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Nördliches Breitmaulnashorn

In-vitro-Embryonen könnten Nashornart retten

| Autor / Redakteur: Anja Wirsing* / Christian Lüttmann

Nashornweibchen Najin im Ol Pejeta Conservancy in Kenia
Nashornweibchen Najin im Ol Pejeta Conservancy in Kenia (Bild: Ami Vitale)

Zwei Erfolge zur Rettung einer aussterbenden Art: Mithilfe der assistierten Reproduktion und Stammzelltechnologie haben Forscher zwei in-vitro-Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns kultiviert. Die Art ist bis auf zwei Weibchen ausgestorben. Nun besteht Hoffnung, mit der Reproduktionstechnik die Spezies doch noch vor dem endgültigen Aussterben zu bewahren.

Berlin – Die Zukunft des Nördlichen Breitmaulnashhorns liegt in den Händen einiger Wissenschaftler. Denn aus eigenen Stücken können die letzten beiden Exemplare der Art – zwei nicht mehr gebärfähige Weibchen – das Aussterben ihrer Spezies nicht mehr verhindern.

Dank moderner Technik und neu entwickelten Methoden war ein Team von Forschern aber in der Lage, Eizellen der letzten beiden Nashornweibchen zu entnehmen und sicher in ein Labor der Firma Avantea im italienischen Cremona zu transportieren. Dort gelang nun die in-vitro-Herstellung von Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns.

Zwei Hoffnungsträger für eine aussterbende Art

Prof. Cesare Galli und sein Team reiften und befruchteten die Eizellen, die am 22. August bei den beiden Nashornweibchen Najin und Fatu in Kenia gesammelt wurden. Das Sperma stammte von den bereits verstorbenen Bullen Suni und Saut. „Wir haben zehn Eizellen aus Kenia zurückgebracht, fünf von jedem Weibchen. Nach der Inkubation reiften sieben und waren für die Befruchtung geeignet “, sagt Galli.

„Fatus Eizellen wurden mit Sunis Sperma befruchtet, während wir für Najins Eizellen Sperma von Saut verwendet haben. Das eingesetzte Verfahren nennt sich ICSI (Intra Cytoplasm Sperma Injection). Saut's Sperma war von schlechter Qualität und wir mussten zusätzliche Proben auftauen, um brauchbare Spermien für ICSI zu finden. Nach zehn Tagen Inkubationszeit entwickelten sich zwei von Fatus Eizellen zu lebensfähigen Embryonen, die für den späteren Transfer kryokonserviert wurden. Najins Eizellen haben es nicht zu einem lebensfähigen Embryo geschafft, obwohl eine Eizelle die Segmentierung eingeleitet hat.“

Wie die Eizellentnahme in Kenia verlief, lesen Sie in diesem Beitrag:

Die fast unmögliche Rettung einer aussterbenden Nashornart

Erfolgreiche Eizellentnahme

Die fast unmögliche Rettung einer aussterbenden Nashornart

26.08.19 - Weltweit leben nur noch zwei Nördliche Breitmaulnashörner – und beide sind weiblich. Eigentlich würde es das sichere Aussterben der Art bedeuten, doch Wildtierforscher versuchen seit einigen Jahren dieses Ende mit allen Mitteln zu verhindern. Ihr Plan: Eizellen der Weibchen und kryokonserviertes Sperma männlicher Artgenossen sollen die Spezies vor dem Untergang retten. Nun ist mit der erfolgreichen Eizellentnahme ein wichtiger Schritt auf dieser Rettungsmission gelungen. lesen

Projekt Bio Rescue ist weiter auf Erfolgskurs

Der gesamte Prozess ist Teil des Forschungsprojekts Bio Rescue. Dessen Ziel ist es, die Techniken der assistierten Reproduktion (ART) sowie der Stammzelltechnologie (SCAT) signifikant zu verbessern.

„Vor fünf Jahren schien es, als wäre die Produktion eines Nördlichen Breitmaulnashorn-Embryos ein fast unerreichbares Ziel – und heute haben wir dieses Ziel erreicht“, sagt Jan Stejskal, Direktor für Kommunikation und internationale Projekte vom Dvůr Králové Zoo, wo Najin und Fatu geboren wurden. „Diese fantastische Leistung des gesamten Teams gibt uns Optimismus für unsere nächsten Schritte: In den kommenden Monaten müssen wir den Prozess des Transfers und der anschließenden Entwicklung eines Embryos im Körper einer Leihmutter optimieren. Die Technik zur Gewinnung von Eizellen wurde in Zusammenarbeit mit vielen europäischen Zoos entwickelt und wir freuen uns, dass diese einzigartige Zusammenarbeit auch bei Versuchen zum erfolgreichen Embryotransfer fortgesetzt werden kann.“

Etablierte, inspirierende Partnerschaften sind ein Schlüssel zum Erfolg des Bio-Rescue-Projekts. Unter anderem gehört eine langfristige Partnerschaft mit Merck dazu. „Die Zeugung zweier lebensfähiger Embryonen ist ein bedeutender Schritt, um das Nördliche Breitmaulnashorn vor dem Aussterben zu bewahren“, sagt Jan Kirsten, Global Head of Fertility bei Merck. „Wir bei Merck zuversichtlich, unsere enge und langjährige Partnerschaft zur Sicherung der Artenvielfalt mit dem Konsortium noch weit in die Zukunft fortzusetzen. Als Experten im Bereich Fertilitätstechnologien freuen wir uns, diesem kollaborativen Vorhaben mit unserem Fachwissen beistehen zu dürfen.“

* A. Wirsing, Forschungsverbund Berlin,12489 Berlin

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