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Bayer trennt sich von Material Science

Paukenschlag bei Bayer

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Der Chemiepark in Leverkusen ist Sitz des Bayer-Konzerns und Produktionsstandort.
Der Chemiepark in Leverkusen ist Sitz des Bayer-Konzerns und Produktionsstandort. (Bild: Bayer AG)

Bei Bayer geht eine Ära zu Ende. Der Konzern trennt sich von der Kunststoffsparte und will sich ausschließlich auf das umsatzstarke Geschäft mit Medikamenten und Pflanzenschutzmitteln konzentrieren. Was das bedeutet und welche Konsequenzen das für Material Science hat, erfahren Sie hier.

Leverkusen - Diese Nachricht hat es in sich: Bayer will die Kunststoffsparte als eigenständiges Unternehmen an die Börse bringen und in Zukunft auf Pharma und Pflanzenschutz setzen. Der Aufsichtsrat habe den Plänen des Vorstands am heutigen Donnerstag einstimmig zugestimmt, teilte das Unternehmen heute mit. Damit beendet Vorstandsvorsitzender Marijn Dekkers das Rätselraten um das Schicksal der Kunststoffsparte. Schon seit Jahren wird in Analystenkreisen immer mal wieder über einen Verkauf spekuliert. Zuletzt betrug der Anteil von Material Science am Bayerumsatz nur noch ein 30 Prozent, am EBITDA lag der Anteil nur noch bei 18 Prozent.

Für Bayer ist dieser Kurswechsel ein Schritt, der den Konzern wieder näher an die Ursprünge zurückführt. Schließlich rangierten die Leverkusener in ihren Glanzzeiten unter den Top Ten der Pharmabranche. Bis der Skandal um den Cholesterinsenker Lipobay vor rund zwölf Jahren, dem gerade gekürten Konzernchef Werner Werner Wenning so zu schaffen machte, das der Konzern auseinanderbrach und das gesamte Chemiegeschäft als Lanxess abgespalten wurde.

Dekkers hat die Pharmasparte durch Umstrukturierungen und Sparmaßnahmen auf Effizienz getrimmt, kurz nach seinem Amtsantritt mussten fast 4000 Mitarbeiter gehen. Jetzt steht die Pharmasparte seit dem Kauf von Schering wieder gut da, die erfolgreiche Markteinführung des Gerinnungshemmers Xarelto und der Krebsmittel Stivarga und Xofigo bescheren dem Konzern Kandidaten mit Blockbusterformat. Für die neueren Pharma-Produkte erwartet Bayer ein jährliches Spitzenumsatzpotenzial von insgesamt mindestens 7,5 Milliarden Euro. Auch der Kauf des OTC-Geschäfts von Merck & Co und weitere kleinere Zukäufe stärken die Marktaussichten weiter.

Bayer will mehr Geld in Forschung und Entwicklung stecken, gezielt die frühe Forschung an der Schnittstelle zwischen Health Care und Crop Science stärken und die erfolgreiche Vermarktung der neueren Pharma-Produkte weiter vorantreiben. Deshalb soll sich die Kunststoffsparte des Geld für künftige Investitionen an der Börse besorgen. Darüber hinaus könne Material Science als eigenständiges Unternehmen seine Organisations- und Prozess-Strukturen sowie die Unternehmenskultur auf das eigene Industrieumfeld und Geschäftsmodell hin ausrichten.So kann man es verklausuliert aus der Meldung herauslesen.

Beruhigung für die Mitarbeiter

Angesichts den nun angekündigten weitreichenden Schritts senden Konzernleitung und Arbeitnehmervertreter beruhigende Signale an die Mitarbeiter von Material Science. Betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland seien bis Ende 2020 ausgeschlossen, teilten beide in einer gemeinsamen Erklärung mit. Die Trennung von Material Science sei ein tiefgreifender Einschnitt. Mit dieser Vereinbarung sei es gelungen, eine gute Basis für die Zukunftssicherung der Arbeitsplätze in beiden Gesellschaften zu schaffen. Dies sei mit fünf Jahren die bisher längste Laufzeit einer Beschäftigungssicherungsvereinbarung, sagte Thomas de Win, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Bayer.

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