hier gelisteten Beiträgen: