Noch ist die Auftragsbilanz leicht positiv, die das Konjunkturbarometer des deutschen Verbands unabhängiger Prüflaboratorien (VUP) zieht. Doch bestimmte Laborbereiche erwarten deutliche Rückgänge. Wo das Geschäft gut läuft und wo nicht, lesen Sie hier.
Das VUP-Konjunkturbarometer fragt halbjährlich die Auftragslage in Kalibrier- und Prüflaboren ab. In diesem Beitrag sind die Ergebnisse vom November 2024 zusammengefasst.
(Bild: Copilot / KI-generiert)
Die aktuelle Umfrage des deutschen Verbands unabhängiger Prüflaboratorien (VUP) zeigt im November 2024 eine getrübte Stimmung in der Laborbranche. Die zuletzt eher positiven Zukunftsaussichten für Auftragslage und Investitionen sind wieder rückläufig, wie ein Blick auf die Auswertung des VUP-Konjunkturbarometers zeigt.
Zumindest die aktuelle Auftragslage wird weiterhin verhalten positiv eingeschätzt. Hier wird seit zwei Jahren bzw. vier Umfragen ein Index von 0,1 bis 0,3 auf der Bewertungsskala von -2 bis +2 erzielt.
Kein Lichtblick bei den kommenden Aufträgen
Die wirtschaftliche Situation in Deutschland ist derzeit angespannt. Statt Wachstum stagniert die Umsatzentwicklung und die Nachrichten sind von negativen Schlagzeilen geprägt. Mit finanzieller Entlastung in den Bereichen Energie und Rohstoffe ist aktuell nicht zu rechnen. Zudem sind nach wie vor viele Lieferketten unsicher, weshalb der Einkauf von Materialien für geplante Projekte weiterhin einen Risikofaktor darstellt.
All dies spiegelt sich nun auch in den Erwartungen der Laborbranche für die kommenden sechs Monate wider: Während die aktuelle Auftrags- und Stimmungslage mit 0,3 (auf einer Skala von -2 bis +2) noch leicht steigend im Vergleich zum Frühjahr (0,2) bewertet wird, sinken die Erwartungen für die Auftragslage der kommenden sechs Monate von zuletzt 0,4 auf nun nur noch 0,1. Die Befragten Laborleiter merken an, dass bedingt durch die insgesamt eher stagnierende Auftragslage auch der Ausbau personeller Kapazitäten zurückgeht.
Gewinner und Verlierer im Laborgeschäft
Für die einzelnen Marktsegmente bewerten die befragten Labore die Auftragslage der nächsten sechs Monate sehr uneinheitlich (Änderung zur Umfrage im Mai 2024 in Klammern, Skala wieder von -2 bis +2):
Auftragslage nach Branchen mit einer Skala von -2 (sehr schlecht) bis +2 (sehr gut). Hervorgehoben ist der Bereich der physikalischen messungen und des Kalibrierwesens, der seit der letzten Umfrage den stärksten Rückgang der Auftragslage verzeichnet hat.
Mit Ausnahme der ersten beiden genannten Segmente liegen diese Zahlen zum Teil deutlich unter der Frühjahrsprognose. Besonders die Bereiche „Physikalische Messungen & Kalibrierwesen“ sowie „Industrieanalytik“ sind deutlich schlechter bewertet als noch vor einem halben Jahr.
Und auch die scheinbaren Gewinner, also die Marktsegmente „pharmazeutische Untersuchungen“ und „Medizinprodukte“, sind mit Vorsicht zu betrachten. Denn die Erwartung von steigenden Umsätzen in einzelnen Segmenten muss nicht zwangsläufig auf erfolgreiche Geschäftstätigkeit zurückzuführen sein, sondern kann sich ebenso durch das allgemein gestiegene Preisniveau begründen, wie manche der befragten Labore anmerken.
Investitionsbereitschaft bis auf eine Ausnahme stabil
Die Investitionsbereitschaft bleibt im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich. Hier ist nach wie vor der Bereich IT weit vorne und wird wie bereits in der Mai-Umfrage 2024 mit 0,6 auf der Skala von -2 bis +2 positiv eingeschätzt. Wenn also Geld investiert wird, dann vor allem in Digitalisierungsprojekte. Für die Analysetechnik sinkt die Investitionsbereitschaft von einem Indexwert 0,4 auf nun 0,3 leicht ab, bei Immobilien und Anlagentechnik bleibt sie auf dem Wert von 0,1 stabil.
Ein deutlicher Rückgang ist bei den Investitionen für Werbemaßnahmen zu verzeichnen: Waren diese im Frühjahr noch mit einem leichten Wachstum bewertet (0,2) schlägt in der Novemberumfrage der Sparzwang der Labore durch: Der Indexwert -0,1 zeigt, dass insgesamt weniger in Werbung investiert werden soll.
Das Angebot an Arbeits- und Fachkräften bleibt mit -0,4 (auf der Skala von -2 bis +2) auf gleichbleibend niedrigem Niveau, während der Bedarf an Personal unverändert hoch ist. So hat sich der Indexwert von 0,3 aus dem Frühjahr 2024 trotz erwarteter Auftragsrückgänge bis zum Herbst nicht verändert und zeigt einen weiterhin bestehenden Mangel an personellen Ressourcen an. Möglicherweise findet sich hierin ein Grund für die hohe Investitionsbereitschaft in digitale Lösungen, mit deren Hilfe man zumindest teilweise die vorhandenen Fachkräfte von repetitiver oder nicht-wertschöpfender Arbeit wie Organisations- und Dokumentationsaufgaben entlasten kann.
Fazit zur halbjährlichen Umfrage
Zusammenfassend bleibt die Laborbranche verhalten optimistisch, aber unstetig. Die andauernden Krisen lassen auch im Laborsektor noch kein Aufatmen zu. Es bleibt eine angespannte Lage, die in den kommenden Jahren weiter vom VUP im Auge behalten wird.
Das VUP-Konjunkturbarometer wird halbjährlich unter Prüf- und Kalibrierlaboratorien erhoben. Mehr dazu und zu den Ergebnissen der letzten Ausgaben des VUP-Konjunkturbarometers sind auf der Webseite des deutschen Verbandes unabhängiger Prüflaboratorien zu finden. Die Zusammenfassung der vorigen Konjunkturbarometer finden Sie auch in den hier gelisteten Beiträgen:
Stand: 08.12.2025
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