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Innovationsfalle 3: Die Trägheitsfalle
Prozess- und Kostenoptimierung, Lean-Management – das sind in vielen Unternehmen beliebte Schlagworte. Arbeitsabläufe werden systematisch gescannt, überflüssige Handbewegungen verboten und jede Tätigkeit in definierte Prozesse gezwängt. Das hat durchaus einen positiven Effekt: Die Unternehmen beherrschen ihr operatives Geschäft aus dem Effeff. Die Kehrseite der Medaille: Es wird kaum über neue Wege nachgedacht.
Gerade Unternehmen, die durch starre Strukturen und feste Prozessabläufe sehr erfolgreich wurden, sind oft kaum in der Lage, sich außerhalb dieser Prozesse zu bewegen. Sie und ihre Mitarbeiter sind so flexibel wie Betonmauern.
Innovationsfalle 4: Die Erfolgsfalle
Erfolg fühlt sich gut an und macht zufrieden. Genau das ist das Problem. In sehr vielen Unternehmen werden schnelle Erfolge belohnt: ein Quartalsplus bei den Verkaufszahlen, ein großer Deal, kurzfristige Erfolge bei der Neukundengewinnung. Im Kern ist das nicht verkehrt, denn: Viele schnelle Erfolge machen ein Unternehmen erfolgreich – aber nicht unbedingt innovativ. Denn die für Innovation so wichtige Investitionsphase erscheint nicht reizvoll, wenn man mit dem Bestehenden noch gut verdient.
Der Erfolg von heute wird jedoch zum Problem von morgen. Denn die Steigerung des Bewährten funktioniert nicht ewig. Wie viele Pizzas mehr kann man verkaufen? Ein durchschnittlicher Mensch schafft nicht mehr als eine pro Tag. Und kann man Menschen wirklich einreden, sie bräuchten einen Zweit-, Dritt- oder gar Viertstaubsauger? Einigen, wenigen „Blöden“ vielleicht!
Innovationsfalle 5: Die Kannibalismusfalle
Kannibalismus – davor fürchten sich viele Unternehmen. Wenn Konkurrenten angreifen, ist das schlimm. Schlimmer ist es aber, wenn sich das Unternehmen selbst Marktanteile wegnimmt. Aus diesem Grund weigerten sich die Elektronikhändler Saturn und Media Markt jahrelang, Onlineshops zu eröffnen – aus Angst, die Kunden könnten online und statt in den Geschäften kaufen. Und der Fotohersteller Leica? Er schreckte davor zurück, in die digitale Fotografie einzusteigen – aus Angst, dies könne sein Geschäft mit analogen Apparaten gefährden.
Die Folge: Von den Marktveränderungen und vom technischen Fortschritt profitierten andere. Amazon nahm Media Markt eine große Zahl von Kunden weg. Und die digitale Fotografie? Sie fand weitgehend ohne Leica statt.
Zu viel Rücksichtnahme auf das bestehende Geschäftsmodell und die Hoffnung „Es kommt schon niemand anders auf die Idee, …“ verhindern einen gesunden Kannibalismus. Dabei sind Kannibalen besser als ihr Ruf. Ein Unternehmen, das sich selbst kannibalisiert, handelt proaktiv und gestaltet seinen künftigen Markt mit. Es wird zum Jäger statt Gejagten.
* Der Autor ist Geschäftsführer der Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen GmbH. E-Mail: meyer@ideeologen.de
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