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Medtech meets Pharma

Innovationen an der Schnittstelle von Medizintechnik und Pharma

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Auch für Siemens-Vize Meyer ist der Nutzen von entscheidender Bedeutung: „Technische Machbarkeit ist nicht gleichbedeutend mit klinischer Anwendbarkeit.“ Anders als zu früheren Zeiten, in denen Technologien noch in die Praxis „gedrückt werden konnten“, sei Wertschöpfung heute abhängig vom Geschäftsmodell. Sprich: „Der klinische Wert neuer Produkte und Lösungen bemisst sich an deren Potenzial zur Optimierung der Wertschöpfungskette unter Berücksichtigung der Vergütungsmöglichkeiten.“ Oder einfach ausgedrückt: Heute nehmen die Akteure im Gesundheitswesen nicht mehr klaglos das, was ihnen angeboten wird, sondern fordern das, was sie tatsächlich brauchen.

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Verknüpfung von Diagnostik und Therapie entlang der Behandlungspfade

„Und das ist beispielsweise mit der Verknüpfung von Diagnostik und Therapie entlang des Behandlungspfades möglich“, so Meyer. Mit der bereits von Pfizer-Referent Bieberstein angesprochenen Kooperation Siemens/Pfizer unterstützt die begleitende Diagnostik die Effektivität von Therapien, die Identifizierung von Patienten mit hohem Nebenwirkungsrisiko und die Auswahl sicherer und wirksamer Dosierungen sowie das optimale Timing von Interventionen. Hierfür setze Siemens seine Expertise in den Bereichen Bildgebung, In-vitro-Diagnostik und Healthcare IT in Kombination mit großer Marktpräsenz ein.

Tissue Engineering kann mechanisch hergestellte Gelenkimplantate verdrängen

Doch neben allen strategischen Überlegungen ist das Zusammenwachsen von Medizintechnik und Pharma durchaus auch damit verbunden, in die Tiefen der Technik einzutauchen. Und so gibt Dr.-Ing. Jan Hansemann vom Lehrstuhl für Tissue Engineering und regenerative Medizin an der Julius-Maximilians Universität Würzburg Einblick in die Arbeiten an seinem Institut. Dort werden humane Zellen für Versuche gezüchtet.

Für die Veränderung von Stents zu deren besseren Einbindung ins Gewebe wurde beispielsweise eine humane Tissue-Aterie erstellt. Das erlaubte den Forschern, den Stent nach sechs Wochen wieder zu entnehmen und den Erfolg der Maßnahmen zu untersuchen. „Denn der Mensch ist keine 70-Kilogramm-Maus. Also sind Ergebnisse aus Tierversuchen nur bedingt aussagekräftig“, so der Wissenschaftler. Langfristig sieht er in Tissue Engineering sogar das Potenzial, um mechanisch hergestellte Gelenkimplantate zu ersetzen. Allerdings gehe der Weg hierhin zunächst über hybride Produkte aus Tissue und Technik.

Potenzial von Polypetoiden für Medizintechnik und Pharma

Bis tief in die Polymerketten von Polypeptoiden hat schließlich Prof. Luxenhofer, ebenfalls Universität Würzburg, die Teilnehmer mitgenommen. Denn wem es gelingt, das sogenannte Bio-Fouling von Polymeren zu verhindern, der kann aufgrund der dadurch gesteigerten Zirkulationszeiten von Wirkstoffen im Blut die Arzneimittelgabe von mehrmals täglich auf einmal wöchentlich reduzieren. Das ist vor allem für die Patienten interessant.

„Heute ist die niedrige Löslichkeit von Wirkstoffen häufig für das Scheitern von Arzneimittelentwicklungen verantwortlich“, so Luxenhofer. Interessant ist daher der von ihm und seinem Team entwickelte Baukasten, für die Funktionalisierung von Polmeren. „Von hydrophil bis hydrophob lassen sich damit Kompositionen mit hoher Reproduzierbarkeit herstellen. Das ist speziell für industrielle Anwender interessant.

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Portal unserer Schwestermarke der DeviceMed.

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