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Einblicke in kreidezeitliche Wälder nahe des Südpols Erster Bernstein in der Antarktis gefunden

Quelle: Pressemitteilung Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung 2 min Lesedauer

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Wo Wald war, wird Bernstein folgen, selbst in der Antarktis. Dort haben Forscher nun zum ersten Mal das fossile Baumharz aus Urzeiten nachgewiesen. Damit ist nun auf jedem Kontinent der Erde Bernstein gefunden worden.

Makroaufnahme eines etwa 70 µm großen Bernsteins, extrahiert aus der Braunkohle in den Sedimenten des MeBo-Kerns PS104_20-2 9R.(Bild:  Alfred-Wegener-Institut / Johann P. Klages)
Makroaufnahme eines etwa 70 µm großen Bernsteins, extrahiert aus der Braunkohle in den Sedimenten des MeBo-Kerns PS104_20-2 9R.
(Bild: Alfred-Wegener-Institut / Johann P. Klages)

Die Antarktis ist heute (noch) bedeckt von gewaltigen Schnee- und Eismassen. Doch der siebte Kontinent war nicht immer ein so unwirtlicher Ort. Vor rund 90 Millionen Jahren herrschten dort Klimabedingungen, unter denen harzproduzierende Bäume überlebten. Eine besondere Spur aus dieser Zeit beschreibt nun ein Team unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts und der TU Bergakademie Freiberg. Die Forscher berichten in ihrer Studie von dem bislang südlichsten Fund von Bernstein weltweit.

Fundstelle des ersten antarktischen Bernsteins auf einer Karte der Südhalbkugel vor etwa 90 Millionen Jahren (rotes X).(Bild:  Alfred-Wegener-Institut / Johann P. Klages)
Fundstelle des ersten antarktischen Bernsteins auf einer Karte der Südhalbkugel vor etwa 90 Millionen Jahren (rotes X).
(Bild: Alfred-Wegener-Institut / Johann P. Klages)

Damit schließt das Team eine Lücke auf der Karte der weltweiten Bernsteinfunde, die nun auch auf dem antarktischen Kontinent einen Eintrag verzeichnet. Entdeckt haben die Wissenschaftler den Bernstein in einem Sedimentkern, den sie auf einer Expedition mit dem Forschungseisbrecher Polarstern im Jahr 2017 geborgen hatten. Die Bohrung fand mit schwerem Gerät in 946 Metern Wassertiefe statt. Der „Pine-Island-Bernstein“, benannt nach dem Fundort in der Pine-Island-Bucht im Amundsenmeer, ist eine Ansammlung von braunkohletypischen Bernsteinsorten in der Größenordnung von 0,5 bis 1 Millimeter.

Es ist total spannend: Auf allen sieben Kontinenten herrschten irgendwann in ihrer Geschichte Klimabedingungen, die harzproduzierende Bäume haben überleben lassen.

Dr. Johann P. Klages vom AWI Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

„Die Bernsteinfragmente, die wir jetzt analysieren konnten, erlauben einen direkten Einblick in die Umweltbedingungen der Westantarktis vor etwa 90 Millionen Jahren“, sagt Erstautor Dr. Johann P. Klages vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. „Dieser faszinierende Fund erlaubt auch erste Hinweise darauf, wie der Wald, den wir in einer Nature-Studie im Jahr 2020 rekonstruiert hatten, funktioniert hat“, ergänzt der AWI-Meeresgeologe. „Wir wollen nun noch mehr über das Waldökosystem herausfinden, ob es gebrannt hat, ob wir noch Spuren von Leben im Harz finden – diese Entdeckung erlaubt uns nochmals eine andere Form von Zeitreise in die Vergangenheit.“

Einschlüsse von Rinde und Anzeichen auf Parasitenbefall

Vermutliche Baumrindenfragmente erhalten als Mikroinklusionen in einem Bernstein des MeBo-Kerns PS104_20-2.(Bild:  Alfred-Wegener-Institut / Johann P. Klages)
Vermutliche Baumrindenfragmente erhalten als Mikroinklusionen in einem Bernstein des MeBo-Kerns PS104_20-2.
(Bild: Alfred-Wegener-Institut / Johann P. Klages)

Wer große Klumpen Bernstein erwartet hat, wird jedoch enttäuscht: Für die auflicht- und fluoreszenzmikroskopischen Untersuchungen mussten die Forschenden das Ausgangsmaterial nach dem Trocknen an der Luft zunächst in etwa einen Millimeter große Fragmente zerkleinern, bevor daraus die Bernsteine gepickt werden konnten. Trotzdem gibt es spannende Strukturen zu entdecken: „Der antarktische Bernstein zeigt mögliche Überreste von Baumrinde, die als Mikroeinschlüsse erhalten sind. Er hat mit festen, klaren und durchscheinenden Partikeln eine hohe Bernsteinqualität, die auf eine oberflächennahe Lagerung hinweist, da sich der Bernstein mit zunehmender thermischer Belastung und Vergrabungstiefe auflösen würde“, erläutert Dr. Henny Gerschel, bis vor kurzem Mitarbeiterin der TU Bergakademie Freiberg und jetzt Referentin im Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

Die außerdem gefundenen Anzeichen von pathologischem Harzfluss zeigen an, dass die Pflanzen typischerweise durch Parasiten oder Waldbrände verursachte Verletzungen ihrer Baumrinde versiegelten, um dadurch eine chemische und physikalische Barriere gegen Insektenangriffe und Infektionen zu schaffen. „Unsere Entdeckung ist ein weiteres Puzzlestück, das uns hilft, den sumpfigen, von Nadelbäumen dominierten, gemäßigten Regenwald in der Nähe des Südpols aus der mittleren Kreidezeit besser zu verstehen, sagt Gerschel.

Originalpublikation: Johann P. Klages, Henny Gerschel, U. Salzmann, G. Nehrke, J. Müller, C.-D. Hillenbrand, S. M. Bohaty, and T. Bickert: First discovery of Antarctic amber Antarctic Science (2024). DOI: 10.1017/S0954102024000208

(ID:50237480)

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