Wasserstoff, Kohlenstoff, Sauerstoff und & Co. kennt jeder. Aber Tellur? Eine internationale Forschungsgruppe hat nun erstaunliche und wunderschöne Molekülstrukturen gefunden, als sie in ringförmigen Kohlenwasserstoff-Molekülen statt Sauerstoff oder Schwefel das ungleich schwerere Element Tellur verwendete. Mögliche Anwendgungen haben die Forscher auch schon im Sinn.
Ungewöhnliche Strukturen von Tellurverbindungen
(Bild: Anne Günther/Uni Jena)
Jena – Das Periodensystem kennt 118 chemische Elemente. In unserem Alltag stehen jedoch nur wenige davon im Vordergrund, etwa Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Silizium. Richtig spannend wird es aus chemischer Sicht aber, wenn weniger bekannte Elemente ins Spiel kommen. So hat eine internationale Forschungsgruppe aus Deutschland und Finnland erstaunliche und wunderschöne Molekülstrukturen gefunden, als sie in ringförmigen Kohlenwasserstoff-Molekülen statt Sauerstoff oder Schwefel das ungleich schwerere Element Tellur verwendete. Diese Verbindungen bestechen dadurch, dass sie sich im Kristall zu hochsymmetrischen Röhren anordnen, die über die Tellur-Atome miteinander in Wechselwirkung stehen.
Molekülringe ordnen sich mit Tellur zu Röhren an
Der Halbleiter Tellur hat ähnliche chemische Eigenschaften wie die „verwandten“ Elemente Schwefel und Selen. Daher überrascht es nicht, dass die ringförmigen Kohlenwasserstoffe, in die das Team gezielt Tellur-Atome einbaute, sich auch ähnlich verhalten wie die entsprechenden bekannten schwefel- oder selenhaltigen Verbindungen – jedenfalls wenn sie gelöst sind. Dennoch nimmt Tellur eine Sonderstellung ein.
Professor Dr. Wolfgang Weigand zeigt ungewöhnliche Strukturen von Tellurverbindungen.
(Bild: Anne Günther/Uni Jena)
„Das Besondere passiert, wenn diese Substanzen Kristalle bilden“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Weigand von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, einer der beiden Korrespondenzautoren der aktuellen Publikation zu diesem Thema. „Es bilden sich dann quasi unendlich lange Röhren, in denen die ringförmigen Moleküle über die Telluratome zusammengehalten werden. Das geschieht aufgrund einer ungewöhnlich starken zwischenmolekularen Wechselwirkung. Dadurch entstehen sehr interessante Strukturen, die wir hier beobachten können.“
Ähnliche Gebilde sind in der Chemie zwar bereits bekannt, etwa bei den sogenannten Metallorganischen Gerüstverbindungen (auch bekannt als „metal-organic frameworks“). „Unsere Verbindungen sind aber im Gegensatz dazu keine Koordinationspolymere“, erklärt Weigand weiter. „Sie verhalten sich deshalb auch anders. Das sieht man beispielsweise daran, dass sie nur im Kristall diese supramolekularen Formen ausbilden und nicht wenn sie gelöst sind.“ Erste experimentelle Hinweise zeigen jedoch, dass Luftsauerstoff die Telluratome oxidieren und dann untereinander zu Stapelverbindungen verknüpfen kann.
Neue Möglichkeit, Gase zu speichern?
Das deutsch-finnische Forschungsteam hat ermittelt, dass diese Tellurverbindungen im festen Zustand durch ihre speziellen Hohlräume eine sehr große Oberfläche von fast eintausend Quadratmetern pro Gramm haben – das entspricht etwa zweieinhalb Basketballfeldern. „Grundsätzlich wäre es vorstellbar, dass man in diesen Hohlräumen Gase einfangen könnte, wie zum Beispiel Kohlendioxid", sagt Wolfgang Weigand. „Uns war jedoch zunächst wichtig, diese spannenden Verbindungen erst einmal zu erschließen und zu studieren.“ Bis zu konkreten Anwendungen seien noch weitere Forschungen notwendig.
„Diese Forschung wäre ohne das Erasmus-Programm der EU nicht möglich gewesen“, ergänzt der Jenaer Chemiker. „Die Idee zu dieser Arbeit kam ursprünglich durch meinen früheren Doktoranden Dr. Tobias Niksch in Jena und durch einen Gastaufenthalt von meinem ehemaligen Masterstudenten Marko Rodewald an der Universität Oulu in Finnland in der Gruppe von Prof. Dr. Risto Laitinen zustande. Seit 15 Jahren haben wir sehr gute Beziehungen dorthin und schon häufig gemeinsam Forschungsergebnisse veröffentlicht.
Die theoretischen Berechnungen in dieser Arbeit kamen wiederum durch einen ehemaligen Doktoranden von Risto Laitinen zustande, der nun an der finnischen Universität Jyväskylä forscht. Diese Arbeit zeigt also beispielhaft, wie wichtig Austausch und Vernetzung für den Fortschritt der Wissenschaft ist. Ich freue mich schon darauf, mit den finnischen Kolleginnen und Kollegen diese interessanten Strukturen weiter zu erforschen.“
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.