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Klimawandel lässt Schadinsekten neues Terrain erschließen

Schädlingsvorhersage für Europa

| Autor/ Redakteur: Peter Rüegg * / Christian Lüttmann

Sonnig mit Aussicht auf Fruchtfliegen – so lautet vereinfacht die Prognose von Züricher Forschern. Sie arbeiten daran, die Verbreitung von Schadinsekten in den kommenden Jahrzehnten abzuschätzen. Mit ihren Modellen wollen sie die deutsche Landwirtschaft gegen Schädling wappnen, die durch veränderte klimatische Bedingungen zukünftig Einzug halten werden.

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Die Apfelfruchtfliege ist noch nicht in Europa aufgetaucht, könnte sich aber bis 2060 weit nach Norden ausbreiten.
Die Apfelfruchtfliege ist noch nicht in Europa aufgetaucht, könnte sich aber bis 2060 weit nach Norden ausbreiten.
(Bild: female apple maggot (R. pomonella) / female apple maggot (R. pomonella) / Joseph Berger / CC BY 3.0 / BY 3.0)

Zürich/Schweiz – Bergblumen sind höher auf den Gipfeln zu finden, das Laub treibt früher im Jahr aus und die Gletscher schmelzen – Der Klimawandel hat viele Gesichter. Die veränderten klimatischen Bedingungen wirken sich auch auf das Vorkommen landwirtschaftlicher Schädlinge wie Bakterien, Viren, Pilze und Insekten aus.

Schon heute stehen Kulturpflanzen unter hohem Druck durch Schadorganismen, und mit der erwarteten weiteren Erwärmung dürfte sich die Situation noch verschlimmern. Viele Insekten sind beispielsweise in neue Territorien vorgedrungen, die bisher zu kalt für sie waren. Laufend siedeln sich in Europa und der Schweiz neue Arten an, die teilweise von anderen Kontinenten als blinde Passagiere eingeschleppt werden.

Das jüngste Beispiel ist die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). 2008 wurde die aus Südostasien stammende Fliege erstmals in Italien und Spanien gefunden, 2011 zum ersten Mal in der Schweiz. Mittlerweile ist sie bis nach Südschweden vorgedrungen und erobert den Balkan wie im Flug. An Beeren, Früchten und Trauben verursacht sie bereits große Schäden.

„Einreise“ von Schädlingen vorhersagen

Um vor bösen Überraschungen wie der Kirschessigfliege gewappnet zu sein, hat das Nationale Zentrum für Klimadienstleistungen (NCCS) finanzielle Mittel bereitgestellt, um die zukünftige Verbreitung solcher Schadinsekten zu untersuchen. Loïc Pellissier, Professor für Landschaftsökologie der ETH Zürich, und seine Gruppe erstellen nun mithilfe von Computersimulationen Szenarien zur Entwicklung und Verbreitung ausgewählter potenzieller Schadinsekten sowie von land- und forstwirtschaftlich wichtigen Pflanzen. Die Szenarien sollen als Basis dienen für die Planung von Schutzmaßnahmen für Kulturen und Wälder.

Pellissiers Doktorand Marc Grünig untersucht derzeit, ausgehend von bestehenden Klimaszenarien, die potenzielle künftige Verbreitung von 90 verschiedenen Schadinsektenarten. Die meisten davon sind in Europa bisher nicht nachgewiesen worden, könnten aber durchaus eingeschleppt werden. Die Grundlage für seine Auswahl liefert eine Liste der European and Mediterranean Plant Protection Organisation. Grenzkontrollen an europäischen Flughäfen und Häfen fangen bereits heute viele dieser Quarantäneschädlinge ab und zeigen damit auf, dass eine echte Invasionsgefahr besteht.

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