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Wasserversorgung Grundwassersituation rund um das Tote Meer wird sich verschlechtern

Autor / Redakteur: Tilo Arnhold / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Die Trinkwasserressourcen auf der Jordanischen Ostseite des Toten Meeres könnten durch den Klimawandel stärker zurückgehen als auf der Israelisch-Palästinensischen Westseite. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam, das die Wasserflüsse des Toten Meeres bilanziert hat. Die natürliche Neubildung des Grundwassers würde sich durch geringere Niederschläge in Zukunft drastisch reduzieren, schreiben die Wissenschaftler in einem aktuellen Artikel.

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Dr. Christian Siebert (l.) und Dr. Tino Rödiger (beide UFZ) während der Probennahme von Grundwasser am Toten Meer.
Dr. Christian Siebert (l.) und Dr. Tino Rödiger (beide UFZ) während der Probennahme von Grundwasser am Toten Meer.
(Bild: André Künzelmann/UFZ)

Tel Aviv/Israel, Halle a.d. Saale – Eine zuverlässige Bestandsaufnahme ist die Basis für eine nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen rund um das Tote Meer im Grenzgebiet Israel/Palästina/Jordanien. Der am tiefsten gelegene See der Erde ist nicht nur eine der wichtigsten Touristenattraktionen im Nahen Osten, auf die unterirdischen Wasserressourcen in dessen Einzugsgebiet sind auch mehr als vier Millionen Menschen angewiesen. Die komplexe Hydrologie der Region barg lange große Unsicherheiten in der Wasserbilanz der Region und birgt diese zum Teil noch immer. Durch verbesserte Computersimulationen konnten die Wissenschaftler nun erstmals überregional ermitteln, wieviel Wasser tatsächlich im Untergrund versickert und damit die Grundwasserspeicher regeneriert. Es sind etwa 281 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Damit ist jetzt auch die Menge bekannt, die maximal entnommen werden dürfte, um diese Ressource nachhaltig zu bewirtschaften.

Ein kompliziertes Puzzle aus vielen Einzelteilen

Zur Wassergewinnung wurde seit den 1960iger Jahren ein Großteil der Zuflüsse des Toten Meeres aufgestaut, um zu vermeiden, dass das kostbare Nass im Salzsee verloren geht. Diese scheinbare Rettung von Wasser hat aber zur Folge, dass der Wasserspiegel des Sees um etwa einen Meter pro Jahr absinkt und mit ihm die Grundwasserpegel, wodurch Jahrtausende alte Süßwasserquellen versiegen. Soviel war bisher sicher. Unklar war jedoch, wie sich die Absenkung auf die nutzbaren Grundwassermengen genau auswirkt. Deshalb kombinierte das Team von Forschern aus Deutschland, Israel, Jordanien und Palästina im Forschungsprojekt SUMAR in den vergangenen fünf Jahren umfangreiche Vor-Ort-Messungen, Fernerkundungsmethoden und Computermodellierungen.

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Weg des Wassers detektivisch nachverfolgt

Die Quellen am und im Toten Meer wurden mithilfe von Infrarotsensoren per Flugzeug und Satellit sowie mit chemischen und isotopischen Methoden untersucht. „Insbesondere durch die Analyse von Seltenen Erden konnten wir die Herkunft des Wassers und dessen Wege durch den Untergrund verfolgen. So konnten wir nicht nur 37 Stellen lokalisieren, an denen Grundwässer ins Tote Meer strömen, sondern kennen nun auch deren individuelle Geschichte. Das war wichtig, um herauszufinden, wieviel Süßwasser unterirdisch in den Salzsee fließt und damit nicht mehr für die Trinkwasserversorgung zur Verfügung steht“, berichtet Dr. Christian Siebert vom UFZ.

„Gerade die letzte Passage, bevor das aus dem Gebirge kommende Wasser den See erreicht, hat uns lange beschäftigt. Hier mischen sich aus der Tiefe aufsteigende Salzwässer hinzu, Salzminerale lösen sich. Aber gemeinsam mit Kollegen des Max-Planck-Institutes in Bremen sind wir auch den biogeochemischen Prozessen auf die Spur gekommen, welche die Grundwässer nachhaltig verändern“, so der Hydrogeologe.

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