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Anpassung an den Klimawandel

Pilze geben Rückschlüsse auf den Klimawandel

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Koloniestrukturen unterscheiden sich erheblich

Obgleich die „Probanden“ mit bloßem Auge betrachtet noch fast identisch aussehen, unterscheidet sich die Struktur der Kolonien unter dem Mikroskop dann doch erheblich. „Kein Wunder, es liegen schließlich viele Millionen Jahre evolutionärer Geschichte zwischen ihnen. Sie sind sich jetzt noch so ähnlich wie zum Beispiel Schaf und Heuschrecke“, zieht der Biologe einen Vergleich.

Was für Ergebnisse erwartet er von den Versuchsreihen? „Die Umweltveränderungen werden sich nicht auf alle Pilze gleich auswirken. Zum einen unterscheiden sie sich erheblich in den Ansprüchen an ihre biotische und abiotische – also mineralische – Umwelt. Zum anderen haben sie unterschiedliche Temperaturmaxima, bei denen sie überhaupt nur wachsen können.“ Voraussichtlich würden sich Wachstumsrate und Erscheinungsbild mancher Art verändern und die eine oder andere Sorte werde wohl auf der Strecke bleiben, mutmaßt Rillig.

Abrupte Veränderungen führen zu neuen Genomvariationen

Ein zentrales Experiment soll zeigen, wie und in welchem Maße Veränderungen in der Physiologie der Pilze und der Zusammensetzung ihrer Lebensgemeinschaften sowie durch Mikroevolution stattfinden. Immer wieder werden die Forscher deshalb sterile Proben nehmen, um die Pilze biochemisch und genetisch zu untersuchen.

„Wir wissen, dass bei abrupten Umweltveränderungen keine Zeit für eine evolutionäre Anpassung bleibt. Es kann auch keine völlig neuen Variationen im Genom geben“, sagt Matthias Rillig. „Doch wandelt sich etwas allmählich, sind mehrere Generationen involviert. Dabei können sowohl einzelne Linien selektiert, als auch Gene durch Mutation verändert werden.“ Am Ende der Experimente wollen die Forscher dies durch Sequenzierung der vollständigen Pilzgenome herausfinden.

Rilligs Projekt habe auch eine politische Komponente, betonte einer der Gutachter des Forschungsantrages. Selbst wenn die Pilze gut klarkommen sollten, bedeute dies auf keinen Fall eine Entwarnung bezüglich des Klimawandels. In der Tat gibt es Hinweise darauf, dass manche Arten von den veränderten Bedingungen überraschend wenig beeinträchtigt werden, sogar regelrecht „aufblühen“. Manche Kieselalgen zum Beispiel schaffen es, dem saurer werdenden Meerwasser mehr Baumaterial für die Bildung von Kalkschalen zu entziehen als je zuvor.

Anderen Spezies allerdings, deren Lebensräume endgültig verschwinden, hilft das wenig. So wie dem Eisbären, dem die Eisschollen buchstäblich unter den Tatzen wegschmelzen. Fehlt der Kopf der Nahrungskette, verändert sich das gesamte Ökosystem. Sicher ist, dass es viele Tier- und Pflanzenspezies in Zukunft nicht mehr geben wird. Aber – und das ist die einzig gute Nachricht – allen Erdkrisen zum Trotz entstehen doch immer wieder neue Arten.

* C. Pietschmann, Freie Universität Berlin, 14195 Berlin

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