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Kurzsichtigkeit Ein Klick: Überraschend einfaches Mittel gegen Kurzsichtigkeit?

Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Kurzsichtigkeit scheint der Preis für gute Ausbildung zu sein - doch warum macht Lesen kurzsichtig? Tübinger Forscher haben in einer aktuell in Scientific Reports Nature publizierten Studie nun einen unerwarteten Grund dafür gefunden. Und – sie leiten aus ihren Ergebnissen ein überraschend einfaches Mittel gegen Kurzsichtigkeit ab: die Umkehrung der Kontraste bei Lesetexten

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Gegen Kurzsichtigkeit könnte neuesten Studienergebnissen zufolge ein überraschend einfaches Mittel helfen: die Umkehrung der Kontraste bei Lesetexten.
Gegen Kurzsichtigkeit könnte neuesten Studienergebnissen zufolge ein überraschend einfaches Mittel helfen: die Umkehrung der Kontraste bei Lesetexten.
(Bild: ©arturaliev - stock.adobe.com)

Tübingen – Etwa die Hälfte der Abiturienten in Deutschland ist kurzsichtig. Bei Kurzsichtigkeit (Myopie) wächst das Auge zu lang, das Bild wird vor der Netzhaut scharf abgebildet und man sieht in der Ferne unscharf. Kurzsichtigkeit ist der Preis für gute Ausbildung: pro Jahr Ausbildung wird man im Mittel etwa eine Viertel-Dioptrie kurzsichtiger. Weltweit nimmt die Myopie zu, denn gute Ausbildung ist immer wichtiger.

Kurzsichtigkeit und Lichtmangel

Bei Kindern, die vor der Einschulung viel Zeit im Freien bei Tageslicht verbracht haben, setzt die Kurzsichtigkeit zu einem späteren Zeitpunkt ein. Wenn Kinder jedoch im Laufe ihrer Ausbildung viel Lesen, steigt das Risiko eine Myopie zu entwickeln. Was genau in der Schule beim Lesen kurzsichtig macht, ist immer noch nicht klar erforscht.

Lange wurde angenommen, dass zu wenig Akkommodation beim Lesen das scharfe Bild etwas hinter die Netzhaut verlegt, was die Netzhaut veranlasst, das Auge schneller wachsen zu lassen. Diese Daten waren aber nie vollständig überzeugend. Andrea C. Aleman, Min Wang und Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen haben nun einen unerwarteten Grund gefunden, warum Lesen kurzsichtig machen könnte.

Der Sehnerv als Flaschenhals

Anders als eine Digitalkamera, die jeden Pixel ausliest, misst die Netzhaut hauptsächlich Unterschiede zwischen benachbarten „Pixeln“, den Photorezeptoren. Dies wird erreicht, in dem Zellen die Helligkeit in der Mitte und der Peripherie ihres lichtempfindlichen Bereiches vergleichen, und nur den Unterschied an das Gehirn weiterleiten. Die Sehinformation wird also massiv reduziert, was notwendig ist, da die Netzhaut zwar über rund 125 Millionen „Pixel“ verfügt, der Sehnerv aber nur über etwa eine Million „Kabel“. Der Sehnerv ist also der Flaschenhals der Informationsübertragung.

Auswirkungen von Kontrasten bei Lesetexten

In der Netzhaut gibt es Zellen, die bewerten, ob in ihrem lichtempfindlichen Bereich (rezeptiven Feld) die Mitte heller und die Umgebung dunkler ist (ON-Zellen). Andere wiederum bewerten, ob die Mitte dunkler, und die Umgebung heller ist (OFF-Zellen). Während unserer normalen Seherfahrung werden beide Typen ähnlich stark gereizt. Aber wie ist das beim Lesen von Text?

Bildergalerie

Schaeffel hat eine Software entwickelt, die die Reizstärke für ON und OFF-Zellen in unserer visuellen Welt quantifiziert. Dabei hat sich gezeigt, dass dunkler Text auf hellem Hintergrund hauptsächlich die OFF-Zellen reizt (Abbildung 1A), während heller Text auf dunklem Hintergrund hauptsächlich die ON-Zellen reizt (Abbildung 1B).

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