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Interview

Laborneubau bringt mehr Sicherheit für Mitarbeiter

| Autor/ Redakteur: Das Gespräch führte LP-Chefredakteur Marc Platthaus / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Ein Laborneubau ist ein umfangreiches Projekt, das gut geplant sein will. Prof. Andreas Link beschreibt die Vorteile, die der Neubau eines Labor- und Praktikumsgebäudes für Pharmazie und Biologie an der Universität Greifswald bringt.

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Prof. Dr. Andreas Link, Arbeitskreisleiter Pharmazeutische/Medizinische Chemie, Uni Greifswald: „Durch den Neubau verbessert sich vor allem die Arbeitssicherheit im Routinebetrieb.“
Prof. Dr. Andreas Link, Arbeitskreisleiter Pharmazeutische/Medizinische Chemie, Uni Greifswald: „Durch den Neubau verbessert sich vor allem die Arbeitssicherheit im Routinebetrieb.“
(Bild: Universität Greifswald)

LABORPRAXIS:Herr Prof. Link, im neuen Labor- und Praktikumsgebäude für Pharmazie und Biologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald sollen sich die Forschungs- und Lehrbedingungen deutlich verbessern. Welche Änderungen wurden durchgeführt? Welche Vorteile bietet der Neubau?

Prof. Andreas Link: Mit dem Neubau endet für die Mitarbeiter mehrerer Arbeitsgruppen die räumliche Enge, unter der sie in den vergangenen Jahren arbeiten mussten und die örtliche Zersplitterung der Dienst-, Lehr- und Forschungsräume. Betroffen war davon vor allem das Institut für Pharmazie. Durch den Umzug der Arbeitsgruppe Mikrobielle Ökologie konnten Labore auf der Insel Hiddensee aufgegeben werden. Sie entsprachen nicht mehr den sicherheitstechnischen Standards. Nun sind auch alle Arbeitsgruppen des Instituts für Mikrobiologie an einem Standort in Greifswald. In dem rund 16 Millionen Euro teuren Neubau gibt es drei Praktikumssäle, einen Seminarraum und 83 Labor- und Serviceräume. Es profitieren also Lehre und Forschung gleichermaßen von dem Gebäude.

LABORPRAXIS:Bitte gehen Sie genauer auf die Sicherheitsanforderungen ein, die mit dem neuen Gebäude umgesetzt wurden.

Prof. Link: Grundsätzlich wurden nun alle Basis-Sicherheitsanforderungen an Fluchtwege, Brandschutz und die Installationen für den Umgang mit Gefahrstoffen an die aktuellen Anforderungen angepasst, was im Altbau aus den 1950er-Jahren nicht realisierbar gewesen wäre. Beispielsweise gibt es selbstschließende Stahl-Brandschutztüren, Sprinkleranlagen und unabhängige Fluchtwege über rauchgeschützte Treppenhäuser sowie über das Dach und eine Glasbrücke zu den Nachbargebäuden. Neben diesen Brand- und Großunfallschutzmaßnahmen gibt es auch entscheidende Verbesserungen der Arbeitssicherheit im Routinebetrieb. Die neuen Abzüge schließen selbsttätig und erhöhen die Sicherheit, speziell in studentischen Praktika. Auch der Umgang mit Gasen ist leichter und sicherer geworden. Im Altbau mussten Kaltgasbehälter über Rampen und Stufen zur Befüllung an supraleitende Magneten gebracht werden; im Neubau ist dies stufenlos, also barrierefrei möglich. Früher mussten stählerne Gasflaschen immer wieder durch Treppenhäuser getragen werden. Jetzt gibt es für wiederholt genutzte Gase gemeinsame Vorratsflaschen in Sicherheitsschränken, die von außerhalb des Hauses gewartet und gewechselt werden können.

LABORPRAXIS:Gibt es auch Auswirkungen auf die Bedienung von Analysengeräten?

Prof. Link: Die gibt es definitiv, ein Beispiel: Vor dem Umzug mussten die Operatoren von Forschungsgroßgeräten wie einem Ion-Trap-Time-of-Flight-LC-MS-System in einem Raum direkt an dem Gerät arbeiten. Durch die Turbomolekularpumpen kam es dabei zu Vibrationen und die Schallbelästigung lag bei 70 dB; das war nur mit Gehörschutz zu ertragen. Lärm erzeugten früher auch Stickstoffgeneratoren mit eingebauten Kompressoren. Nun gibt es leistungsfähige Stickstoffgeneratoren, die den Stickstoff praktisch geräuschlos aus Druckluft in einem Technikgeschoss auf dem Dach erzeugen. Im bisherigen NMR-Labor arbeiteten Mitarbeiter in einem Raum, in dem sich große Mengen verflüssigten Heliums und Stickstoffs befanden. Im Neubau gibt es in der Medizinischen Chemie einen schallgeschützten Bedienraum zwischen den Großgerätelabors für LC-MS- und NMR-Spektroskopie, von dem aus die Mitarbeiter die Geräte durch Glasfenster überwachen und über LAN bedienen können, ohne Gehörschutz zu tragen oder permanent in einem Raum mit Gefahrstoffen arbeiten zu müssen. Zusätzlich sind die neuen Räume gut klimatisiert, mit Schallschutzpanelen an den Wänden und einer Warnanlage für den plötzlichen Abfall des Sauerstoffgehalts ausgestattet. Außerdem ist im neuen NMR-Labor nun ein ständiger Luftwechsel gewährleistet.

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