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Klimawandel lässt Schadinsekten neues Terrain erschließen

Schädlingsvorhersage für Europa

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Apfelfruchtfliege auf Nordkurs?

Die Apfelfruchtfliege ist noch nicht in Europa aufgetaucht, könnte sich aber bis 2060 weit nach Norden ausbreiten.
Die Apfelfruchtfliege ist noch nicht in Europa aufgetaucht, könnte sich aber bis 2060 weit nach Norden ausbreiten.
(Bild: female apple maggot (R. pomonella) / female apple maggot (R. pomonella) / Joseph Berger / CC BY 3.0 / BY 3.0)

Obwohl der ETH-Doktorand noch am Anfang seiner Arbeit steht, kann er ein Beispiel präsentieren: die Apfelfruchtfliege (Rhagoletis pomonella). Sie kommt derzeit nur in Nordamerika und Mexiko in Apfelanbaugebieten vor. In Europa ist sie noch nicht nachgewiesen. Grünig hat für diese Art modelliert, wo sie in Europa im Jahr 2020 passenden Lebensraum vorfinden würde. Die Verbreitungskarte des potenziellen Vorkommens zeigt, dass vor allem Süd- und Mitteleuropa geeignete Lebensbedingungen bieten würden. Nordeuropa und die britischen Inseln wären für die Fruchtfliege nicht oder nur sehr dünn besiedelbar.

Die hypothetische heutige und zukünftige Verbreitung der Apfelfruchtfliege bei steigenden Durchschnittstemperaturen.
Die hypothetische heutige und zukünftige Verbreitung der Apfelfruchtfliege bei steigenden Durchschnittstemperaturen.
(Bild: ETH Zürich)

Im Jahr 2060 unter Annahme fortschreitender Klimaerwärmung könnte das Insekt aber weit im Norden Europas geeignete Lebensbedingungen antreffen. Südliche Gefilde um das Mittelmeer könnten für die Apfelfruchtfliege hingegen zu heiß und zu trocken geworden sein. Es gäbe dort aus klimatischen Gründen auch ihre Wirtspflanze, den Apfelbaum, nicht mehr.

Wie ein Wetterbericht für Insektenplagen

Basis von Grünigs Modellen sind Daten aus verschiedenen Klimaszenarien und solche über das momentane Vorkommen der Schadinsekten respektive ihrer Wirtspflanzen. Mit diesen Daten werden die klimatischen Bedingungen im aktuellen Verbreitungsgebiet modelliert und anschließend auf verschiedene Klimaszenarien projiziert. Einen großen Einfluss auf die Verbreitung eines Insekts haben Temperatur und Niederschläge. „Bei Insekten ist die Wärmesumme einer der wichtigsten Faktoren, der bestimmt, wo eine Art vorkommen kann und wo nicht“, sagt Grünig. Ebenso einflussreich seien die minimalen Temperaturen, bei denen eine Insektenart überlebensfähig ist.

Das LABORPRAXIS-Klimadossier In unserem Dossier „Klimaforschung“ finden Sie weitere aktuelle Forschungsprojekte und -ergebnisse rund um das Klima.

Die Verbreitungsszenarien sollen unter anderem als Basis für praktische Anwendungen dienen. Die Forscher arbeiten eng mit den in der landwirtschaftlichen Forschung tätigen Institutionen, Beratungsstellen und Behörden zusammen. Die Szenarien können landwirtschaftliche Versuchsanstalten dabei unterstützen, Abwehrmaßnahmen gegen neu auftretende Schadinsekten zu entwickeln, zum Beispiel indem sich Forschende Informationen über die Bekämpfung in den Ländern beschaffen, wo das Schadinsekt schon „aktenkundig“ ist. „Möglicherweise werden wir am Ende eine App bereitstellen, die wie ein Wetterbericht eine Schädlingsprognose macht und den Bauern hilft, sich rechtzeitig gegen anrückende Insekten zu schützen“, sagt Pellissier

Besser gegen nicht heimische Schädlinge wappnen

„Bisher sind wir schlecht vorbereitet auf das, was auf uns zukommen kann“, meint der ETH-Professor. Da landwirtschaftliche Nutzpflanzen und Waldbäume besonders verletzlich sind, müsse sich die Land- und Forstwirtschaft gegen Klimarisiken wie einen höheren Schädlingsdruck wappnen, wie Pellisier betont. „Wir haben zwar probate Mittel gegen einheimische Schädlinge wie den Borkenkäfer. Aber wie wir mit einer Kirschessigfliege zurechtkommen können, müssen wir erst noch lernen.“

* P. Rüegg, ETH Zürich, 8092 Zürich/Schweiz

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