Gehörknöchelchen im Röntgenlicht (Wissenschaftsbild des Tages)
Einem internationalen Forschungskonsortium ist es erstmals gelungen, eine vollständige Aktivitätskarte des Gehirns zu erstellen. Die Wissenschaftler des International Brain Laboratory analysierten über eine halbe Million Neuronen in Mäusegehirnen und deckten dabei 279 Hirnregionen ab – das entspricht 95 Prozent des gesamten Mäusehirn-Volumens.
Die Studie zeigt erstmals auf Einzelzell-Ebene, wie Entscheidungsprozesse im gesamten Gehirn ablaufen. Die Ergebnisse stellen die traditionelle hierarchische Sichtweise der Informationsverarbeitung im Gehirn infrage: Entscheidungsfindung verteilt sich über viele Hirnregionen und läuft hochgradig koordiniert ab.
Die Aktivitätskarte verdeutlicht den zeitlichen Ablauf einer Entscheidung: Zunächst werden die visuellen Areale im hinteren Gehirnbereich aktiv, dann steigt die Aktivität im gesamten Gehirn, während sich Belege für eine Entscheidung ansammeln. Schließlich leuchten die motorischen Bereiche auf, wenn die Bewegung einsetzt – und bei einer Belohnung aktiviert sich das gesamte Gehirn „wie ein Weihnachtsbaum“, beschreibt Studienleiter Professor Alexandre Pouget von der Universität Genf.
Im Bild zu sehen ist der Umriss eines Mausgehirns mit 75.000 analysierten Neuronen, wobei jeder Punkt entsprechend der durchschnittlichen Feuerrate dieses Neurons linear bis zu einer maximalen Größe skaliert ist.
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Wissenschaftsbild des Tages vom 9.9.2025 (Bild: Dan Birman, International Brain Laboratory)

