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Schlafstörung durch gestörten Eisenstoffwechsel

Restless Legs Syndrom: Wie Eisenmangel den Schlaf raubt

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Den Ursachen von RLS auf der Spur: v.l.: die Neurologin Birgit Högl, Erstautor David Haschka und Internist Günter Weiss.
Den Ursachen von RLS auf der Spur: v.l.: die Neurologin Birgit Högl, Erstautor David Haschka und Internist Günter Weiss. (Bild: MUI/D. Heidegger)

Ziehen, Spannen, Kribbeln, Schmerzen oder andere unangenehme Gefühle in den Beinen rauben Menschen mit so genanntem Restless Legs Syndrom häufig den Schlaf. Die in Momenten der Ruhe ständig unruhigen Beine und der damit einhergehende Bewegungsdrang können für die Betroffenen sehr quälend sein. Nun hat ein interdisziplinäres Forscherteam in einem spezifischen Eisenmangel eine neue Ursache für die Erkrankung gefunden. Mit dieser Erkenntnis könnte sich RLS künftig gezielter behandeln lassen.

Wien/Österreich – Wer am Restless Legs Syndrom (RLS) leidet – in Österreich sind das rund zehn Prozent der Bevölkerung– kommt im wahrsten Sinne des Wortes nicht zur Ruhe. Ein zunehmender und unkontrollierbarer Bewegungsdrang der Beine in Ruhelage raubt den Schlaf und mindert die Leistungsfähigkeit der Betroffenen.

Die Ursachen des Restless-Legs-Syndroms sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Gesichert ist die zentrale Rolle des Dopaminsystems. Der Nervenbotenstoff Dopamin bzw. seine Vorläufer L-Dopa und sog. Dopaminagonisten werden bereits therapeutisch eingesetzt, um spezifische RLS-Symptome wie Ziehen, Spannen, Kribbeln, Schmerzen oder andere als unangenehm empfundene Gefühle in Zuständen der Ruhe bzw. während des Schlafs und dem damit verbundenen Bewegungsdrang der Beine zu beseitigen.

Unruhige Beine durch gestörten Eisenstoffwechsel in den Mitochondrien

Ein interdisziplinäres Team um den Internisten Günter Weiss von der Medizin Uni Innsbruck (MUI) konnte nun erstmals jene pathophysiologischen Mechanismen entlarven, die dieser neurologischen Schlafstörung zugrunde liegen.

Die Innsbrucker ForscherInnen konnten in ihrer aktuell veröffentlichten Untersuchung erstmals eindrucksvoll belegen, dass eine durch Eisenmangel bedingte Fehlfunktion der Mitochondrien – die Energiekraftwerke der Zelle – der idiopathischen, also nicht mit anderen Erkrankungen zusammenhängenden Form des Restless Legs Syndroms zugrunde liegt. In Zusammenarbeit mit dem von Birgit Högl geleiteten Schlaflabor an der Univ.-Klinik für Neurologie wurde in den Immunzellen von 287 PatientInnen des Innsbrucker Schlaflabors – davon 168 RLS-PatientInnen – die für die Energiegewinnung notwendige Eisenverfügbarkeit untersucht.

Systemische Eisenmangelparameter unverändert

Eine durch Eisenmangel bedingte Fehlfunktion der Mitochondrien liegt dem Restless Legs Syndrom zugrunde.
Eine durch Eisenmangel bedingte Fehlfunktion der Mitochondrien liegt dem Restless Legs Syndrom zugrunde. (Bild: (c) MUI/F. Lechner)

„Der Vergleich systemischer Eisenmangelparameter wie Ferritin, Eisen oder Hämoglobin zeigte keine Unterschiede zwischen diesen Gruppen. In den Mitochondrien konnten wir jedoch feststellen, dass all jene Gene, die mit dem Eisenstoffwechsel in Zusammenhang stehen, herunter reguliert waren. Die Aktivität der Mitochondrien und deren Energieproduktion waren somit aufgrund des dort herrschenden Eisenmangels beeinträchtigt“, berichtet Weiss, der an der von ihm geführten Univ.-Klinik für Innere Medizin II auch das Christian Doppler-Labor für Eisenstoffwechsel und Anämieforschung leitet. Dass es sich bei der mitochondrialen Dysfunktion um keinen genetischen, sondern um einen funktionellen Defekt handelt, konnte von Florian Kronenberg, Leiter der Sektion für Genetische Epidemiologie der Medizin Uni Innsbruck, nachgewiesen werden. Die auf den drei Schwerpunkten Immunologie, Neurologie und Genetik basierende Forschungsarbeit wurde aus Mitteln des Tiroler Wissenschaftsfonds gefördert.

Möchten Sie mehr über den menschlichen Eisenstoffwechsel lernen? Dann schauen Sie sich dieses Video des Christian Doppler-Labors für Eisenstoffwechsel und Anämieforschung an:

Gezieltere Therapie der „unruhigen Beine“

„Eine weitere Erkenntnis unserer Untersuchungen zum Thema Eisenstoffwechsel und Dopamin ist, dass die Verabreichung dopaminerger Substanzen die Verfügbarkeit von Eisen in Zellen und damit die Funktion der Mitochondrien und deren Energieproduktion signifikant verbessert“, spricht Erstautor David Haschka die mit den neuen Erkenntnissen ermöglichte gezieltere Therapie von idiopathischen RLS-PatientInnen an. Weitere Untersuchungen des Innsbrucker Teams sollen klären, welche funktionellen Mechanismen zu einer verminderten mitochondrialen Eisenverfügbarkeit führen.

Interdisziplinäre RLS-Forschung

Zum besseren Verständnis der Pathophysiologie sowie zur Diagnostik und Therapie des RLS wird an der Medizinischen Universität Innsbruck seit vielen Jahren intensiv geforscht. Das seit 1995 an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurologie bestehende Schlaflabor unter der Leitung der Neurologin Birgit Högl, eines der modernsten Einrichtungen dieser Art in Europa, das 2014 als erstes Zentrum außerhalb der USA als Quality Care Center (QCC) ausgezeichnet wurde, konnte mit der Erforschung des RLS bereits international beachtete Akzente setzen. Mitbeteiligt an dieser Studie war auch Erich Gnaiger von der Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie, der sich seit vielen Jahren mit der Physiologie von Mitochondrien beschäftigt und auch spezielle Geräte entwickelt hat (Oxygraph-2k von der Tiroler Firma OROBOROS INSTRUMENTS GmbH), mit denen die Funktionalität und der Energiestoffwechsel von Mitochondrien in lebenden Zellen gemessen werden kann.

Originalpublikation: David Haschka et al. Association of mitochondrial iron deficiency and dysfunction with idiopathic restless legs syndrome; Movement Disorders; First published: 11 October 2018; https://doi.org/10.1002/mds.27482

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