Nahrungsergänzungsmittel (Supplements) können mit Schadstoffrückständen belastet sein. US-amerikanische Applikationsexperten haben eine GC-MS/MS-Methode zum Nachweis einer Vielzahl persistenter organischer Verbindungen (POPs) in Nahrungsergänzungsmitteln entwickelt und in der Laborroutine etabliert.
Abb. 1: Nahrungsergänzungsmittel sind ein boomender Markt.
Das Deutsche Ärzteblatt berichtete am 4. April 2019 in seiner Onlineausgabe, dass der Umsatz von Apotheken mit Nahrungsergänzungsmitteln in den zurückliegenden fünf Jahren bis 2018 im Schnitt um sechs Prozent gewachsen sei, und zwar auf einen Wert von rund 2,1 Milliarden Euro [1]. Supplements sind ein boomender Markt. Die Verbraucherzentrale spricht von 6000 neuen Präparaten pro Jahr, Tendenz steigend. Bei dieser Fülle könnte man Gefahr laufen, den Überblick zu verlieren, auch darüber, welche Zusätze bei der Herstellung verarbeitet wurden; was, wenn pflanzenbasierte Rohstoffe versehentlich mit der Ernte eingefahrene natürlicherweise toxische Stoffe enthalten, Pyrrolizidinalkaloide etwa [2]?
Die Entwicklung neuer Supplements bedarf aus Konsumentensicht einer besonderen Kontrolle: Die Qualität von Nahrungsergänzungsmitteln ist sicherzustellen, nicht zuletzt, weil „Ärzte und Ernährungswissenschaftler i.A.die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln zur Unterstützung des Stoffwechsels und zur Verbesserung der Gesundheit empfehlen würden, ohne jedoch die darin enthaltenen Toxine zu berücksichtigen“, sind US-amerikanische Wissenschaftler vom Department of Chemistry and Biochemistry an der Duquesne University in Pittsburgh/USA überzeugt, und fokussieren dabei insbesondere auf langlebige organische Schadstoffe (Persistent Organic Pollutants, POPs).
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Derzeit gebe es allerdings keine Routinemethode für die Extraktion und quantitative Analyse von POPs in Nahrungsergänzungsmitteln, schreiben Hao et al. Diese Lücke zu schließen, haben sich die Forscher in Zusammenarbeit mit Applikationsexperten der in den USA beheimateten Firmen Gerstel, Inc. und Applied Isotope Technologies auf die Fahne geschrieben. Ihr Ziel war „die Entwicklung eines effektiven und effizienten Extraktions- und Analyseprotokolls für POPs in Nahrungsergänzungsmitteln, um die Produktqualität, die öffentliche Sicherheit und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sicherzustellen“ [3].
Bei der Isotopenverdünnungs-Massenspektrometrie (IDMS) handelt es sich um eine Quantifizierungsmethode, bei der die Probenmatrix mit einer bekannten Menge Isotopenanaloga der Zielanalyten versetzt wird. Das, respektive die resultierenden Verhältnisse Analyt zu Isotopenanalogon werden massenspektrometrisch ermittelt. Unter Verwendung dieses Verhältnisses wird die Konzentration des Analyten in der Probe berechnet [9].
Kein Medikament, sondern Lebensmittel
Zur größten Gruppe der Nahrungsergänzungsmittel gehören laut einer Studie der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität in Hannover und der Gesellschaft für Konsumforschung GfK Mineralstoffe und Vitamine [4]. Herz- und Kreislaufpräparate oder Mittel für die Blasen- und Darmgesundheit werden als Nahrungsergänzungsmittel angeboten, und auch solche, die der Schönheitspflege oder der Stärkung von Muskeln, Gelenken und Nerven dienen. Rechtlich betrachtet [5], handelt es sich bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht um Medikamente oder medizinische Erzeugnisse, sondern um Lebensmittel, gleichwohl in Supplements zunehmend auch Stoffe Anwendung finden, die bislang nur Arzneimitteln zugesetzt wurden und/oder bei denen Zweifel an ihrer Sicherheit bestehen, bemerkt die Verbraucherzentrale auf ihrer Homepage [6].
Weil Nahrungsergänzungsmittel keinem Zulassungsverfahren unterliegen und Festlegungen zu zugesetzten Stoffen und deren Höchstmengen in der Nahrungsergänzungsmittel-Verordnung [5] fehlen, obliegt den Landesüberwachungsbehörden die Verantwortung, die Einstufung der Produkte als Nahrungsergänzungsmittel sowie deren Wirksamkeit und Sicherheit in jedem Einzelfall zu bewerten sowie bestehende Mängel zu ahnden.
Das Problem langlebiger Chemikalien
Zur Wirk- und Inhaltsstoffkontrolle gesellt sich die Überwachung einer möglichen Schadstoffbelastung. Insbesondere Nahrungsergänzungsmittel natürlichen bzw. pflanzenbasierten Ursprungs können Chemikalienrückstände enthalten: Allein der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft kann zu einer potenziellen Belastung von Agrarerzeugnissen führen und damit auch von pflanzenbasierten Supplements; insbesondere, wenn Rohstoffe aus Ländern importiert werden, deren Normvorgaben nicht den hierzulande geforderten Ansprüchen genügen.
Ein besonderes Problem stellen persistente (langlebige) organische Schadstoffe (POPs) dar. Hierzu zählt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit eine Reihe von Pflanzenschutzmitteln wie Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT), Industriechemikalien wie polychlorierte Biphenyle (PCB) sowie die hochgiftigen Dioxine und Furane, die als unerwünschte Nebenprodukte in Produktions- und Verbrennungsprozessen entstehen. Alle diese Stoffe besäßen eine fatale Gemeinsamkeit: „Sie sind schwer abbaubar, reichern sich in der Nahrungskette an und haben unerwünschte Wirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt.“
Hinzu komme, dass sie über das Wasser oder die Luft weltweit verbreitet werden und zu einer zunehmenden Verschmutzung auch in wenig industrialisierten und besiedelten Gebieten führen. Das betreffe u.a. auch die kalten Polarregionen, wo Umweltproben und Lebensmittel deutlich höhere Konzentrationen dieser Chemikalien aufweisen“, heißt es auf der Homepage des Bundesministeriums [7].
Stand: 08.12.2025
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POPs in Supplements bestimmen
Der Eintrag von POPs in Lebens- sowie Nahrungsergänzungsmittel scheint somit unvermeidbar. Was bedeutet, dass sich eine Kontamination natürlicher Erzeugnisse mit POPs nicht verhindern lasse, wohl aber sei ihre Höhe zu messen sowie durch entsprechende Tests Grenzwerte für Maximalbelastungen zu definieren und deren Einhaltung zu kontrollieren, sind Experten überzeugt. In Ermangelung einer geeigneten Routinemethode zum Nachweis von POPs in Nahrungsergänzungsmitteln haben sich Hao et al. an die Methodenentwicklung gemacht.
Orientierung bot den US-Wissenschaftlern eine von ihnen in Kooperation mit Kollegen vom Department of Biological Chemistry der Johns Hopkins University in Baltimore sowie Applikationsexperten von Agilent Technologies, Gerstel und Applied Isotope Technologies etablierte Methode zur Quantifizierung von POPs in Humanblut [7]. Sie basiert auf der Extraktion der Zielanalyten mittels Stir Bar Sorptive Extraction (SBSE, Gerstel-Twister) gefolgt von der Thermodesorption sowie der anschließenden gaschromatographischen Trennung und Tandem-Isotopenverdünnungs-Massenspektrometrie (SBSE-TD-GC-MS-IDMS) der Analyten.