Forschung ist oft teuer und energieintensiv. Als Anreiz, um sowohl Kosten als auch CO2-Emissionen zu senken, gibt es das Leaf-Zertifikatsprogramm. Was sich mit Maßnahmen zu mehr Nachhaltigkeit erreichen lässt, zeigen einige Arbeitsgruppen am Institute of Science and Technology Austria.
Labore sind voller energieintensiver High-Tech-Maschinen, Gefrierschränke und vielem mehr. Das Leaf-Zertifikat hilft, die Nachhaltigkeit in Laboren zu verbessern.
(Bild: Nadine Poncioni/ISTA)
Sterile Arbeitsplätze mit Abzugshauben, Tiefkühlgeräte, die extrem niedrige Temperaturen erzeugen, mit Lasern ausgestattete Mikroskope – all dieses High-Tech-Equipment hilft Forschern dabei, grundlegende wissenschaftliche Fragen zu beantworten. Es ist aber auch mit hohen Kosten verbunden. Im Vergleich zu normalen Büros verbrauchen Labore schätzungsweise drei bis zehn Mal mehr Energie und sind für zwei Prozent des weltweiten Kunststoffabfalls verantwortlich.
Ansporn für grünere Labore
Um dieses Problem anzugehen, wurde das Laboratory Efficiency Assessment Framework, kurz „Leaf“, ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um einen Leitfaden des University College London (UCL), der darauf abzielt Nachhaltigkeit und Effizienz in Laboren zu verbessern. Durch die Teilnahme am LEAF-Programm erhalten Forschende Zugang zu umfassenden Toolkits, Online-Rechnern zur Messung der finanziellen und ökologischen Auswirkungen, zu Ressourcen sowie Schulungen.
Bevor Leaf der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, testete das UCL die Evaluierung mit 235 teilnehmenden Laboren aus 23 verschiedenen Universitäten und Forschungsinstituten über einen Zeitraum von zwei Jahren (2018 bis 2020). Das Ergebnis: im Durchschnitt sparten die teilnehmenden Labore jeweils 3.700 £, ca. 4.450 €, pro Jahr. Zudem waren die Emissionen erheblich reduziert: Die Labore sparten im Mittel um 28 Tonnen CO2. Das ist etwa so viel CO2-Ausstoß, wie 20 Mittelklassewagen im Jahr verursachen.
Inzwischen ist das Projekt voll im Gange, und die teilnehmenden Labore können je nach den von ihnen durchgeführten Maßnahmen verschiedene Stufen erreichen – Bronze, Silber oder Gold.
Der Nachhaltigkeitscheck in der Praxis
2024 startete das Leaf-Projekt auch am Institute of Science and Technology Austria (Ista). Von Mai bis Oktober nahmen elf Forschungsgruppen teil und wurden mit dem Bronzestatus ausgezeichnet. Nach diesem ersten Schritt werden die Ergebnisse jetzt vom Sustainability Office am Ista ausgewertet.
„Das Leaf-Projekt unterstreicht nicht nur das Engagement des Ista für Nachhaltigkeit, sondern bezieht auch die Forschungsgemeinschaft aktiv in die Einführung und Diskussion nachhaltiger Praktiken ein“, sagt Sustainability Manager Jeroen Dobbelaere.
Wie bewerten die teilnehmenden Arbeitsgruppen das Programm?
Julia Valentin, Research Technician in Stefan Freunbergers Labor, erklärt, warum ihre Forschungsgruppe am Leaf-Programm teilgenommen hat: „Wissenschaft wird nicht nur von Neugier und Wissensdrang angetrieben, sondern auch vom Wunsch eine nachhaltige Welt und Zukunft zu schaffen. Als Wissenschafter:innen stehen wir in der Verantwortung, unsere Ressourcen zu schonen und die Umwelt zu schützen, sowie Nachhaltigkeit zu fordern und zu fördern.“
Die Freunberger Gruppe am Ista forscht daran leistungsfähige Energiespeichersysteme ohne giftige Metalloxide zu entwickeln.
(Bild: ISTA)
Dieser Ansatz spiegelt sich auch in den Forschungsprojekten der Gruppe wider. So sind zum Beispiel die in der Batterieforschung und Batterieproduktion weit verbreiteten Metalloxide sowohl giftig als auch teuer. Als Alternative für eine nachhaltige Batterieentwicklung beschäftigt sich der Arbeitskreis daher mit Hauptgruppenelementen wie Sauerstoff, Schwefel, Kohlenstoff, Stickstoff und Wasserstoff, um leistungsfähige Energiespeichersysteme zu schaffen.
Auch das Labor von Sandra Siegert, welches die Interaktionen zwischen Neuronen und Mikroglia sowie die Folgen von Fehlfunktionen in diesem Zusammenspiel für Gesundheit und Krankheit untersucht, nahm am Leaf-Zertifikat teil. „Am Ista wurden durch die wissenschaftlichen Services bereits mehrere Methoden effektiv umgesetzt. So zum Beispiel die Reduzierung der Temperaturen von Gefrierschränken von -80 auf -70 °C oder die sorgfältige Trennung von Gefahrstoffen“, beschreibt Siegert. „Die Teilnahme an dem Programm war jedoch eine gute Möglichkeit, unsere aktuelle Leistung zu reflektieren, Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren und vor allem neue Teammitglieder für das Thema zu begeistern.“
2025 geht das Leaf-Projekt in die nächste Runde. „Wir wollen noch mehr Labore einbeziehen und unsere Informatik-Labore dazu inspirieren, das Green-DiSC-Tool der Universität Cambridge zu testen“, sagt Sustainability Manager Dobbelaere.
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