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Social Freezing

Fruchtbar bis zum Schluss

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Social Freezing – die Lösung?

Man geht heute davon aus, dass für die meisten der genannten Probleme ausschließlich das Alter der Keimzellen selbst verantwortlich ist und das biologische Alter der Mutter nur nachrangig zählt. Bei der Beobachtung von Frauen, die durch eine (in Deutschland verbotene) Eizellenspende schwanger geworden sind, hat sich gezeigt, dass die Häufigkeit von genetisch bedingten Einschränkungen der Kinder und gescheiterten Schwangerschaften vom Alter der Eizellen-Spenderinnen abhängt.

Mit Social Freezing soll demzufolge der altersbedingten Unfruchtbarkeit ein Schnippchen geschlagen werden. Definitionsgemäß ist eine Frau in Deutschland schon unfruchtbar, wenn sie nach einem Jahr mit regelmäßigem Geschlechtsverkehr ohne Verhütung nicht schwanger wird. Einige Fertilitätsmediziner fordern sogar, diese Grenze auf sechs Monate zu senken, um mehr Paaren die Kostenerstattung durch die Krankenkasse zu ermöglichen. Damit würde der bezahlte Weg in die Klinik also schon für die durchschnittliche Frau ab 35 Jahren frei.

Sinkende Chancen und steigende Kosten

Zu bedenken ist aber, dass es ab diesem Alter selbst mit ärztlicher Unterstützung keine Garantie auf ein gesundes Kind gibt. Gleiches gilt für die Tiefkühl-Eizellen: Je jünger die Frau, umso einfacher die Behandlung und besser die Erfolgsaussichten. Idealerweise sollten interessierte Frauen also bereits spätestens mit 27, besser noch 24 Jahren ihren Vorrat anlegen. Experten sprechen davon, dass ab einem Entnahmealter von 30 Jahren kein vernünftiges Kosten-Nutzen-Verhältnis mehr erreichbar ist.

Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse spielt die Lagerungszeit dabei keine Rolle. Wer sich also mit 24 absichert, sich aber erst mit 39 entschließt, sein Kind zu bekommen, scheint keine Nachteile wegen der langen Lagerung zu erleiden, da die meisten Schäden an den Zellen beim Einfrieren oder Auftauen entstehen. So wurde für 26 Jahre alte Spenderinnen eine Verwendbarkeitsquote von 11,5 Prozent ermittelt – gegenüber 13 Prozent bei „frischen“ Oozyten. Deshalb scheint die zeitlich unbegrenzte Lagerung vertretbar und es müssen nur 200 bis 300 Euro Lagerungskosten pro Jahr getragen werden.

Davor stehen allerdings die Hormonstimulation und Eizellenentnahme. Um möglichst viele Eizellen bei einem Eingriff gewinnen zu können, wird die Ei-Reife künstlich angeregt – unter Einsatz aller Mittel, weil keine unmittelbare Befruchtung geplant ist, die durch eine Überstimulation mit Hormonen gefährdet wäre. Je nach Alter der Frau sind dennoch mehrere Zyklen notwendig, um die empfohlenen 20 bis 30 Oozyten zu gewinnen. Die Kosten dafür beginnen bei 5000 Euro. Soll der Traum vom Kind dann Wirklichkeit werden, kommen noch einmal ab 2000 Euro für die künstliche Befruchtung hinzu.

Das Kryokind aus dem Reagenzglas

Denn eine natürliche Empfängnis ist mit Social Freezing nicht möglich. Es handelt sich eher um eine zeitlich ausgedehnte Variante der herkömmlichen Verfahren. Der einzige Unterschied: Im Fall der zeitnahen Einsetzung bei der regulären assistierten Reproduktion wurden die Eizellen oft schon befruchtet und im Fall einer Schwangerschaft überzählige Embryonen eingefroren. Beim Social Freezing werden die unbefruchteten Eizellen auf Eis gelegt. Dies auch deshalb, weil die Umsetzung des Kinderwunsches oft genug am passenden Mann scheitert.

Die später aufgetauten Zellen müssen künstlich befruchtet und dann eingesetzt werden, wofür der übliche medizinische Apparat einschließlich der erneuten hormonellen Eingriffe in den Körper der Frau nötig sind. Auch dabei kann naturgemäß vieles schiefgehen. Gelingt die Befruchtung ex utero, muss die Zellteilung in Gang kommen, danach sollte sich die Blastozyste in der Gebärmutter einnisten und die Schwangerschaft erhalten werden können. Letztlich führen nur 8 bis 10 Prozent aller eingefrorenen Eizellen zur Geburt eines gesunden Kindes. Daraus leitet sich die Empfehlung ab, mindestens 20 Eizellen zu verwahren.

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