Anbieter zum Thema
Gefahr und Ausnahmetalent zugleich – Exophiala dermatitidis
Als besonders vielseitig unter den „Extrem-Liebhabern“ hat sich unter den hunderten von Pilz-Stämmen, die in Wien bis dato untersucht wurden, „Exophiala dermatitidis“ herausgestellt – eine sogenannte schwarze Hefe, die sich auf der ganzen Bandbreite von kalt bis warm bewegt und einfach alles aushält. „Die wächst auf dem Gletscher ebenso wie in der Sauna, leider auch in unseren Geschirrspülern. Und sie hat die unangenehme Eigenschaft, dass sie humanpathogen ist“, erklärt Katja Sterflinger. Das ist die negative Seite des Pilzes. Gleichzeitig hat er die positive Eigenschaft, Kohlenwasserstoffe, und damit Giftstoffe optimal abbauen zu können.
Deswegen haben die Mikrobiologen des „Extremophile Center“ in einem zweiten FWF-Projekt auf der Suche nach einem biologischen „Reinigungsmittel“ für Abgase und verseuchte Böden mehr als 200 schwarze Hefen gescreent. Mit dem Ergebnis, dass neben „Exophiala“ nur ein zweiter Pilz sehr gut darin ist, Umweltgifte abzubauen. Doch auch er ist nahe verwandt mit humanpathogenen Stämmen. Was den Plan, in Richtung Biofilter zu gehen, vorerst auf Eis gelegt hat.
Auch gesunde Menschen erkranken zunehmend
Stattdessen richten die Experten der Universität für Bodenkultur ihren Fokus nun verstärkt auf medizinische Fragestellungen und wollen die Moleküle des krank machenden „Exophiala dermatitidis“ weiter identifizieren. Denn der Pilz verursache nicht nur bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, sondern auch zunehmend bei durchschnittlich gesunden Menschen Infektionen, wie Sterflinger in Hinblick auf die Relevanz ihrer Forschung für die Medizin betont. Die ausgeprägte Stresstoleranz des Pilzes habe, so die Wissenschafterin, mit großer Wahrscheinlichkeit etwas mit seiner Pathogenität zu tun. „Darüber wissen wir aber noch zu wenig. Unser Ziel ist nun, mehr über die Virulenzfaktoren des Pilzes herauszufinden.“
Originalpublikationen:
[1] Blasi, B; Poyntner, C; Rudavsky, T; Prenafeta-Boldú, FX; Hoog, S; Tafer, H; Sterflinger, K: Pathogenic Yet Environmentally Friendly? Black Fungal Candidates for Bioremediation of Pollutants, in: Geomicrobiology Journal 2016; 33(3-4):308-317, http://doi.org/bsvk
[2] Blasi, B; Tafer, H; Tesei, D; Sterflinger, K: From Glacier to Sauna: RNA-Seq of the Human Pathogen Black Fungus Exophiala dermatitidis under Varying Temperature Conditions Exhibits Common and Novel Fungal Response, in: PLoS One. 2015; 10(6):e0127103, http://doi.org/f3s23b
[3] Tesei, D; Marzban, G; Marchetti-Deschmann, M; Tafer, H; Arcalis, E; Sterflinger, K: Proteome of tolerance fine-tuning in the human pathogen black yeast Exophiala dermatitidis, in: Journal of Proteomics. 2015; 128:39-57, http://doi.org/f3s229
[4] Zakharova, K; Tesei, D; Marzban, G; Dijksterhuis, J; Wyatt, T; Sterflinger, K: Microcolonial fungi on rocks: a life in constant drought?, in: Mycopathologia. 2013; 175(5-6):537-547, http://doi.org/f3skj9
(ID:44376725)

