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Abdrift von Pestizid-Aerosolen
Effiziente Multirückstandsanalytik atmosphärisch verbreiteter Pestizidrückstände

Von Guido Deussing 13 min Lesedauer

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Herbizide, Insektizide und Fungizide bleiben nicht dort, wo sie ausgebracht werden, sondern versickern im Boden, verwehen mit dem Wind und landen somit auch dort, wo sie nicht hingehören. Um das Maß der Abdrift und der Menge des Ferntransports ermessen und nachvollziehbar machen zu können, sollten atmosphärisch verbreitete Pestizide flächendeckend systematisch erfasst werden.

Abb. 1: Ausbringen von Pestiziden im Frühjahr auf Ackerland. Sichtbares Pestizidaerosol, das durch Wind und Wärmeströmungen abdriften kann.(Bild:  Sergey Kohl - stock.adobe.com)
Abb. 1: Ausbringen von Pestiziden im Frühjahr auf Ackerland. Sichtbares Pestizidaerosol, das durch Wind und Wärmeströmungen abdriften kann.
(Bild: Sergey Kohl - stock.adobe.com)

Vier Millionen Tonnen Pestizide werden Jahr für Jahr weltweit ausgebracht. Bei mehr als der Hälfte handelt es sich um Herbizide, der Anteil der Insektizide liegt bei etwa 30 Prozent, Fungizide machen rund 17 Prozent aus. Zu keiner Zeit, heißt es im Pestizidatlas 2022, wurden weltweit so viele Pestizide ausgebracht, wie es gegenwärtig der Fall ist; und das, obgleich die fatalen Folgen des Einsatzes von Pestiziden lange bekannt sind. Experten sprechen allein von 385 Millionen Pestizidvergiftungen weltweit, insbesondere bei auf dem Land arbeitenden Menschen auf der südlichen Hälfte der Erdkugel.

Hinzu kommt der Einfluss von Pestiziden auf das natürliche ökologische Gleichgewicht und die Artenvielfalt: Der Außeneinsatz Insekten tötender und Unkraut vernichtender Chemikalien lässt sich nämlich allein aus Sicht des zugrundeliegenden offenen Systems, in dem sie eingesetzt werden, einem Breitbandantibiotikum nicht unähnlich, nicht gezielt auf ein bestimmtes Feld oder einen bestimmten Fressfeind begrenzen. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft geht daher sozusagen unvermeidbar mit Kollateralschäden einher. Das heißt, Pestizide jedweder Couleur gefährden immer auch unbeteiligte und unschuldige Lebensformen, am Ende auch den Menschen selbst.