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Strahlenbelastung von Wildpilzen Radioaktive Wildpilze: Diese Arten sind noch am stärksten betroffen

Quelle: Pressemitteilung Bundesamt für Strahlenschutz 3 min Lesedauer

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Auch Jahrzehnte nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl sind im Süden Deutschlands Wildpilze noch mit radioaktivem Cäsium-137 belastet. Welche Pilzsorten unbedenklich sind und welche nicht zu viel gegessen werden sollten, untersucht regelmäßig das Bundesamt für Strahlenschutz.

Der Semmelstoppelpilz ist eine der stärker radioaktv belasteten Pilzsorten: rund 2.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse. (Bild:   / CC0)
Der Semmelstoppelpilz ist eine der stärker radioaktv belasteten Pilzsorten: rund 2.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse.
(Bild: / CC0)

Wildpilze können in Süddeutschland weiterhin den Grenzwert für radioaktives Cäsium überschreiten. Das zeigt der aktuelle Pilzbericht des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), für den die Behörde jährlich wildwachsende Speisepilze auf Cäsium-137 untersucht. Das Cäsium stammt hauptsächlich aus dem Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986. Ein geringer Anteil geht auf die oberirdischen Kernwaffentests der 1950er- und 1960er-Jahre zurück. Was müssen Pilzsammler beachten?

Grenzwerte im Handel, aber nicht im Wald

Für Pilze, die in den Handel kommen, gilt für die maximal erlaubte Strahlenbelastung ein Grenzwert von 600 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse. Bei selbstgesammelten Pilzen überprüft das natürlich niemand. Obwohl auch in den Jahren 2022 bis 2024 Pilze mit erhöhter Konzentration an radioaktivem Cäsium gefunden wurden, ordnet BfS-Präsidentin Inge Paulini die Gefahr für Verbraucher als sehr gering ein: „Weil alle Hauptnahrungsmittel nahezu unbelastet sind, erhöht es die eigene Strahlendosis nur geringfügig, wenn man gelegentlich Pilze mit höheren Cäsium-137-Werten isst.“ Entscheidend sei nicht der einzelne Pilz, sondern die Gesamtmenge an Cäsium-137, die man zu sich nehme.

Nichtsdestotrotz sei es wichtig, Transparenz zu schaffen und Interessierten die Grundlage für eine bewusste, informierte Entscheidung zur Verfügung zu stellen, betont Paulini. Der Pilzbericht (2025) des Bundesamtes für Strahlenschutz zeigt, welche Speisepilzarten noch heute hohe Cäsium-Werte aufweisen können und welche Regionen Deutschlands vom Reaktorunfall von Tschernobyl besonders betroffen sind.

Diese Speisepilzarten sind noch strahlenbelastet

Der Pilzbericht fasst die Untersuchungsergebnisse der Jahre 2022 bis 2024 zusammen. Als Ausschnitt ist in der Folgenden Tabelle gezeigt, welche Pilzfunde im Jahr 2024 den Grenzwert von 600 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse überschritten haben.

Radioaktivitätsgehalte von über 1.000 Becquerel pro Kilogramm wurden zudem in den Vorjahren bei folgenden Funden festgestellt (gelistet mit Probenjahr und Probenahmeort):

  • Elfenbeinschnecklinge (2022, Schneizlreuth/Oberjettenberg)
  • Seidige Ritterlinge (2023, Zwieseler Waldhaus / Nationalpark Bayerischer Wald)
  • Dickblättrige Schwärztäublinge (2023, Zwieseler Waldhaus /Nationalpark Bayerischer Wald)
  • Blassblaue Rötelritterlinge (2023, Schneizlreuth/Oberjettenberg )

Diese Pilzarten sind unbedenklich

Es gibt auch gute Nachrichten in dem Bericht des BfS: zahlreiche Pilzarten weisen kaum noch Strahlungswerte auf. Mit weniger als zehn Becquerel pro Kilogramm sehr gering belastet waren die Funde, die in der folgenden Tabelle für das Probejahr 2024 untersucht wurden:

Zuchtpilze wie Champignons und Austernseitlinge wurden für den Bericht nicht untersucht. Ihr Cäsium-137-Gehalt ist typischerweise äußerst gering und mit dem anderer landwirtschaftlicher Produkte vergleichbar.

Pilze mit hohem Cäsium-Gehalt meiden

Bodenkontamination mit Cäsium-137 im Jahr 1986 (Becquerel pro Quadratmeter)(Bild:  Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene)
Bodenkontamination mit Cäsium-137 im Jahr 1986 (Becquerel pro Quadratmeter)
(Bild: Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene)

Für die Strahlenbelastung des Menschen ist neben dem Cäsium-137-Gehalt der Pilze auch die verzehrte Menge entscheidend. Wenn wildwachsende Speisepilze in üblichen Mengen konsumiert werden, ist die zusätzliche Strahlenbelastung vergleichsweise gering und typischerweise unbedenklich.

Dennoch lohnt es sich laut BfS-Expertin Paulini, besonders hoch belastete Pilzarten zu meiden, wenn man regelmäßig selbst gesammelte Pilze isst: Ein Erwachsener, der jede Woche eine Mahlzeit aus 200 Gramm Maronenröhrlingen mit 1.400 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm verzehrt, erfährt eine zusätzliche jährliche Strahlendosis wie bei rund drei Flügen von Frankfurt am Main nach New York. In Zahlen ausgedrückt sind das 0,18 Millisievert.* Zum Vergleich: die durchschnittliche Strahlenexposition aus natürlichen Quellen in Deutschland während eines Jahres beträgt 2,1 mSv, also mehr als das Zehnfache.

*Als Faustregel gilt, dass die Aufnahme von 80.000 Bq Cs-137 mit Lebensmitteln bei Erwachsenen einer Strahlenexposition von etwa 1 Millisievert (mSv) entspricht.

Verzehr-Empfehlung

Neben Cäsium können Wildpilze allerdings auch Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium anreichern. Daher die Empfehlung des Bundesamtes für Strahlenschutz: Wer regelmäßig Wildpilze verzehrt, sollte generell nicht mehr als 200 bis 250 Gramm Wildpilze pro Woche zu sich nehmen – selbst bei einer großen Ausbeute im bayerischen Unterholz.

Originalveröffentlichung

Eva Kabai, Alexander Hamer, Martin Steiner: Radioaktive Kontamination von Speisepilzen , (Stand: 2025, Messwerte 2022 bis 2024), Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), 5-Sep-2025; urn:nbn:de:0221-2025090154450

(ID:50541455)

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