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Wasserversorgung

Grundwassersituation rund um das Tote Meer wird sich verschlechtern

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Computermodelle ermöglichen eine Gesamtbilanz

Alle verfügbaren Daten landeten schließlich in Computermodellen, die die Situation des knapp 7.000 Quadratkilometer großen unmittelbaren Einzugsgebietes des Toten Meeres so genau wie nie zuvor wiedergeben konnten. Die größten Herausforderungen bestanden in der unregelmäßigen Besiedelung und der damit verbundenen lückenhaften Datenlage. Während in und um Ballungszentren wie Jerusalem und Amman die Dichte an Messstationen sehr gut ist, gibt es weite Landstriche, die nur sehr dünn besiedelt sind, damit wenig Brunnen und auch kaum Daten zur Geologie oder Meteorologie. Doch insbesondere der Regen ist von großer Bedeutung. Die Region ist gekennzeichnet von kurzen, intensiven Niederschlägen, die häufig auf engstem Raum fallen. Deshalb wurden eigene Messstationen errichtet, um zusätzlich die daraus resultierenden Sturzfluten quantifizieren zu können. Am Grenzfluss Jordan entstand zudem eine umfangreiche Pegelmessstation in der Nähe einer der Taufstellen, zu der jedes Jahr Tausende Christen pilgern.

Düstere Prognosen für die Zukunft

Mithilfe der Modelle konnten die Wissenschaftler auch erstmals Aussagen zur möglichen Entwicklung der für die Region lebenswichtigen Grundwasserressourcen treffen: Im westlichen (israelisch-palästinensischen) Teil fällt fast doppelt soviel Niederschlag wie im östlichen (jordanischen) Teil des Einzugsgebietes. Entsprechend ist die Grundwasserneubildung momentan im Westen etwa 50 Prozent höher als im Osten. Klimaszenarien rechnen in der Zukunft mit einem Rückgang des jährlichen Niederschlages um etwa 20 Prozent. Das hätte zur Folge, dass nur noch die Hälfte der Menge in den Untergrund gelangen würde, die heute diese wichtigen Ressourcen auffrischt. Mit etwa 45 Prozent weniger ist in der israelisch-palästinensischen Westbank zu rechnen, während die jordanische Ostseite des Toten Meeres sogar fast 55 Prozent weniger Wasser zur Verfügung hätte. Vor allem in Jordanien könnte sich die soziale und ökonomische Situation also weiter verschärfen.

Recycling als Ausweg aus der Wasserkrise

Wasser sparen und wiederverwenden könnte daher ein Lösungsansatz sein, den UFZ-Forscher zusammen mit israelischen, palästinensischen und jordanischen Kollegen weiter entwickeln: So wurde im Forschungsprojekt SMART nach Wegen gesucht, um die Wasserversorgung im Nahen Osten zu stabilisieren. Das UFZ hat dazu neue Konzepte zur dezentralen Reinigung von Abwasser entwickelt und maßgeblich am Wassermasterplan Jordaniens, einem der wasserärmsten Länder der Welt, mitgearbeitet. Dabei wurde viel Wert auf die Anpassung des Abwasserbehandlungskonzeptes an die lokalen Bedingungen und die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Verantwortlichen vor Ort gelegt und eigens ein Implementierungsbüro im Jordanischen Wasserministerium in Amman eingerichtet.

Forschung wird fortgesetzt

Nach dem Abschluss des SUMAR-Projektes werden die Untersuchungen inzwischen im Rahmen des Projektes DESERVE (DEad SEa Research VEnue) von den Helmholtz-Zentren KIT (Karlsruhe), GFZ (Potsdam), UFZ (Halle) und lokalen Partnern fortgeführt. Ziel der Meteorologen, Hydrogeologen, Geologen und Geophysiker ist es, die Umweltrisiken, die Wasserverfügbarkeit und den Klimawandel ganzheitlich zu betrachten, um Lösungsansätze für eine einmalige Region zu bieten, damit nicht nur die biblischen Stätten auch in Zukunft noch besucht werden können, sondern auch die Menschen in dieser Region weiterleben können. Eine stabile Wasserversorgung ist also auch ein entscheidender Beitrag zur Befriedung des Nahen Ostens. Ob dies einmal der geplante Kanal leisten wird, der Wasser aus dem Roten ins Tote Meer leiten soll, ist noch völlig offen. Die möglichen Folgen dieses Wasserimports sehen Wissenschaftler wie Christian Siebert kritisch: „So können wir nicht sicher sein, ob sich das viel leichtere Ozeanwasser mit dem 10-fach salzigeren Wasser des Toten Meeres vermischt und welche biologischen und chemischen Prozesse ablaufen werden.“ Und auch die Auswirkungen auf die umliegenden Grundwässer sind umstritten.

Originalpublikation: Christian Siebert, Tino Rödiger, Ulf Mallast, Agnes Gräbe, Joseph Guttman, Jonathan B. Laronne, Yael Storz-Peretz, Anat Greenman, Elias Salameh, Marwan Al-Raggad, Dina Vachtman, Arie Ben Zvi, Danny Ionescu, Asher Brenner, Ralf Merz, Stefan Geyer (2014); Challenges to estimate surface- and groundwater flow in arid regions: The Dead Sea catchment. Sci Total Environ. Volumes 485–486, 1 July 2014, Pages 828–841 0

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