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„Plasmodien durchlaufen einen komplizierten Lebenszyklus und treffen auf verschiedene Wirtszellen, sei es im Blut, in der Leber oder auch im Mückendarm. Erstaunlicherweise nutzt der Parasit für den Befall und den Austritt aus diesen Zellen jeweils dieselben beiden Aspartat-Proteasen“, sagt Volker Heussler, Professor am Institut für Zellbiologie der Universität Bern und Co-Autor der Studie. „Indem wir den Parasiten in mehreren Stadien gleichzeitig angreifen können, hoffen wir nicht nur, die Infektion des Menschen bekämpfen zu können, sondern auch die Übertragung auf Moskitos zu blockieren, was für die Kontrolle der Krankheit unabdingbar ist.“
Ein schlagkräftiger Inhibitor ohne Resistenzbildung
Zu Hemmstoffen für andere Aspartat-Proteasen des Parasiten wurden bereits Studien durchgeführt. Dieser Weg wurde aber nicht weiterverfolgt, weil das therapeutische Potenzial zu gering war. Nach den heutigen Erkenntnissen des Teams um Dominique Soldati-Favre sind diese Inhibitoren aber plötzlich wieder interessant: „Tatsächlich fanden wir ein Molekül, das sehr effizient beide von uns identifizierten Parasitenproteasen hemmt“, sagt Mathieu Brochet, Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Genf. „Bei unseren Versuchen konnten wir keine Resistenzbildung der Parasiten gegen diese Proteaseinhibitoren feststellen“, fügt Dominique Soldati-Favre hinzu. „Damit umgehen wir womöglich eine der größten Herausforderungen im Kampf gegen die Malaria. Da der Inhibitor gleichzeitig zwei Enzyme hemmt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass beide gleichzeitig eine Resistenz entwickeln, statistisch gesehen extrem gering.“
Diese Forschungsergebnisse zeigen also eine Achillesferse von Plasmodien auf. Unterstützt durch die Carigest Stiftung, den Schweizer Nationalfonds und das biopharmazeutische Unternehmen Actelion, könnte damit ein Wendepunkt im Kampf gegen Malaria erreicht worden sein. Voraussetzung dafür ist laut den Forschenden, dass die Erkenntnisse dieser Studie in einem therapeutischen Ansatz umgesetzt werden, welcher an die am stärksten von Malaria betroffenen Länder angepasst ist.
Relevanz auch in der Bekämpfung anderer Parasiten
Die Ergebnisse sind auch für die generelle Parasitenbekämpfung relevant: Plasmodien gehören zum Stamm der Apicomplexa, die insgesamt ein großes Wirtsspektrum haben, einschließlich des Menschen und verschiedener Nutz- und Haustiere. Der in der Arbeit beschriebene Mechanismus scheint bei anderen pathogenen Apicomplexa-Parasiten ebenfalls wirksam zu sein, wie in einer Studie mit dem Erreger der Toxoplasmose, Toxoplasma gondii, gezeigt wurde.
Originalpublikationen:
Paco Pino, et al.: A multistage antimalarial targets the plasmepsins IX and X essential for invasion and egress. Science 2017, doi:10.1126/science.aaf8675
Sunil K Dogga, et al.: A druggable secretory protein maturase of Toxoplasma essential for invasion and egress. eLife 2017;6:e27480 doi: 10.7554/eLife.27480
(ID:44975427)

