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Umwelttechnik Schadstoffe im Wasser einfach binden

Autor / Redakteur: von Dr. Thomas Schiestel * / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Neuartige Membranadsorber entfernen nicht nur unerwünschte Partikel aus Wasser, sondern gleichzeitig gelöste Substanzen wie das hormonell wirkende Bisphenol A oder giftiges Blei.

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REM-Nahansicht: In der porösen Trägerstruktur der Membranadsorber sind winzige Polymerpartikel eingebettet, die Schadstoffe aus dem Wasser binden.
REM-Nahansicht: In der porösen Trägerstruktur der Membranadsorber sind winzige Polymerpartikel eingebettet, die Schadstoffe aus dem Wasser binden.
(Bild: Fraunhofer IGB)

Neuartige Membranadsorber entfernen nicht nur unerwünschte Partikel aus Wasser, sondern zugleich auch gelöste Substanzen wie Bisphenol A oder giftiges Blei. Dazu betten Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB selektive Adsorberpartikel in Filtrationsmembranen ein.

Erst im Januar 2015 hat die europäische Lebensmittelbehörde EFSA den Grenzwert für Bisphenol A in Verpackungen gesenkt. Die hormonell wirksame Massenchemikalie ist unter anderem ein Ausgangsstoff für Polycarbonate, aus denen etwa CDs, Plastikgeschirr oder Brillengläser hergestellt werden. Aufgrund seiner chemischen Struktur wird Bisphenol A in den biologischen Stufen der Kläranlagen nicht voll abgebaut und gelangt über den Ablauf der Kläranlage in Gewässer.

Um Chemikalien, Antibiotika oder Schwermetalle aus Ab- oder Prozesswasser zu entfernen, werden oft Aktivkohle oder andere Adsorbermaterialien eingesetzt. Ein Nachteil der hochporösen Materialien ist die lange Kontaktzeit, die nötig ist, damit Schadstoffe in das Poreninnere diffundieren können.

Damit auch in kürzerer Zeit möglichst alle Schadstoffe abgefangen werden, setzen die Kläranlagen daher größere Adsorbermengen ein, in entsprechend großen Behandlungsbecken. Aktivkohle kann allerdings nur unter hohem Energieeinsatz regeneriert werden, sodass zumeist große Mengen schadstoffbeladenen Materials entsorgt werden müssen.

Auch die Membranfiltration mit Nanofiltrations- oder Umkehrosmosemembranen, die prinzipiell solche Schadstoffe entfernen können, ist für die Entfernung gelöster Moleküle aus großen Volumenströmen wie Prozess- oder Abwasser noch nicht wirtschaftlich. Membranen filtern das Wasser durch ihre Poren, wenn auf einer Seite der Membran ein Druck aufgebaut wird und halten dabei größere Moleküle und Feststoffpartikel zurück. Je kleiner die Membranporen aber sind, desto größeren Druck – und damit desto mehr Energie – muss man aufwenden, um die Wasserinhaltsstoffe abzutrennen.

Membranadsorber – Filtern und Binden in einem Schritt

Einen neuen Ansatz, der die Vorteile beider Verfahren kombiniert, haben Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart gewählt: Bei der Herstellung der Membranen fügen sie kleine, polymere Adsorberpartikel hinzu. Als Adsorption bezeichnet man die Anreicherung von Stoffen aus Gasen oder Flüssigkeiten an der Oberfläche eines Festkörpers, allgemeiner an der Grenzfläche zwischen zwei Phasen. Davon unterscheidet sich die Absorption, bei der die Stoffe in das Innere eines Festkörpers oder einer Flüssigkeit eindringen. Die nach dem Verfahren der Wissenschaftler des Fraunhofer IGB entstehenden Membranadsorber sind demnach in der Lage, zusätzlich zu ihrer Filtrationsfunktion in Wasser gelöste Stoffe adsorptiv binden.

Modell einer Adsorption: Moleküle werden an der Oberfläche einer Struktur gebunden und können effizient einzeln separiert werden.
Modell einer Adsorption: Moleküle werden an der Oberfläche einer Struktur gebunden und können effizient einzeln separiert werden.
(Bild: VBM-Archiv)

"Wir nutzen die unter der Trennschicht der Membran liegende poröse Struktur. Die Poren bieten nicht nur eine sehr hohe spezifische Oberfläche, um möglichst viele Partikel einbetten zu können, sondern sind auch optimal zugänglich", erklärt Dr. Thomas Schiestel, Leiter der Arbeitsgruppe "Anorganische Grenzflächen und Membranen" am Fraunhofer IGB.

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