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Rückblick: Forum Akkreditierung 2024 Das „Familientreffen“ der QM-Beauftragten

Von Christian Lüttmann 4 min Lesedauer

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Fünf Buchstaben, viel Diskussionsbedarf: DAkkS. Wie die Zusammenarbeit mit der Deutschen Akkreditierungsstelle besser gelingt, diskutierten DAkkS-Begutachter und Labormitarbeiter Ende September beim Forum Akkreditierung. Ein Schwerpunkt lag dieses Jahr auf der Digitalisierung und dem Einsatz von KI im Labor.

Das Forum Akkreditierung versammelt einmal im Jahr Laborangestellte aus dem Bereich Qualitätsmanagement. Gemeinsam diskutieren Teilnehmer und Expeten über Normen und die Zusammenarbeit mit der DAkkS.(Bild:  Irene - stock.adobe.com)
Das Forum Akkreditierung versammelt einmal im Jahr Laborangestellte aus dem Bereich Qualitätsmanagement. Gemeinsam diskutieren Teilnehmer und Expeten über Normen und die Zusammenarbeit mit der DAkkS.
(Bild: Irene - stock.adobe.com)

Einmal im Jahr findet ein Familientreffen der besonderen Art statt. Dann versammeln sich verantwortungs- und leidtragende aus akkreditierten Laboren vor den Computerbildschirmen und treffen sich virtuell beim Forum Akkreditierung von Klinkner und Partner.

Die seit Jahren etablierte Veranstaltung ist längst kein Geheimtipp mehr unter Qualitätsbeauftragten der Laborbranche. So verwundert es nicht, dass die diesjährige, mittlerweile fünfte Auflage des Forums mit rund einhundert Teilnehmern sehr gut besucht war.

Virtuell und äußerst interaktiv

An zwei vollgepackten Tagen tauschten sich die Anwender mit den 14 Referenten aus und diskutierten nach den Vorträgen oft angeregt und bis in die Pausenzeiten hinein über ISO-Normen, IT-Sicherheit und die letzten Erfolgs- sowie Frusterlebnisse mit DAkkS-Gutachtern.

Auf dem Miro Board sammelten Teilnehmer ihre Fragen und konnten sich über den Ablauf des Forums Akkreditierung informieren sowie Kontaktdaten austauschen.(Bild:  Klinkner & Partner)
Auf dem Miro Board sammelten Teilnehmer ihre Fragen und konnten sich über den Ablauf des Forums Akkreditierung informieren sowie Kontaktdaten austauschen.
(Bild: Klinkner & Partner)

Der Grad der Interaktion ist für eine rein virtuell abgehaltene Tagung bemerkenswert, und mag zu Teilen an dem großen Interesse der Teilnehmer liegen, zu teilen an den sehr diskussionsfreudigen Referenten, aber auch an den geschaffenen Strukturen der Veranstalter. Diese haben über die Plattform Teams verschiedene virtuelle Diskussionsräume geschaffen, in denen sich bei Bedarf kleinere Gruppen zu einem besonders brennenden Thema austauschen konnten. Auch eine große virtuelle Pinnwand war vorbereitet, auf welcher die Forumsteilnehmer ihre Fragen notieren konnten, um sie in den Podiumsdiskussionen am Ende der beiden Seminartage aufzugreifen.

Eintauchen in Normen und Gesetze

Das Programm des Forums war breit gefächert. „Wir versuchen, das Thema DAkkS und Akkreditierung mit all seinen Facetten zu beleuchten“, leitete Dr. Roman Klinkner als Schirmherr der Tagung ein und wies darauf hin, dass das Forum keine Einsteigerveranstaltung sei. „Wir diskutieren auf einem gewissen Niveau.“ Und so war es auch.

Schon die Keynote von Rechtsanwalt Prof. Dr. Joachim Bloehs stieg tief in die Materie ein und gab Praxisbeispiele und Tipps zur Begutachtungspraxis und Rechtssprechung. Er ging beispielsweise auf die Frage ein, welche Handlungsmöglichkeiten bei einer nicht akzeptablen Abweichung – Stichwort „Gegendarstellung“ – bestehen und machte deutlich, dass auch die DAkkS an Recht und Gesetz gebunden ist. Pauschale Verweise der DAkkS auf DIN-Normen seien deshalb im Zweifelsfall zu hinterfragen und ggf. mit juristischem Rat zu überprüfen.

Abweichungen von der DIN ISO 17025: Was akzeptieren, was nicht?

Welche typischen Abweichungen aus Akkreditierungsbegutachtungen auftreten, und wie mit diesen im Einzelfall umzugehen ist, diskutierten die DAkkS-Begutachter Susanne Kolb und Roger Ernst im Anschluss. Dabei ging es um die DIN EN ISO/IEC 17025:2018 für den Bereich Bereich Prüfen und Kalibrieren und konkret um die Fragen: Welche Abweichungen müssen akzeptiert werden? Was ist diskussionswürdig? Und in welchen Fällen sollte der Abweichung widersprochen werden? Wird etwa bemängelt, dass im Qualitätsmanagementhandbuch das Wort Labor statt Laboratorium verwendet wird, so ist dies nach Kolb als Abweichungsgrund abzulehnen, da es dafür keine normative Grundlage gibt. Generell gilt als Faustregel zur Vorbereitung auf eine DAkkS-Begutachtung mehr denn je: „Was nicht dokumentiert ist, ist nicht gemacht.“

Ergänzend zu Kolb ging Ernst auf Stolpersteine und häufige Abweichungen bei der ISO 17025 ein. Häufig, so der Experte, fehle es an der Wahrung der Unparteilichkeit, weil diese beispielsweise nicht dokumentiert, nicht in die Qualitätsziele aufgenommen oder nicht im Managementreview bewertet wurde. Zu den häufigen Abweichungen bei der Begutachtung zählt Ernst vor allem eine mangelnde Kontrolle des Kalibrierscheins. Hier zeigt sich, dass eine gute Vorbereitung auf die Begutachtung viel Nacharbeit ersparen kann.

Cybersicherheit und KI im Qualitätsmanagement

Am zweiten Tag standen unter anderem die DAkkS-Regelwerke R-17025-PL, R-17025-K und R-15189-ML auf der Agenda. Aber auch weitergehende Themen wie der immer wichtiger werdende Aspekt der Cybersecurity wurden behandelt. Hier zeigte Patrick Öhlinger vom LIMS „Labordatenbank“ auf, welche Gefahren von Hackerangriffen ausgehen und wie Daten bestmöglich vor Fremdzugriff geschützt werden können. „Das Thema Datensicherheit hat kein Ende. Man kann immer noch mehr machen“, fasste der Referent seinen Vortrag zusammen.

Einen inspirierenden Impuls gab Dr. Carsten Behrens. Er lud die Teilnehmer ein, gemeinsam die Möglichkeiten der KI auszuloten und stellte verschiedene Anwendungsfälle der generativen KI in Managementsystemen vor. Gerade bei der Erstellung von Arbeitsabläufen in Form von Tabellen oder bei der Prozessdokumentation aus einer einfachen Sprachaufnahme kann künstliche Intelligenz hier eine große Unterstützung sein – einfach den Prozess mit dem Diktiergerät in das Smartphone sprechen und mit dem passenden Prompt daraus eine Prozessdokumentation erstellen.

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Diese ist nicht immer zu 100 Prozent richtig, betont der Experte. Aber Menschen und besonders Wissenschaftler und Qualitätsmanager seien sehr gut darin, Fehler zu erkennen und zu korrigieren. „Die Anwender stürzen sich auf Fehler in der Dokumentation wie Geier auf Aas. Wenn sie mit einem leeren Blatt Papier anfangen, ist der Start viel schwieriger“, sagt Behrens.

Termin für 2025 steht

Abgeschlossen wurde das Forum Akkreditierung mit einer Diskussionsrunde zum Thema Digitalisierung in akkreditierten Laboren. Hier hatten die Teilnehmer noch einmal Gelegenheit, „liegengebliebene Fragen“ der zwei Veranstaltungstage mit den Experten in großer Runde zu besprechen.

Am Ende der Veranstaltung fasste Dr. Roman Klinkner zusammen: „Wir blicken auf zwei Tage intensiven Wissens- und Erfahrungsaustauschs zurück. Die zunehmende Komplexität der Laborakkreditierung stellt uns weiterhin vor Herausforderungen. Die große Resonanz zeigt uns, dass wir mit der Veranstaltung auf dem richtigen Weg sind und das Thema weiter vertiefen sollten.“

Das nächste Forum Akkreditierung findet am 23. und 24. September 2025 wieder online statt. Infos zu Anmeldung und Programm finden Sie zeitnah hier: www.akkreditierung.de

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