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Wenn das Erinnern nach einer Coronainfektion schwerfällt Gehirnnebel bei Long Covid hat wohl körperliche Ursache

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Manche Corona-Erkrankte haben noch lange nach der Infektion Symptome wie Erschöpfung, Schwindelgefühle und Konzentrationsprobleme. Letzteres wird auch als Brain Fog bezeichnet. Forscher aus Irland haben nun gezeigt, dass wohl eine gestörte Blut-Hirn-Schranke die Ursache für diesen Gehirnnebel ist

Brain Fog bezeichnet meist zusammen auftretende neurokognitive Symptome wie verlangsamte Informationsverarbeitung, Wortfindungs- und Sprachstörungen, gestörtes Kurzzeitgedächtnis sowie eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit (Symbolbild).(Bild:  frei lizenziert, Nathan Anderson, Milad Fakurian / Unsplash)
Brain Fog bezeichnet meist zusammen auftretende neurokognitive Symptome wie verlangsamte Informationsverarbeitung, Wortfindungs- und Sprachstörungen, gestörtes Kurzzeitgedächtnis sowie eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit (Symbolbild).
(Bild: frei lizenziert, Nathan Anderson, Milad Fakurian / Unsplash)

(dpa) Mediziner haben eine körperliche Ursache für den so genannten Gehirnnebel bei Long-Covid-Patienten gefunden. Demnach verursacht die Virusinfektion eine Störung des Blutversorgungssystems im Gehirn. Die Blutgefäße werden durchlässiger und können das Gehirn schlechter von Krankheitserregern, Giften und anderen Substanzen im Blut abschirmen, berichtet die Forschergruppe um Matthew Campbell vom Trinity College Dublin und Colin Doherty vom St James's Hospital in Dublin (Irland) im Fachmagazin Nature Neuroscience.

Viraler Infekt schwächt Blut-Hirn-Schranke

„Zum ersten Mal konnten wir zeigen, dass undichte Blutgefäße im menschlichen Gehirn zusammen mit einem hyperaktiven Immunsystem die Hauptursache für Gehirnnebel im Zusammenhang mit Long Covid sein können“, erklärte Campbell. Er und seine Kollegen hatten bereits in der Anfangsphase der Corona-Pandemie im März und April 2020 begonnen, diese auch als Brain Fog bekannte Form der Bewusstseinstrübung zu untersuchen. Dazu analysierten sie Blutproben von 76 Covid-Patienten des St James's Hospital. Sie fanden erhöhte Werte des Proteins S100-Beta, das unter anderem ein Marker für eine gestörte Blut-Hirn-Schranke ist.

Als Blut-Hirn-Schranke wird die Grenze zwischen Blutstrom und Zentralnervensystem bezeichnet. Durch spezielle Zellen, die der Gefäßwand außen anliegen, können nur bestimmte Stoffe ins Gehirn übertreten. Dadurch wird das Hirn vor schädlichen Stoffen und Krankheitserregern geschützt. Wenn die Blut-Hirn-Schranke gestört ist, gelangen Substanzen ins Gehirn, die sonst abgeschirmt werden.

Gehirnnebel ist wahrscheinlich nicht nur bei Corona ein Phänomen

Den genauen Mechanismus der Schwächung dieses Systems konnten die Forscher noch nicht aufklären. Die Störung der Blut-Hirn-Schranke machten sie auch mittels bildgebender Verfahren sichtbar. Dafür nutzten sie eine besondere Art der Magnetresonanztomografie (MRT), die dynamische kontrastmittelbasierte Perfusions-MRT. Gemessen wird dabei, in welcher Weise ein Kontrastmittel durch ein Gewebe fließt.

Die speziellen MRT-Aufnahmen zeigen, dass bei den Gehirnnebel-Patienten mehr Kontrastmittel in das Hirngewebe außerhalb der Blutkapillaren gelangt.

Campbell, Doherty und Kollegen sind überzeugt, dass Corona nicht die einzige Virusinfektion ist, die auf diese Weise das Gehirn schädigt. „Die Ergebnisse werden nun wahrscheinlich die Art und Weise verändern, wie wir postvirale neurologische Erkrankungen verstehen und behandeln“, sagte Doherty. In den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, dass bei vielen neurologischen Erkrankungen – etwa Multipler Sklerose (MS) – wahrscheinlich eine Virusinfektion der auslösende Faktor für die Erkrankung sei, heißt es in der Mitteilung des Trinity Colleges. Welche Rolle die Blut-Hirn-Schranke dabei spielt, wird von den Studienautoren aktuell genauer untersucht.

Originalpublikation: Greene, C., Connolly, R., Brennan, D. et al. Blood–brain barrier disruption and sustained systemic inflammation in individuals with long COVID-associated cognitive impairment, Nat Neurosci (2024), DOI: 10.1038/s41593-024-01576-9

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