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Paläoumwelt-Forschung Shrinkflation im Ozean: Klimawandel lässt Meerestiere schrumpfen

Quelle: Pressemitteilung Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg 2 min Lesedauer

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Umweltkrisen reduzieren die Körpergröße mariner Arten. Dieser so genannte Lilliput-Effekt tritt besonders stark in Phasen der Erderwärmung auf, wie der Vergleich von Fossilien in einer aktuellen Studie zeigt. Der Effekt dient damit als Indikator für Stress in marinen Ökosystemen und fungiert als Warnsignal für die Folgen der heutigen Erderwärmung.

Die Belemniten (Kopffüßer aus dem Mesozoikum) im Bild stammen aus Peniche in Portugal. Sie lebten während einer Wärmekrise vor ca. 183 Millionen Jahren und sind nur halb so groß wie ihre Artgenossen direkt vor und nach der Krise.(Bild:  Kenneth De Baets)
Die Belemniten (Kopffüßer aus dem Mesozoikum) im Bild stammen aus Peniche in Portugal. Sie lebten während einer Wärmekrise vor ca. 183 Millionen Jahren und sind nur halb so groß wie ihre Artgenossen direkt vor und nach der Krise.
(Bild: Kenneth De Baets)

Ob Muscheln, Krebse oder Fische: Meerestiere reagieren seit Hunderten Millionen Jahren auf Umweltkrisen mit einem Rückgang ihrer Körpergröße. Eine neue Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gemeinsam mit den Universitäten Warschau und Lille zeigt nun, dass dieser so genannte „Lilliput-Effekt“ bei starken globalen Erwärmungsphasen besonders ausgeprägt ist. Die Forschenden sehen darin ein Warnsignal mit Blick auf den heutigen Klimawandel. Die Ergebnisse legen nahe, dass die aktuelle Erderwärmung die Meeresbewohner schrumpfen lassen wird.

Für die Studie analysierte das Forschungsteam fast 9.000 Größenänderungen aus fossilen, historischen und modernen Untersuchungen. Dadurch konnten Veränderungen der Körpergröße bei Meerestieren über einen Zeitraum von rund 450 Millionen Jahren hinweg miteinander verglichen werden.

Umweltstress führt zu Zwergwuchs

„Unsere Daten belegen, dass die Abnahme der Körpergröße eine allgemeine Reaktion von Meerestieren auf Umweltkrisen ist“, sagt Dr. Paulina Nätscher, frühere Wissenschaftlerin am Lehrstuhl für Paläoumwelt an der FAU und Erstautorin der Studie. „Wir beobachten dieses Phänomen in sehr unterschiedlichen Tiergruppen, von Zwergwuchs in einzelnen Arten bis hin zu einer Dominanz kleinerer Arten in ganzen Lebensgemeinschaften. Er ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Ökosysteme unter Stress stehen.“

Besonders stark seien die Veränderungen während Erwärmungsphasen gewesen. „Bei allen Umweltkrisen, ob sie durch Erwärmung herbeigeführt wurden oder nicht, liegt ein Rückgang der Körpergröße in Lebensgemeinschaften vor“, erklärt ihr Kollege Dr. Kenneth De Baets von der Universität Warschau. „Besonders ist jedoch, dass Krisen mit starker Erwärmung zu deutlich stärkeren und wechselhafteren Veränderungen direkt innerhalb der Arten führen; also zu einer echten Verzwergung. Im Durchschnitt fallen diese Effekte etwa doppelt so stark bei Erwärmung aus wie bei anderen Krisen.“

Auch der Zusammenhang mit der Temperaturentwicklung sei klar erkennbar, sagt Prof. Wolfgang Kießling, Leiter des Lehrstuhls für Paläoumwelt an der FAU: „Je stärker die Temperatur steigt, desto ausgeprägter ist der Rückgang der Körpergröße. Die Erdgeschichte liefert damit ein deutliches Warnsignal für die Zukunft der Ozeane.“

Kleinere Körpergrößen in den Weltmeeren

Die Studie legt nahe, dass der heute beobachtete Trend zu kleineren Fischen und wirbellosen Meerestieren kein kurzfristiges Phänomen ist, sondern einem langfristigen Muster folgt. Setzt sich die globale Erwärmung fort, könnten kleinere Körpergrößen in den Weltmeeren zunehmend zur Regel werden – mit weitreichenden Folgen für Nahrungsketten und Fischerei.

Originalpublikation: Paulina S. Nätscher, Kenneth De Baets, and Wolfgang Kiessling: Unique fingerprint of marine ectotherm body size change during hyperthermal crises, PNAS, 123 (26), June 23, 2026; DOI: 10.1073/pnas.2505564123

(ID:50887693)

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