Wo sich Forscher aus aller Welt treffen, entstehen große Ideen, so glaubt man. Sicher ist: es entstehen große CO2-Emissionen. Welche Umweltauswirkungen internationale Konferenzreisen mit sich bringen, haben Forscher aus Österreich ermittelt. Sie verglichen Flug- und Zugreisen und berücksichtigten auch versteckte CO2-Kosten für den Bau und die Instandhaltung der Infrastruktur. Ob die Bahn mit ihrem teuren Schienennetz da noch mithalten kann, zeigt die nun veröffentlichte Studie.
Zug oder Flugzeug? Forscher aus Österreich haben den CO2-Abdruck von Konferenzreisen verglichen (Symbolbild).
(Bild: ideogram.ai / KI-generiert)
Jede Initiative, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, kann dabei helfen, die Folgen der globalen Erwärmung zu mildern. Die Forschung zu nachhaltigem Verhalten in verschiedenen Lebensbereichen macht laufend Fortschritte. Doch klar ist auch: Die akademische Forschung hat selbst einen erheblichen ökologischen Fußabdruck, der nicht übersehen werden darf. Für dieses Thema sensibilisiert das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) aktiv seine Angestellten und sucht nach Strategien, um die Auswirkungen der Forschung auf das Klima zu mindern.
Da oft Daten fehlen, wollten ISTA-Nachhaltigkeitsmanager Jeroen Dobbelaere und die Professoren Paul Schanda und Georgios Katsaros dieses Problem im Jahr 2023 direkt angehen. Als Teil des Lehrplans der ISTA Graduate School entwickelten sie einen Kurs, um den Fußabdruck von Forschungspraktiken zu quantifizieren. „Zusammen mit den teilnehmenden Studierenden wollten wir jedes Jahr ein Thema angehen“, sagt Dobbelaere. „Wir haben den Kurs so konzipiert, dass er den Schwerpunkt auf Mentoring und projektbasierte Datenanalyse legt und mit einer Präsentation vor der Campus-Community endet.“
Ihre Ergebnisse zum CO2-Fußabdruck von Konferenzreisen im Bereich der Kernspinresonanz (Nuclear Magnetic Resonance, NMR) wurden nun in der Zeitschrift Magnetic Resonance veröffentlicht.
Viele akademische Forschungsaktivitäten haben erhebliche Auswirkungen auf das Klima. Dazu gehören die Herstellung von Chemikalien und anderen Materialien, die in der Forschung verbraucht werden, sowie der Bau und die Instandhaltung von Forschungsgebäuden, -einrichtungen und -geräten. Aber auch andere Faktoren wie das Pendeln zur Arbeit und die Konferenzreisen spielen eine Rolle. Der CO2-Fußabdruck von Reisen im akademischen Bereich ist von besonderem Interesse, da er nach der SARS-CoV-2-Pandemie wieder erheblich angestiegen ist.
„Persönliche Treffen haben eine Qualität, die Online-Konferenzen einfach nicht bieten können“, sagt Schanda. „Viele von uns hatten brillante Ideen – oder dachten zumindest damals so –, wenn wir nach einer Poster-Session mit Kolleg:innen etwas trinken gingen.“ Solche einzigartigen Gelegenheiten lassen sich in einer Online-Umgebung kaum bieten. Obwohl reine Online-Konferenzen einen deutlich geringeren CO2-Fußabdruck haben, bieten sie den Wissenschaftlern keine vergleichbare Erfahrung wie persönliche Treffen.
Die versteckten CO2-Kosten der Bahn
Als der Kurs im akademischen Jahr 2023/24 zum ersten Mal angeboten wurde, untersuchte das Team die Umweltauswirkungen von Konferenzreisen für das Gebiet der NMR. „Angesichts des erheblichen CO2-Fußabdrucks von Flugreisen haben wir uns gefragt, ob Zugreisen eine Alternative darstellen“, sagt Nachhaltigkeitsmanager Dobbelaere. Laut Natália Ružičková, einer der Kursteilnehmer und Studienautoren, die kürzlich ihr Doktorat am ISTA absolviert hat, ist es „allgemein bekannt“, dass Züge weniger umweltschädlich sind als Flugzeuge. Doch es gibt ein „Aber“, wie sie einschränkt: „Diese Berechnungen berücksichtigen nicht die Kosten für die Infrastruktur. Während ein Flugzeug nur zwei Flughäfen benötigt, erfordert der Betrieb eines Zuges Gleise, Tunnel und Brücken, die den Ausgangs- und den Zielort verbinden. Und der Bau und die Instandhaltung dieser Gleise verursachen CO2-Emissionen.“
Flug oder Zug: Vergleich der tatsächlichen Emissionen
Forscher haben die CO2-Emissionen von Zug- und Flugreisen ab Wien zu Konferenzen in Europa verglichen. Die eingetragenen Punkte liegen alle im hellen Bereich des Diagramms – es wurde also weniger CO2 bei der Zugfahrt frei als beim Flug zum gleichen Ziel („versteckte“ Emissionen durch Infrastrukturaufbau- und Instandhaltung wurden mit berücksichtigt). Die Farbe der Punkte zeigt die CO2-Einsparung an. Die Daten wurden von Natália Ružičková, Valentin Leitner und Cecelia Mweka gesammelt und im April 2024 vorgestellt.
(Bild: Natália Ružičková)
Um dieses Problem methodisch anzugehen und die „versteckten“ CO2-Kosten zu berücksichtigen, erstellten die Kursteilnehmer ein detailliertes Modell, das auch die indirekten Auswirkungen des Gleisbaus und des Baus von Bahnhöfen berücksichtigt. So schätzten sie den „tatsächlichen“ CO2-Fußabdruck von Reisen von Wien in verschiedene europäische Städte. Und selbst mit den zusätzlichen versteckten CO2-Kosten gilt dem Ergebnis dieser Berechnungen zufolge: Zugreisen bleiben wesentlich umweltfreundlicher als Flüge.
„Wir haben festgestellt, dass die mit einer Zugfahrt verbundenen Infrastruktur-Emissionen zwar etwa dreimal so hoch sind wie der CO2-Fußabdruck des eigentlichen Zugbetriebs – also die von Reise-Apps angezeigten Emissionen –, aber dennoch spart man mit dem Zug im Durchschnitt 85 Prozent CO2 im Vergleich zur gleichen Strecke mit dem Flugzeug“, erklärt Studienautorin Ružičková. Bei langen Reisen von mehr als 3.000 Kilometern war dieser Effekt jedoch weniger deutlich.
Klimakosten einer Konferenzreise: ein halbes Jahr Forschungszeit
Als Nächstes nahmen die Wissenschaftler die Reise-Emissionen von zehn internationalen NMR-Konferenzen der letzten zehn Jahre genauer unter die Lupe. Sie zeigten, dass die Reise zu einer Übersee-Konferenz einen erheblichen CO2-Fußabdruck von vier bis fünf Tonnen CO2 pro Teilnehmer verursacht. Dies ist beispielsweise der Fall bei einer Reise von Europa zur ENC-ISMAR in Kalifornien. „Wir haben diese Daten mit den Emissionen verglichen, die direkt mit den Forschungsaktivitäten im Bereich NMR an unserem Institut zusammenhängen. Es hat sich herausgestellt, dass eine Reise von Europa zu einer solchen Übersee-Konferenz einen höheren CO2-Fußabdruck hat als pro Person ein halbes Jahr lang Proben herzustellen, Experimente durchzuführen und wissenschaftliche Berechnungen im Bereich NMR am ISTA durchzuführen“, sagt ISTA-Professor Schanda.
Stand: 08.12.2025
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Während Österreich einen Anteil von 17 Prozent an fossilen Brennstoffen hat, sind die forschungsbezogenen Emissionen in Ländern mit einem Energiemix mit mehr fossilen Energieträgern höher, beispielsweise in Deutschland, das mehr als doppelt so viel fossile Brennstoffe nutzt wie Österreich.
Wie lassen sich Konferenzen klimabewusst gestalten?
Eine weitere wichtige Erkenntnis in Bezug auf Konferenzorte gewann das Team durch die Untersuchung zusätzlicher Szenarien. Sie prüften die Möglichkeit dezentraler Konferenzen innerhalb Europas, also Tagungen, die gleichzeitig an mehreren Orten stattfinden und virtuell miteinander verbunden sind. „Solche dezentralen Konferenzen bieten den Teilnehmenden die Möglichkeit, zu einem Konferenzort in der Nähe ihrer Forschungseinrichtung zu reisen, was zu einer CO2-Einsparung von bis zu 25 Prozent führt“, sagt Nachhaltigkeitsmanager Dobbelaere.
Die Studie befasste sich zwar mit dem Beispiel der NMR-Forschung, doch die Autoren hoffen, dass ihre Ergebnisse Forschenden in verschiedenen Fachbereichen helfen werden, fundierte und klimabewusste Entscheidungen über Konferenzreisen zu treffen.
Als Nächstes werden Dobbelaere, Schanda und Katsaros ihre Bemühungen fortsetzen und sich in ihrem Kurs mit neuen Themen befassen. „Letztes Jahr haben wir uns mit dem CO2-Fußabdruck des Pendelns befasst. Im laufenden akademischen Jahr haben wir begonnen, die Umweltauswirkungen des Scientific Computing zu untersuchen“, sagt Dobbelaere.