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Spermidin im analytischen Fokus
Das Altern aufhalten – per Superfood?

Ein Gastbeitrag von Guido Deussing Guido Deußing, Freier Journalist, Redaktionsbüro Guido Deußing, Neuss 16 min Lesedauer

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Das biogene Polyamin Spermidin ist offenbar in der Lage, über die Nahrung aufgenommen, den Alterungsprozess auszubremsen. Um spermidinreiche Lebensmittel zu identifizieren, bedarf es der richtigen Analysenstrategie. Die Westfälische Hochschule in Recklinghausen hat eine effiziente, automatisierte Methode auf Basis der Hochleistungsflüssigkeits­chromatographie (HPLC) mit Flugzeit-Massenspektrometrie (QTOF-MS) entwickelt, um Spermidin im Superfood Apilarnil zu bestimmen.

Abb. 1: Honigbienenlarven, aus denen das Superfood Apilarnil gewonnen wird.(Bild:  © apisitwilaijit29 - stock.adobe.com)
Abb. 1: Honigbienenlarven, aus denen das Superfood Apilarnil gewonnen wird.
(Bild: © apisitwilaijit29 - stock.adobe.com)

Das wollen anzunehmender Weise wohl die wenigsten von uns: jung sterben. Ein langes Leben bei bester Gesundheit stehe, wie es der Arzt und Autor Gerd Reuther in seinem Buch „Die Kunst, möglichst lange zu leben“ [1] schreibt, auf der Wunschliste der meisten Menschen ganz oben, heute v. a. unter der Prämisse, dabei möglichst lange jung zu bleiben. Das Leben aber ist bekanntlich kein Wunschkonzert. Niemand weiß, wann Bruder Hein an unsere Tür klopft. Statistisch betrachtet lässt sich jedoch eine realistische Perspektive eröffnen, und sie ist besser als anno dazumal. Laut Statistischem Bundesamt hat sich die Lebenserwartung in Deutschland in den vergangenen 100 Jahren nahezu verdoppelt: Mädchen, die zwischen 2020 und 2022 geboren wurden, werden im Schnitt 83,2 Jahre alt. Jungen sterben im Mittel fünf Jahre früher mit 78,3 Jahren [2,3].

1) Nachfrage und Angebot

Wo viele Menschen ein und denselben Wunsch hegen oder sich ein kollektives Bedürfnis formiert, lässt sich ein Markt beschreiben, auf dem sich nicht nur in der Sache Kundige, sondern auch Quacksalber, Scharlatane und Dummschwätzer tummeln, die krude und absurde Ideen verbreiten [1,4]. Was lebensverlängernde oder verjüngende Maßnahmen betrifft, wird einem Betagten etwa in alttestamentarischer Zeit empfohlen, die Nähe junger Menschen zu suchen und deren Jugend auf sich abfärben zu lassen [5]. In der Antike wurden Selbstdisziplin, Tugendhaftigkeit und körperliche Ertüchtigung propagiert, wollte man dem Leben mehr Jahre geben – ein Ansatz, der wohl auch Turnvater Jahn [6] gefallen hat. Im Mittelalter setzte man auf Aderlass und Bluttransfusion [1]; von dieser Idee sind auch in heutiger Zeit Menschen überzeugt, wenn es darum geht, jünger und gesunder zu werden [7,8].