English China

Kunststoffabfall im Labor verringern
Reduce, Reuse, Recycle: die besten Strategien gegen Plastikmüll

Ein Gastbeitrag von Dr. Kerstin Hermuth-Kleinschmidt, Gründerin und Inhaberin der NIUB-Nachhaltigkeitsberatung 9 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Kunststoffe finden sich in jedem Labor – und tonnenweise im Laborabfall. Doch gibt es überhaupt eine Alternative zu Einweg-Pipettenspitzen und Co? Einige Studien sagen: Ja! Und zeigen, wie Ressourcen gespart und Abfallaufkommen minimiert werden.

Abb.1: Kunststoffabfälle aus dem Labor werden meistens verbrannt. Dabei können sie unter bestimmten Voraussetzungen recycelt und damit als wertvoller Rohstoff im Kreislauf gehalten werden (Symbolbild).(Bild:  ideogram.ai / KI-generiert)
Abb.1: Kunststoffabfälle aus dem Labor werden meistens verbrannt. Dabei können sie unter bestimmten Voraussetzungen recycelt und damit als wertvoller Rohstoff im Kreislauf gehalten werden (Symbolbild).
(Bild: ideogram.ai / KI-generiert)

Rund 5,5 Millionen Tonnen an Plastik – und damit knapp zwei Prozent des globalen Plastikabfalls – stammen laut einer 2014 veröffentlichten Schätzung von Urbina et al. aus den Life-Sciences-Laboren der ganzen Welt. [1] Diese Zahl hat es mittlerweile zu trauriger Berühmtheit geschafft und wird in vielen Vorträgen oder Workshops genannt, wenn es um die Verantwortung der Life Sciences geht, die Arbeit im Labor nachhaltiger zu gestalten. Seitdem haben zahlreiche Labore nach Ideen gesucht, wie sie es besser machen können. Mit „Ran an den Abfall – In 5 Schritten zu weniger Plastikmüll im Labor" gab es 2019 bereits einen LABORPRAXIS-Beitrag über erste Maßnahmen für weniger Plastik im Labor. [2] Seither hat sich einiges getan – höchste Zeit also für ein Update und ein paar Erkenntnisse aus den vergangenen Jahren.

Mehr Daten, mehr Handlungsspielraum

Sage und schreibe 116 kg, so viel Plastikabfall erzeugen Laborangestellte durchschnittlich pro Kopf und Jahr. Zu diesem Ergebnis kommen Weber et al. in ihrer Publikation, die in Zusammenarbeit mit Merck KGaA durchgeführt wurde. [3] Das ist immerhin neunmal weniger als Urbina et al. nennt. Er hatte die Abfallmenge an seinem Institut an der Universität Exeter auf 954 kg Plastikabfall pro Kopf geschätzt. Aber auch hier gilt: Jedes Labor ist anders. Bei der Arbeit mit Zell- und Gewebekulturen gibt es deutlich mehr Abfall und diese Labore kamen in der Studie von Weber et al. auf satte 237 kg Plastikabfall pro Jahr und Person, während bei Standardmethoden aus der Molekular- oder Mikrobiologie eher geringere Mengen anfallen. Das zeigt auch die Studie von Alves et al. [4], die den Plastikabfall in einem mikrobiologischen Labor mit sieben Angestellten auf 166 kg pro Person und Jahr ermittelt hat.