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Statistik zur Karriere mit Doktorgrad Lohnt die Promotion?

Redakteur: Christian Lüttmann

Welchen Unterschied macht eine Promotion beim Gehalt? Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit von Promovierten? Und wie verhält es sich im Speziellen mit einer Promotion in den Naturwissenschaften? Antworten finden sich in einer Begleitstudie zum „Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs“.

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Wie gehts weiter nach der Promotion? Dazu wurden im „Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs“ Daten aus verschiedenen Statistiken ausgewertet (Symbolbild).
Wie gehts weiter nach der Promotion? Dazu wurden im „Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs“ Daten aus verschiedenen Statistiken ausgewertet (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei, MD Duran / Unsplash)

Hannover – Lohnt sich eine Promotion nach dem Studium? Diese Frage soll der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2021 klären, in dem Karriereentscheidungen und -verläufe Promovierter vor, während und nach der Promotion in Deutschland erfasst werden. Dazu hat das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) eine Begleitstudie beigesteuert, die nun vorgestellt wurde. Die Daten beziehen sich überwiegend auf Angaben der Absolventen der Prüfungsjahre 2005 und 2009 (s. Ergänzendes zum Thema, unten).

„Die Ergebnisse deuten an, dass für Promovierte häufig das Jahr ihres Abschlusses und die Zeit unmittelbar danach mit einer Vielzahl von beruflichen Veränderungen verbunden ist“, sagt Johannes König, Wissenschaftler am International Centre for Higher Education Research (Incher). „Zwar wechseln viele Promovierte in dieser Zeit von einer Teilzeit- auf eine Vollzeitstelle und erzielen deutliche Einkommenszuwächse, diese Änderungen sind jedoch oft auch mit einer sektoralen Neuorientierung hin zur Privatwirtschaft verbunden“, kommentiert König.

Doch wer promoviert überhaupt? In Deutschland lag die Quote der Promotionsaufnahme fächerübergreifend bei 34%. Dies gilt für die zuletzt ausgewerteten Daten aus 2009. Dabei war der geringste Anteil an Promotionsaufnahmen in den Kunst- und Kulturwissenschaften (6%) und der höchste in der Humanmedizin (84%) zu verzeichnen. Die zweithöchste Quote der Promotionsaufnahme gibt es in den Naturwissenschaften (52%). Dort ist der Anteil seit 1997 von 35% immer weiter angestiegen.

Nur jeder fünfte bis sechste bleibt in der Forschung

Viele Promovierte sind nach der Promotion außerhalb von Hochschule und Forschung beschäftigt. Insgesamt nur jeder fünfte bis sechste Promovierte arbeitet langfristig im Wissenschaftssystem. „Eine Promotion ist somit nicht nur ein Wegbereiter für eine Hochschulkarriere, sondern bietet auch gute Beschäftigungsaussichten in anderen Bereichen“, sagt Kolja Briedis, Projektleiter am DZHW.

Ob Promovierte dauerhaft im Wissenschaftssystem bleiben, hängt sowohl vom Promotionsfach als auch von den Rahmenbedingungen während der Promotion ab. Für Promovierte, die eine Promotionsstelle als wissenschaftliche Mitarbeiter*innen hatten, ist es wahrscheinlicher, dass sie auch später in Hochschule und Forschungseinrichtungen arbeiten, als für solche, die mithilfe eines Stipendiums oder ohne engere Anbindung an die Hochschule promoviert haben – z.B. nebenberuflich. „Promovierte mit einer besseren Promotionsnote verbleiben ebenfalls häufiger im Wissenschaftssystem. Darüber hinaus lässt sich ein positiver Zusammenhang zwischen der Teilnahme an Konferenzen und Tagungen und dem Verbleib im Wissenschaftssystem finden“, erläutert Briedis.

Naturwissenschaftler bleiben öfter der Forschung treu

Bei diesen Trends ist es wenig verwunderlich, dass gerade in den Naturwissenschaften der Anteil derer, die auch nach der Promotion in der Forschung weiterarbeiten, vergleichsweise hoch ist: Ein Jahr nach der Promotion arbeiten noch etwas mehr als die Hälfte (52%) der promovierten Naturwissenschaftler*innen im akademischen Bereich. Bei allen Promovierenden in Deutschland bleiben im ersten Jahr nach der Promotion rund 30% im akademischen Sektor.

Dieser Anteil sinkt in den Folgejahren und beträgt zehn Jahre nach Abschluss nur noch etwa 20% bei allen Promovierten bzw. 35% innerhalb der Naturwissenschaften. Dort ist dann wie bei den übrigen Fächern die Privatwirtschaft der wichtigste Zielsektor, hier mit einem Beschäftigtenanteil von 62%.

Bildergalerie

Promotion macht sich bezahlt – oder?

Nur ein bis zwei Prozent der Promovierten sind kurz nach dem Abschluss der Promotion arbeitslos, unabhängig von dem Studienfach. Die Arbeitslosigkeit bleibt auch in den erfassten zehn Folgejahren auf diesem niedrigen Niveau (vgl. Grafiken in der Bildergalerie). Zudem verdienen Promovierte im Durchschnitt deutlich mehr als nichtpromovierte Akademikerinnen und Akademiker. „Zehn Jahre nach dem Studienabschluss liegen die Unterschiede in den Jahreseinkommen zwischen Promovierten und nichtpromovierten Akademikerinnen und Akademiker – je nach Fachrichtung und Beschäftigungssektor – zwischen 13.000 und über 20.000 Euro. Außerdem erreichen Promovierte auch häufiger Leitungspositionen als Nichtpromovierte“, sagt DZHW-Forscherin Briedis.

Besonders lukrativ ist der Doktortitel in den Ingenieurswissenschaften und Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Hier macht die Promotion schon nach fünf Jahren mehr als 10.000 € Unterschied im Bruttojahresgehalt aus. Bei den Naturwissenschaften ist der finanzielle Vorteil durch eine Promotion hingegen gering: Fünf Jahre nach Abschluss liegt das Bruttojahresgehalt hier lediglich 500 € über dem von nicht-promovierten Akademikerinnen und Akademikern.

Das zu erwartende Gehalt im Promotionsjahr (Bruttojahresmedianentgelt) beläuft sich über alle Studiengänge gemittelt auf 46.000 €, wobei Männer im Schnitt gut 4.000 € mehr verdienen als Frauen. Das höchste Einkommen findet sich in der Humanmedizin (48.400 €) und den Ingenieurswissenschaften (47.300 €). Die geringsten Entgelte bekommt man in den Naturwissenschaften (41.100 €). Dies geht aus den Daten zum Promotionsjahr 2005 hervor.

Ergänzendes zum Thema
Warum Promotionen aus den Jahren 2005 und 2009 betrachtet wurden

Ziel der Untersuchung war es, Karriereverläufe von Promovierten über fünf oder zehn Jahre nach Abschluss abzubilden. Dementsprechend musste man auf Promotionsjahrgänge in der Vergangenheit zurückgreifen. So lassen sich beispielsweise mit Absolventen, die im Jahr 2015 ihre Promotion abgeschlossen haben, noch keine Fragen beantworten, wie deren Karrieren fünf oder zehn 10 Jahre nach Abschluss aussehen. „Um die Karriereverläufe von Promovierten über einen möglichst langen Zeitraum abbilden zu können, haben wir uns daher z.B. in einem Teil der Studie dafür entschieden, die Kohorte 2005 bzw. 2009 genauer zu analysieren“, sagt Johannes König von der Universität Kassel, der die Studie mitgestaltet hat.

Die detaillierte Auswertung der Begleitstudie und des Bundesberichts Wissenschaftlicher Nachwuchs 2021 sind online frei verfügbar.

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