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Rückblick Praxistag HPLC 2025 Hilfe bei Trennungsfragen – auf dem HPLC-Expertentreff

Von Christian Lüttmann 15 min Lesedauer

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Wer Probleme mit der Trennung hatte, war am 5. und 6. November in Karlsruhe genau richtig. Statt um die Auflösung von Ehen ging es dort um die Auflösung von Chromatogrammen. Beim Praxistag HPLC erhielten die Teilnehmer Einblicke in Methodenentwicklung, Säulenwahl und Auswertungstools sowie in Begleitthemen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Arbeitssicherheit. Der Rückblick auf das zweitägige Event verrät mehr Details.

Der Praxistag HPLC bringt jedes Jahr Anwender und Hersteller der HPLC zusammen. Vorträge, Diskussionen und der direkte Austausch mit den Applikationsexperten stehen im Vordergrund.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Der Praxistag HPLC bringt jedes Jahr Anwender und Hersteller der HPLC zusammen. Vorträge, Diskussionen und der direkte Austausch mit den Applikationsexperten stehen im Vordergrund.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Die Buchstaben bleiben gleich, doch was dahinter steht, wandelt sich: HPLC ist längst nicht mehr, was sie noch vor einigen Jahrzehnten war. Und das im besten Sinne. Während die Trennmethode rein physikalisch unverändert ist, haben sich durch immer neue Säulenpackungen, miniaturisierte Geräte und zunehmende Nachhaltigkeitsbestrebungen viele Aspekte der Flüssigchromatographie gewandelt. Solche und weitere Themen standen im Mittelpunkt des 14. Praxistages HPLC am 5. und 6. November 2025 in Karlsruhe. Rund 100 Teilnehmer erlebten ein Programm, das von grünen Lösemitteln bis zu bioinerten Trennsäulen die ganze Bandbreite moderner HPLC-Analytik abdeckte.

Der Praxistag HPLC ist seit vielen Jahren ein beliebter Treff für deutschsprachige HPLC-Anwender. Auch 2025 brachte die Fortbildung wieder Laborleiter, Methodenentwickler und Analytiker zusammen, diesmal nach Karlsruhe ins Radisson Blu Hotel. Die zwei Tage waren mit einem abwechslungsreichen Vortragsprogramm gefüllt, das neben den klassischen Anwendungsbeiträgen zu Methodenentwicklung, Säulenwahl und Peak-Integration auch „Randaspekte“ beleuchtete, etwa Arbeitssicherheit beim Umgang mit Lösemitteln oder das allgegenwärtige Trendthema Nachhaltigkeit.

Besonderes Highlight war eine Werksführung bei Agilent am ersten Vormittag des Events, die 45 der Teilnehmer im Vorfeld dazugebucht hatten (aufgrund begrenzten Platzangebots stand dieser Programmpunkt leider nicht für alle Teilnehmer des Praxistages zur Verfügung).

Neben dem Vortragsprogramm waren besonders die Pausen wertvoll: Denn die Teilnehmer nutzten diese Zeit nicht nur für Kaffee und eine Stärkung beim Catering, sondern auch, um in der Produktshow mit den Applikationsexperten der ausstellenden Firmen ins Gespräch zu kommen. Dementsprechend schwierig war es jedes Mal, alle Anwesenden zurück in den Vortragsraum zu lotsen, wenn das Programm weiterging – ein gutes Zeichen für nutzwertige Gespräche.

Wer den Praxistag verpasst hat oder sich die Highlights noch einmal in Erinnerung rufen möchte, findet hier eine Zusammenfassung der Fortbildung. Springen Sie über das Inhaltsverzeichnis direkt zu dem Thema, das Sie interessiert.

1) Werksführung bei Agilent

Per Shuttlebus wurden einige der Teilnehmer zum Werksgelände von Agilent gebracht, wo sie hinter die Kulissen des Herstellers blicken durften.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Per Shuttlebus wurden einige der Teilnehmer zum Werksgelände von Agilent gebracht, wo sie hinter die Kulissen des Herstellers blicken durften.
(Bild: VCG – Lüttmann)

45 Teilnehmer starteten am 5. November mit einer exklusiven Werksführung bei Agilent Technologies in Waldbronn. Aufgeteilt in vier Gruppen, erkundeten sie das LC-Labor, das MS-Labor, die Produktion und die Geschichte der LC bei Agilent. Im Demolabor können Kunden sich von den Agilent-Geräten überzeugen und zum Beispiel Proben zur Messung abgeben. Von der Mikro-LC bis zur präparativen LC mit 200 Milliliter Flussrate sowie zweidimensionale Trennung von Naturstoffen – alles ist hier möglich.

Besonders beeindruckend war die Produktionshalle. Denn statt menschenleerer Fabrik tummelten sich dort die Mitarbeiter und fügten an diversen Stationen Stück für Stück, Modul für Modul zusammen, was so mancher Laborangestellte mit wenigen Klicks im Onlineshop bestellt hat. Die Flüssigchromatographiesysteme sind typischerweise so kundenspezifisch, dass es aktuell noch nicht möglich ist, den Prozess zu automatisieren. Die Fertigung der LC-Systeme erfolgt daher zum allergrößten Teil in Handarbeit. Bauteile stammen überwiegend von Zulieferern aus der Region oder zumindest aus Deutschland. Am Ende durchläuft jedes Produkt zur Qualitätskontrolle eine Art von Fotobox, wo der Zustand „ab Haus“ überprüft und dokumentiert wird. Während die Produkte detailliert abfotografiert werden, durften in der Halle bei der Werksführung allerdings keine Bildaufnahmen gemacht werden. Dafür finden Sie einige Aufnahmen aus dem LC-Demolabor in der Bildergalerie.

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2) Strategien für nachhaltiges Arbeiten im Labor

Dr. Kerstin Hermuth-Kleinschmidt präsentierte Strategien für mehr Nachhaltigkeit im Analytik-Labor.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Dr. Kerstin Hermuth-Kleinschmidt präsentierte Strategien für mehr Nachhaltigkeit im Analytik-Labor.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Den eigentlichen Praxistag eröffnete Dr. Kerstin Hermuth-Kleinschmidt von der NIUB-Nachhaltigkeitsberatung. Sie zeigte verschiedene Wege auf, wie ein Labor die tägliche Arbeit nachhaltiger gestalten kann. Das beschränkt sich nicht auf Abfallvermeidung und Energiesparen, wie die Expertin betonte: „Beim Thema Nachhaltigkeit müssen neben Ökologie auch die Aspekte Ökonomie und Soziales berücksichtigt werden.“ Praktischerweise geht das Geldsparen oft Hand in Hand mit dem Reduzieren von Emissionen bzw. Energieverbrauch. So bietet sich etwa die Miniaturisierung an, um sowohl Strom als auch Lösemittelverbrauch bei der Chromatographie zu senken. UHPLC, Mikro-LC und Nano-LC sind hier die Stichworte. Und auch Alternativmethoden wie die SFC (mit superkritischem Kohlendioxid als „grünem Lösemittel“) können sich in bestimmten Fällen anbieten.

3) Geldbeutel und Nerven schonen mit automatischer Eluenten-Überwachung

Martin Alt gab Tipps zur Effizienzsteigerung und Nachhaltigkeit in der HPLC-Analytik.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Martin Alt gab Tipps zur Effizienzsteigerung und Nachhaltigkeit in der HPLC-Analytik.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Martin Alt von Quacx setzte in seinem Vortrag den Schwerpunkt auf die Digitalisierung und wie sie Labore effizienter macht. Er brachte dazu den Fall von leergelaufenen Lösemittelflaschen mit. Ein Ereignis, das in der HPLC für Fehler und Ausfälle sorgt – und das gar nicht mal so selten, wie Alt betonte. „Zwischen 13 und 15 HPLC-Anlagen von 100 fallen pro Woche statistisch aus Mangel an Eluent aus“, zeigten Kundenbefragungen dem Experten zufolge. Diese Ausfälle rechnete er in bares Geld um. Unter der Annahme, dass in mehr als 65 Prozent der Fälle die Anwender über 1,5 Stunden für die Requalifizierung benötigen, können so schnell tausende Euro im Monat zusammenkommen. (Für ein Labor mit zehn Instrumenten beläuft sich der Kostenfaktor laut Alts Rechnung etwa auf 1.260 Euro pro Monat, unter der Annahme, dass eine Laborstunde 210 Euro kostet.)

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Um solche Ausfälle zu verhindern, biete sich eine automatisierte Eluenten-Überwachung mittels Radarsystem an. „Stellen Sie sich das vor wie beim Wohnmobil. Da haben Sie auch immer zwei Gasflaschen drin. Wenn eine leer ist, schaltet das System automatisch auf die Ersatzflasche um“, erklärte Alt. In Anbetracht dieses Vergleichs wirkt es geradezu verwunderlich, dass nicht längst jede HPLC-Anlage einen automatischen Backup-Eluenten integriert hat. Das Einsparpotenzial ist beträchtlich: In einem Labor mit zehn Instrumenten könnten durch die vermiedenen Requalifizierungszeiten jährlich 15.120 Euro allein an Lohnkosten gespart werden – ohne Berücksichtigung von Verbrauchsmaterial und Probenaufarbeitung. Und auch das Thema Nachhaltigkeit ist bedient. Schließlich gehen mit jedem HPLC-Ausfall auch ein Mehraufwand für Lösemittel, Energiekosten und Probenmaterial einher. Solche Analyseläufe „für die Tonne“ können mittels Eluentenüberwachung leicht vermieden werden.

Und Lösemittel ist auch das richtige Stichwort, denn darum drehte sich der nächste Vortrag.

4) Lösemittel im Labor: Wie man sie lagert – und wie besser nicht

Sind Lösemittel Helden im Labor oder unterschätzte Gefahr? Diese Frage behandelte Dr. Maximillian Heidrich.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Sind Lösemittel Helden im Labor oder unterschätzte Gefahr? Diese Frage behandelte Dr. Maximillian Heidrich.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Gerade bei der HPLC kommt man nicht um sie herum: Lösemittel. Dabei ist es nicht immer mit reinem Wasser getan. Oft kommen organische Lösemittel wie Acetonitril oder Methanol zum Einsatz, um die Probenmatrix aufzutrennen. Dr. Maximilian Heidrich von Scat Europe sensibilisierte in seinem Vortrag für den sicheren Umgang mit Lösemitteln. Sein pointierter Vergleich: „Warum trägt der Autolackierer eine Atemmaske, die Laborantin am HPLC-Lösemittelvorrat aber nicht?“ Neben dem geschärften Gefahrenbewusstsein helfen Sicherheitsvorkehrungen wie Persönliche Schutzausrüstung und geeignete Verschlüsse bei Lösemittel- und Abfallbehältern. Selbstgebastelte Lösungen mit Alufolie oder Parafilm findet Heidrich aber immer wieder – doch diese erfüllen nie ihren Zweck, wie der Experte betont.

Übrigens: Der Vortrag von Dr. Anette Dibowski ist leider ausgefallen. Wer sich über die Probenvorbereitung per Electromembrane Extraction (EME) informieren möchte, findet Inhalte von ihr in diesen beiden Beiträgen:

5) Charged Aerosol Detection: Blick hinter die Technik

Für einen Vortrag zu 20 Jahren CAD hatten sich Dr. Frank  Steiner und Sylvia Große zusammengetan, um diesen Meilenstein der universellen Detektion näher zu beleuchten.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Für einen Vortrag zu 20 Jahren CAD hatten sich Dr. Frank Steiner und Sylvia Große zusammengetan, um diesen Meilenstein der universellen Detektion näher zu beleuchten.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Am zweiten Tag der Veranstaltung startete Dr. Frank Steiner gemeinsam mit Sylvia Große in die Vortrags-Sessions. Die Experten von Thermo Fisher Scientific stellten die Technik und (Weiter)Entwicklung des Charged Aerosol Detector (CAD) vor. Der 2005 eingeführte Detektor ist auch heute, zwei Jahrzehnte später, ein unverzichtbares Werkzeug für die HPLC-Analytik, insbesondere für Analyten, die der optischen Detektion nicht direkt zugänglich sind.

„Universelle Detektion, das wünschen wir uns alle. Aber es gibt ihn nicht“, stellte das Referenten-Duo klar. Dennoch eröffne der CAD ein sehr breites Probenspektrum, indem er Analyten in drei aufeinanderfolgenden Schritten in ein detektierbares Signal umwandelt. Zunächst wird der Säuleneluent in Tröpfchen zerstäubt und das Lösemittel verdampft, sodass kleine Teilchen entstehen. Die Partikelgröße steigt mit der Analytmenge. Im zweiten Schritt kollidiert ein Strom aus ionisiertem Stickstoffgas mit den Partikeln in der Mischkammer. Die Ladung überträgt sich vom ionisierten Gas auf die Analytpartikel – je größer das Partikel, desto größer die Ladung. Schließlich gelangen die geladenen Aerosol-Partikel zu einem Kollektor, wo ein Elektrometer die Gesamtladung misst.

Das Ergebnis ist ein Signal, das direkt proportional zur Analytmasse ist. Daraus ergebe sich der Vorteil, dass ein CAD als massenstrom-proportionaler Detektor keine Verdünnung „sieht“, da der Eluent vor der eigentlichen Detektion verdampft wird. Auch sei der Response-Faktor relativ einheitlich, was im Chromatogramm zu ähnlich hohen Peaks für alle Analyten führe.

Eine weitere Besonderheit des CAD: „Der Detektor ist umso empfindlicher, je kleiner die Konzentration ist“, sagte Steiner. Der Grund: Bei niedrigeren Analytkonzentrationen entstehen kleinere Partikel unter 50 Nanometer. Während Lichtstreudetektoren (engl.: ELSD, Evaporative Light Scattering Detector) bei solch kleinen Partikeln drastisch an Empfindlichkeit verlieren, kann der CAD Partikel bis hinunter zu zehn Nanometer noch zuverlässig erfassen. Dadurch hat er seine beste Empfindlichkeit gerade im niedrigen Konzentrationsbereich, wo andere Aerosol-Detektoren versagen.

Neben den Grundlagen der CAD-Technik stellten die Referenten auch die Berechnungen vor, die das System im Hintergrund vornimmt, und zeigten, wie das neuste Modell des Detektors eine höhere Empfindlichkeit als die Vorgängergeneration hat (für Desoxycholsäure und Cholsäure ergab sich in Testmessungen etwa ein Plus von 34 Prozent in der Peakfläche).

6) Ein Plädoyer für HILIC

Bei Dr. Thomas Letzel ging es um HILIC als Chromatographie für sehr polare Moleküle(Bild:  VCG – Lüttmann)
Bei Dr. Thomas Letzel ging es um HILIC als Chromatographie für sehr polare Moleküle
(Bild: VCG – Lüttmann)

„HILIC ist seit 15 Jahren eine missverstandene und auch schlechtgeredete Technik. Ich möchte mit Vorurteilen und Missverständnissen aufräumen“, kündigte Dr. Thomas Letzel vom Analytischen Forschungsinstitut für Non-Target-Screening (AFIN) an. In seinem Vortrag stellte er die Mechanismen der Hydrophylic Interaction Liquid Chromatography sowie Anwendungsgebiete vor.

Eines der größten Missverständnisse aus seiner Sicht sei, dass HILIC als „umgekehrte Umkehrphasen-Chromatographie“ verstanden würde. Tatsächlich handele es sich um eine zusätzliche polaritätserweiterte Chromatographie neben der SFC. „Für geladene Analyten nutze ich Ionenchromatographie. Bei sehr polaren (nicht geladenen) Analyten kommt HILIC ins Spiel“, sagte Letzel. Statt Säulen zu derivatisieren, um weiter die gewohnten nicht-polaren Trenntechniken zu verwenden, plädierte er für seine persönliche Lieblings-Trennmethode HILIC.

Besonders wichtig sei dort die immobilisierte Wasserschicht, die sich an der stationären Phase ausbildet. Sie trage zur Retention und einer guten Stofftrennung bei, da sich die polaren Analyten dort zeitweise lösen und so zurückgehalten werden. „Ein Minimum von fünf bis zehn Prozent Wasser ist in der mobilen Phase notwendig, zwei bis drei Prozent sind optimal“, empfiehlt der HILIC-Profi. Besonders zu beachten ist die Wasserphase bei der Gradientenelution, da sie sich durch einen zunehmenden Anteil an Acetonitril auflöst. Dies könne dazu führen, dass bestimmte Analyten koeluieren und nicht mehr im Chromatogramm aufgelöst werden. Mit diesen und weiteren Tipps machte Letzel die Teilnehmer fit für den Einsatz von HILIC.

7) Analytische Weinprobe: eine anspruchsvolle Methodenentwicklung

Julia Wesolowski stellte ihre Methodenentwicklung für den Vergleich organischer Verbindungen in natürlichem Wein, Rotwein und Traubensaft vor. (Bild:  VCG – Lüttmann)
Julia Wesolowski stellte ihre Methodenentwicklung für den Vergleich organischer Verbindungen in natürlichem Wein, Rotwein und Traubensaft vor.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Einen Anwendungsvortrag der besonderen Art steuerte Julia Wesolowski von Knauer bei: den Vergleich von Naturwein, Rotwein und Traubensaft mittels HPLC. Für die Analytik entwickelte Wesolowski zwei chromatographische Methoden. Sie nutzte Eurokat-Säulen in Kombination mit Brechungsindex-Detektor (RID) und Diodenarraydetektor (DAD) für organische Säuren, Zucker und Alkohole sowie eine Umkehrphasen-LC-Methode mit DAD für phenolische Verbindungen. Die Kombination ermöglichte den qualitativen Nachweis von ca. 20 Verbindungen in Wein und Saft.

Ihre Beispiele demonstrierten die Methodenentwicklung praxisnah und verschwiegen dabei auch Hindernisse und Alltagsprobleme nicht. „Bei den Einzelstandards haben wir jeweils 2 mg/ml in Wasser angesetzt. Nur für Shikimisäure waren es lediglich 0,8 mg/ml, weil wir nicht mehr genug Reagenz vorrätig hatten“, beschrieb die Applikationsexpertin. Das tat den Resultaten keinen Abbruch. „Die Weinanalytik ist aufgrund der vielen Analyten anspruchsvoll und komplex, aber HPLC gibt einen guten Überblick über die Probe“, zog Wesolowski als Fazit.

8) Bioinerte Säulen als Game Changer für anhängliche Analyten

Dr. Feiyang Li zeigte die Vorteile von (Bio)inerte Säulen in verschiedenen Trennmodi.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Dr. Feiyang Li zeigte die Vorteile von (Bio)inerte Säulen in verschiedenen Trennmodi.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Dr. Feiyang Li von YMC Europe widmete sich einem Problem, das viele Anwender kennen dürften: unerwünschte Wechselwirkungen mit der Säule. So interagieren Substanzen wie Oligonukleotide, Phosphopeptide oder Proteine besonders stark mit Metallionen der Edelstahl-Hardware. Die Folgen: schlechte Peakformen, geringe Sensitivität, Verlust der Wiederfindung und Carry-over.

Gegen diese unerwünschten Effekte helfen speziell beschichtete bioinerte Säulen wie die YMC Accura. Im Gegensatz zu einer Titanoberfläche liefere die Polymerbeschichtung eine langanhaltende Inertheit, wie Li erläuterte. Dazu trage auch die höhere Schichtdicke des Polymercoatings bei. „Die Peakfläche kann mit den Säulen nahezu verdoppelt werden – sehr nützlich, wenn hohe Sensitivität nötig ist“, hob Li hervor. Die optimale Säulenwahl vertiefte der Experte in seinem Vortrag sowie in den Beratungsgesprächen am YMC-Stand während der Kaffee-Pausen.

9) Da leuchten die Analytiker-Augen: Fluoreszenzdetektion mit Multisignal-Datenaufnahme

Im Vortrag von Christian Gotenfels drehte sich alles um „mehr Detektorleistung für die Fluoreszenz-Detektion“.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Im Vortrag von Christian Gotenfels drehte sich alles um „mehr Detektorleistung für die Fluoreszenz-Detektion“.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Der nächste Programmpunkt galt der Fluoreszenzdetektion. Christian Gotenfels von Agilent stellte diese Methode vor, die zu den empfindlichsten und selektivsten Techniken in der LC gehört und Nachweise bis hinunter in den Femtogramm-Bereich ermöglicht.

Zwar fluoreszieren nur 10 bis 15 Prozent aller Substanzen natürlich, doch durch Derivatisierung lassen sich auch andere Substanzen für die Fluoreszenz zugänglich machen. Aminosäuren werden zum Beispiel mit OPA-Reagenz (O-phthaldialdehyd) derivatisiert. „Das klingt nach zusätzlicher Arbeit, aber der Autosampler führt dies automatisch durch“, erklärte Gotenfels anhand des neuen 1290 Infinity III Fluoreszenz-Detektors. Dieser schalte in unter 250 Millisekunden zwischen den Wellenlängen und messe in einer Multisignal-Datenaufnahme mehrere Wellenlängen gleichzeitig. Zudem helfe der breitere lineare Bereich bei großer Streuung der Analytkonzentrationen. Während andere Methoden besonders im Bereich der Empfindlichkeit weiter optimiert würden, gehe es bei der Fluoreszenz nur um Reproduzierbarkeit – „die Methode ist ohnehin schon super empfindlich“, ordnete der Experte ein.

10) Integration ganz unpolitisch: Wie optimiere ich die Auswertung von Peaks?

Dr. Andreas Loebers besprach Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Peak-Integration.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Dr. Andreas Loebers besprach Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Peak-Integration.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Wie gelingt die beste Peak-Integration? Dieser Frage widmete sich Dr. Andreas Loebers von Avantor in seinem Vortrag. Zwar läuft die Auswertung der Chromatogramme heute längst automatisiert (vorbei sind die Zeiten, in denen Chromatogramme ausgedruckt und die Peaks ausgeschnitten und gewogen wurden). Doch niemand sollte sich blind auf die Algorithmen verlassen. „Es ist sehr wichtig, jeden Peak zu überprüfen, ob er auch richtig integriert wurde“, betonte Loebers. Schließlich können sich bei (falsch eingestellten) Automatismen leicht Fehler einschleichen.

Vier typische Probleme stellte der Experte näher vor: Rauschen, negative Peaks, überlappende Peaks und Basisliniendrift. „Bei unzureichender Peak-Basislinientrennung müssen Sie immer mit Fehlern von 20 bis 30 Prozent rechnen“, ordnete er ein. Glücklicherweise gelingt sogar in solchen Fällen dank Approximation von Gausskurven eine realistische Peak-Integration. Entscheidend ist, dass man die passenden Modell für das jeweilige Programm anwendet. So können negative Peaks etwa als solche erfasst werden, um die Bestimmung der Basislinie nicht zu verfälschen.

Auch die so genannte Valley-to-valley-Methode sei ein probates Mittel, um eine Basisline selbst mit Drift zuverlässig zu bestimmen. „Dies dürfen Sie aber nur anwenden, wenn die Peaks vollständig Basislinien getrennt sind“, warnte Loebers. „Ansonsten kommt es zu einer Unterschätzung der Peakflächen. Bei überlappenden Peaks müsse man zum Beispiel auf eine Perpendicular Integration (Lotfällung) zurückgreifen, bei der die Fläche unter einem Peak bestimmt wird, indem von der Peakspitze ein Lot senkrecht zur Basislinie gezeichnet wird. Mit diesen und weiteren Tipps ermutigte der Referent das Plenum dazu, die eigenen Messdaten kritisch zu hinterfragen und mit wachsamen Augen auf die Integrationseinstellungen zu schauen.

11) Die Spitzenklasse der Methodenentwicklung: therapeutische Peptide

Grenzbereich Gradienten – Dr. Aline Bayerle stieg in ihrer Präsentation tief in die Kniffe zur Methodensteuerung in der GLP-1-Analytik ein.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Grenzbereich Gradienten – Dr. Aline Bayerle stieg in ihrer Präsentation tief in die Kniffe zur Methodensteuerung in der GLP-1-Analytik ein.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Tief in die biochemische Praxis stieg Dr. Aline Bayerle von Agilent in ihrem Workshop ein. Sie führte Schritt für Schritt durch die Methodenentwicklung für therapeutische Peptide. „Bei therapeutischer Peptidanalyse geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Präzision“, stellte sie klar. „An langen Analysezeiten führt kein Weg vorbei; in fünf Minuten geht da nichts.“

Bayerle gab Tipps für die Säulenwahl und zeigte exemplarisch anhand der Analytik von GLP-Analoga, welche Herausforderungen und Lösungen sich bei der Peptidanalytik ergeben. So empfahl die Expertin, für Therapeutische Peptide immer eine Hochdruck Pumpe zu nehmen. Auch sei ein langer und flacher Gradient essenziell, um die Peptide aufzutrennen. Ebenfalls entscheidend sei der so genannte pI-Wert für den isoelektrischen Punkt. Er gibt an bei welchem pH-Wert die positiven und negativen Ladungen eines zwitterionischen Moleküls (z.B. Aminosäure oder Protein) im Gleichgewicht stehen und das Molekül eine Nettoladung von Null hat, sprich: bei welchem pH-Wert es gerade nicht mehr in Wasser löslich ist. Wird das bei der Methodenentwicklung vergessen, fällt der Analyt womöglich aus und kann im schlimmsten Fall die Säule verstopfen.

Als Tool zur Methodenentwicklung stellte sie die Software Chromsword vor und zeigte Heatmaps aus diesem Programm, mit denen sie die optimalen Parameter anhand einiger Einzelversuche extrapoliert hatte.

12) Vereinen vereinfacht: Schnittstellen und Daten

Franz Reger-Besser stellte die digitale Einbindung von Waagen vor.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Franz Reger-Besser stellte die digitale Einbindung von Waagen vor.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Ergänzend dazu zeigte Dr. Julian Ramcke, wie sich Probenvorbereitung und beim Substanzmanagement mithilfe digitaler Lösungen optimieren lässt.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Ergänzend dazu zeigte Dr. Julian Ramcke, wie sich Probenvorbereitung und beim Substanzmanagement mithilfe digitaler Lösungen optimieren lässt.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Gegen Ende des Tages ging es noch einmal um den Schwerpunkt der Labordigitalisierung. Als Beispiel brachten Franz Reger-Besser von Mettler Toledo und Dr. Julian Ramcke von Quacx einen Fall aus der Probenvorbereitung mit: Die Anbindung einer Waage. „Die Waage ist eher ein Einhorn im Labor. Sie gibt nie ein Endergebnis, sondern ist nur ein Zwischenschritt“, sagte Reger-Besser. Oftmals sei es noch üblich, dass die Laborangestellten das Wägeergebnis händisch ins LIMS oder gar ins physische Laborbuch einpflegen, um es dann für die späteren Schritte des Prozesses bzw. zur Dokumentation zu übertragen. Das Problem: „Dieser manuelle Übertragungsprozess ist nicht nur aufwändig, sondern auch fehleranfällig“, betonte Ramcke. „13 Prozent der Einwaagen, die manuell eingetragen werden, sind falsch“, ordnete er ein.

Als Lösung stellte Ramcke die Smart-LCC-Software von Quacx vor. Sie verbindet das Chromatographie-Datensystem (CDS) und die Wägesoftware, überträgt Probendaten automatisch und reduziert damit Übertragungsfehler. Das funktioniert etwa mit der Lab-X-Wägesoftware von Mettler Toledo und dem CDS Chromeleon von Thermo Fisher Scientific.

13) Betäubungsmittel-Management und Audit-Trail

Zum Abschluss klärte Dr. Thomas Hille über das Betäubungsmittelmanagment durch elektronische Datenverarbeitung auf.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Zum Abschluss klärte Dr. Thomas Hille über das Betäubungsmittelmanagment durch elektronische Datenverarbeitung auf.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Pascal Weinelt hatte die passende Wägelösung mitgebracht: Ein kleines Probengefäß mit integriertem Chip, um alle Probendaten jederzeit parat zu haben.(Bild:  VCG – Lüttmann)
Pascal Weinelt hatte die passende Wägelösung mitgebracht: Ein kleines Probengefäß mit integriertem Chip, um alle Probendaten jederzeit parat zu haben.
(Bild: VCG – Lüttmann)

Besonders brisant wird es im Labor beim Umgang mit Betäubungsmitteln. Dr. Thomas Hille von Quacx und Pascal Weinelt von Mettler Toledo zeigten am Beispiel Fentanyl, wie moderne Technik bei der Audit-Trail-fähigen Dokumentation hilft. „Bei Betäubungsmitteln sind Straftaten schnell passiert, wenn man sich nicht penibel an die Vorschriften hält“, warnte Hille. Schon falsche Schreibweisen seien hier ein Straftatbestand, etwa wenn in Deutschland der englische Substanzname benutzt wird.

Für besonders einfache Probenrückverfolgbarkeit zeigten die Referenten spezielle Probengefäße, die alle relevanten Daten auf einem Chip direkt am Gefäß protokollieren. „So ist ersichtlich, wenn Substanz verloren geht“, sagte Weinelt. Solche kleinen Tools für die Datenerfassung sind insbesondere im hochregulierten Pharmabereich äußerst hilfreich und können Laboranten bei lästiger Protokollarbeit unterstützen. „Der Gesetzgeber fordert für Betäubungsmittel strenges Substanzmanagement inklusive exakter Bestandsführung, halbjährliche Inventur und Meldung an die Bundesopiumstelle“, führte Hille aus. Die elektronische Datenverwaltung erleichtere die Erfüllung dieser administrativen Pflichten erheblich.

14) Ausblick: Nächste Werksführung bei Thermo Fisher

Nach zwei informationsreichen Tagen voller Vorträge und einer spannenden Werksführung beim HPLC-Anlagenbau von Agilent endete der 14. Praxistag HPLC in Karlsruhe. Das Event hat den Teilnehmern zahlreiche Impulse für ihre Laborarbeit mitgegeben und allein schon in den Pausen für lebendige Diskussionen und einen regen Erfahrungsaustausch gesorgt.

Best Practices wurden geteilt, Kontakte getauscht und das ein oder andere Verkaufsangebot dürfte wenig später in den Mail-Postfächern gelandet sein. Während die Teilnehmer nun einiges an Input zu verarbeiten und Methoden zu testen haben, gibt es für 2026 bereits den nächsten Termin. Dann zieht der Praxistag HPLC nach Fürstenfeldbruck bei München. Merken Sie sich den 28. und 29. Oktober 2026 im Kalender vor oder sichern Sie sich schon jetzt das vergünstigte Early-Bird-Ticket.

Eins steht schon fest: Es wird eine neue Werksführung geben. Dieses Mal bei Thermo Fisher Scientific in Germering. Die Plätze sind wieder begrenzt und nur in der Buchung der ersten Teilnehmer enthalten. Früh zuschlagen lohnt sich also umso mehr.

Ob nun mit oder ohne Werksführung. Der Praxistag HPLC wird auch nächstes Jahr wieder ein wichtiger Branchentreff für HPLC-Anwender sein. Wir freuen uns schon, Sie dann begrüßen zu dürfen. Aktuelle Informationen zum Programm und den Referenten sowie zur Anmeldung finden Sie online auf www.praxistag-hplc.de, sobald die Details feststehen.

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