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Carbapenem-resistente Bakterien

Multiresistente Krankenhauskeime: Neues Testverfahren beschleunigt Diagnose

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Hat gemeinsam mit Kollegen ein Verfahren entwickelt, das dabei helfen soll, Patienten mit Infektionen durch Carbapenem-resistente Bakterien schneller und gezielter zu behandeln und die Ausbreitung der Erreger einzudämmen: Prof. Dr. med. Axel G. Hamprecht vom Universitätsklinikum Köln.
Hat gemeinsam mit Kollegen ein Verfahren entwickelt, das dabei helfen soll, Patienten mit Infektionen durch Carbapenem-resistente Bakterien schneller und gezielter zu behandeln und die Ausbreitung der Erreger einzudämmen: Prof. Dr. med. Axel G. Hamprecht vom Universitätsklinikum Köln. (Bild: Universitätsklinikum Köln)

Antibiotika-resistente Erreger sind bereits heute ein globales Problem. Tendenz steigend. Nun haben Forscher ein neues Testverfahren entwickelt, das Ärzten bei der Behandlung infizierter Patienten verschafft, was dabei kritisch ist: Zeit. Mit dem Test lassen sich Erreger, die gegen wichtige Reserveantibiotika aus der Klasse der Carbapeneme resistent sind, innerhalb von Minuten bestimmen.

LP: Als Patient im Krankenhaus hofft man auf kompetente Hilfe und baldige Genesung. Leider kann man sich dort aber manchmal auch mit so genannten Krankenhauskeimen infizieren, die aufgrund ihrer Multiresistenz mit üblichen Antibiotika zunehmend schwieriger behandelt werden können. Wie erfolgt derzeit der Nachweis dieser Erreger?

Prof. Dr. med. Axel G. Hamprecht: Der Nachweis von multiresistenten Erregern erfolgt überwiegend mit kulturellen Methoden, d.h. aus klinischen Proben (i.d.R. Abstriche) werden die Erreger mittels selektiver Agarmedien angezüchtet. Hiermit kann man gezielt nach Problemkeimen wie MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) oder MRGN (multi-resistente Gram-negative Bakterien) suchen. Sofern auf den Selektivmedien dann ein verdächtiger Keim wächst, wird dieser auf Resistenzen getestet. Wenn besondere Resistenzen nachgewiesen werden (z.B. gegen Reserveantibiotika wie die Carbapeneme), erfolgen weitere Testungen. Bei besonderen Erregern (z.B. Carbapenem-resistente Enterobakterien, die problematischsten MRGN) versucht man meist zusätzlich noch den Mechanismus nachzuweisen, welcher für die Resistenz verantwortlich ist. Dies kann einen wesentlichen Unterschied darstellen zum einen bei der Behandlung des Patienten, aber auch für die Einleitung spezieller hygienischer Maßnahmen.

LP: Eine schnelle Diagnostik ist essenziell, um infizierte Patienten effektiver zu therapieren und zudem die Ausbreitung der Erreger einzudämmen. Herr Prof. Hamprecht, Sie haben ein neuartiges immunochromatographisches Verfahren entwickelt, um Bakterien, die gegen die Antibiotikagruppe der Carbapeneme – wichtige Reserveantibiotika – resistent sind, schneller zu detektieren. Wie schaut dieser Test aus, und welche Vorteile bietet er?

Prof. Dr. Hamprecht: Es handelt sich hier um einen immunochromatographischen Lateral Flow Test, ähnlich einem Schwangerschaftstest. Es werden hierbei Antigene mittels monoklonaler Antikörper nachgewiesen. Bei dem von uns verwendeten Test werden die Enzyme detektiert, welche Carbapenem-Antibiotika inaktivieren. Diese Enzyme werden auch als Carbapenemasen bezeichnet.

Der Test wurde nicht von uns, sondern von einer belgischen Biotech-Firma entwickelt zum Nachweis von Carbapenemasen aus Bakterienkulturen von Agarplatten.

Ergänzendes zum Thema
 
Zur Person: Prof. Dr. med. Axel G.Hamprecht

Wir haben basierend auf diesem Test ein Verfahren entwickelt, mit dem Carbapenemasen bei Blutstrom­infektionen, also sehr schweren Infektionen, direkt aus Blutkulturen bestimmt werden können, d.h. ohne die zeitaufwändige Kultivierung auf Agarplatten. Dadurch kann wertvolle Zeit gespart werden, um den Patienten schon frühzeitig die richtigen Antibiotika verabreichen zu können. Der Test ist sehr einfach und kann in jedem klinisch-mikrobiologischen Labor durchgeführt werden. Zudem ist sowohl die Zeit bis zum Ergebnis (20 bis 45 Minuten), als auch die hands-on time für das Laborpersonal sehr kurz, was für die Durchführung im Routinelabor sehr wichtig ist.

Als Alternativen stehen derzeit molekularbiologische Verfahren (PCR) zur Verfügung, jedoch dauert hier die Durchführung länger und ist schwieriger und es ist eine entsprechende apparative und personelle Ausstattung erforderlich. Die immunochromatographischen Tests lassen sich hingegen sehr viel einfacher in jedem mikrobiologischen Labor durchführen und es ist keine spezielle Ausrüstung und kein langwieriges Training notwendig.

LP: Wann erwarten Sie den klinischen Einsatz Ihres Verfahren ?

Prof. Dr. Hamprecht: Der Test kann schon derzeit in der Praxis angewendet werden, idealerweise sollten aber noch weitere prospektive Studien durchgeführt werden. Der Test bietet sich vor allem an für Länder, bei denen Carbapenemase-bildende Bakterien häufig vorkommen, z.B. in Griechenland, Italien oder Indien. Bei uns sind diese Erreger zum Glück noch ziemlich selten, sodass es nicht sinnvoll ist, diesen Test bei allen Patienten anzuwenden. Er sollte vielmehr in erster Linie bei Patienten angewendet werden, die aus Risikoländern kommen oder bei denen ein derartiger Erreger schon einmal nachgewiesen wurde.

Herr Prof. Hamprecht, vielen Dank für das Gespräch.

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