Menschen fällt es überraschend schwer, Aggressionen bei Hunden und anderen Menschen zu erkennen. Dabei könnte genau diese Fähigkeit allen Beteiligten viel Leid und Ärger ersparen und nicht zuletzt evolutionäre Vorteile bieten. Warum also sind wir so blauäugig?
Menschen sind grundsätzlich gut darin Interaktionen von Hunden richtig einzuschätzen, allerdings unterschätzen sie Aggressionen.
Viele Hundebesitzer kennen diese Situation: Man geht entspannt mit seinem Hund spazieren und plötzlich kommt ein anderer Hund wie eine Dampfwalze auf Speed um die Ecke gefegt, mit dem Ziel ungebremst und auf direktem Weg in den eigenen Hund hinein zu knallen. Wenn überhaupt ein Besitzer in halbwegs erreichbarer Nähe auftaucht, so brüllt dieser noch schnell Sätze wie „Der tut nix!“ oder „Der will nur spielen!“ oder aber „... nur mal Guten Tag sagen!“ Abgesehen davon, dass solch ein distanzloses Verhalten unter Hunden mal vorsichtig ausgedrückt grob unhöflich ist und man so weder spielt noch Guten Tag sagt, hat solch eine Situation auch das Potenzial, schnell richtig unangenehm zu werden oder gar zu eskalieren. Dann nämlich, wenn einer der beiden (oder beide) gerade mal so alles andere als nichts tun, spielen oder Guten Tag sagen will und der zugehörige Mensch nicht in der Lage ist, das zu erkennen und entsprechend einzugreifen.
„Wissenslücken“ beim Vorhersagen von Aggressionen
Der Mensch beurteilt ständig Signale, um soziale Situationen zu bewerten. Die Fähigkeit zu erkennen, ob ein anderer Mensch oder ein Tier uns überhaupt Aufmerksamkeit schenkt, mit uns zufrieden ist oder gar aggressiv wird, kann große evolutionäre Vorteile haben. Eine aktuelle Studie unter Leitung des Hundestudien-Forschungsteams am Max-Planck-Institut für Geoanthropologie untersuchte nun diese Fähigkeit. Demnach sind Menschen zwar überdurchschnittlich gut in der Lage, Interaktionen zwischen Menschen, Hunden und Affen einzuschätzen. Allerdings haben sie Schwierigkeiten, aggressives Verhalten sowohl bei Hunden als auch bei Menschen vorherzusagen.
In der in PLOS ONE veröffentlichten Studie ermittelten Forscherinnen des Hundestudien-Forschungsteams am Max-Planck-Institut für Geoanthropologie zusammen mit Kolleginnen und Kollegen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und der Universitäten Leipzig und Jena anhand von Videos, wie gut Menschen soziale Interaktionen beurteilen können. Die Forscher zeigten 92 Testpersonen 27 Videoclips über jeweils eine non-verbale Interaktion zwischen zwei Kindern, zwei Hunden sowie zwei Makaken. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt, wobei eine Gruppe die Interaktionen als spielerisch, neutral oder aggressiv einstufen sollte und die andere Gruppe das Ergebnis jeder Interaktion vorhersagen sollte.
Von der ersten Gruppe wurden die meisten Interaktionen richtig kategorisiert: Die Beteiligten sagten bei 50 bis 80 Prozent der Interaktionen das Ergebnis richtig voraus – und lagen damit über Zufallsniveau. Die Trefferquote hing allerdings auch von der Tierart und dem sozialen Kontext der Interaktion ab. Interessanterweise und im Gegensatz zu den Hypothesen der Forschungsgruppe konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer menschliche Interaktionen nicht besser beurteilen als die anderer Arten. Darüber hinaus schnitten sie besonders schlecht bei aggressiven Interaktionen von Hunden und Menschen ab.
Positive Voreingenommenheit als mögliche Ursache?
Aggressionen frühzeitig erkennen zu können, kann jedoch helfen, Verletzungen zu vermeiden oder im Ernstfall sogar über Leben und Tod entscheiden. Das Forschungsteam hatte deshalb erwartet, dass die Testpersonen in diesem Bereich die besten Ergebnisse erzielen würden. Allerdings zeigt die aktuelle Studie, dass diese Bewertungen für Menschen schwieriger sind, als angenommen.
„Möglicherweise sind wir voreingenommen und gehen von den guten Absichten anderer Menschen und dem ‚besten Freund des Menschen‘ aus”, sagt Theresa Epperlein, Erstautorin der neuen Studie. „Vielleicht hindert uns diese Voreingenommenheit daran, aggressive Situationen bei diesen Arten zu erkennen.“ Juliane Bräuer, Leiterin der Hundestudien am Max-Planck-Institut für Geonathropologie fügt hinzu: „Unsere Ergebnisse zeigen eindrücklich, dass soziale Interaktionen oft ambivalent sein können. Sie weisen darauf hin, dass das Vorhersagen sozialer Interaktionen wichtiger sein könnte als die Einteilung der Situation in spielerisch, neutral oder aggressiv.“
Während die aktuelle Studie zeigt, wie gut Menschen soziale Situationen interpretieren, ergeben sich daraus neue Fragen. Wie kommt es zu unseren Einschätzungen? Und lassen sich diese durch Training verbessern? Um solche Fragen zu beantworten, werden jedoch noch weitere Studien benötigt. So müsste erforscht werden, auf welche Hinweise sich Menschen während der Beobachtung von Interaktionen verlassen, zum Beispiel Vokalisierungen, Gesichtsausdrücke oder Körpersprache und wie unterschiedliche Arten diese einsetzen.
Stand: 08.12.2025
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