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Wachsen, aber wie?

Shift happens! Zukunftsstrategien zwischen Digitalisierung, Start-Ups und Innovationssmanagement

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Gleichzeitig fordern die „jungen Wilden“ mit ihren Start-Ups selbstbewusst etablierte Geschäftsmodelle heraus. Zwar konzentrieren sich die meisten Neugründen auf digitale Lösungen und Apps, doch auch in Chemie und Pharma gehen erste Gründer an den Start. Und dann wäre da noch die Software-Riesen...

„30 Prozent der Deutschen müssen sich in Zukunft einen neuen Job suchen“, gibt sich Prof. Dr. Gunter Dueck provokant. Der Zukunftsdenker ist für steile Thesen („Der Prozess ist der Innovation ihr Tod“) bekannt – doch als ehemaliger Chief Technology Officer von IBM Deutschland, Mathematikprofessor a.D. und Querdenker im „Unruhestand“ (Dueck) weiß er, wovon er redet.

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Aus Duecks Sicht wird die Digitalisierung nicht nur den Arbeitsmarkt grundlegend verändern – auch die Unternehmen blieben nicht verschont. Herausforderung sei jetzt, den Wandel mitzugestalten, ohne den "genetischen Code" der Firma aufs Spiel zu setzen. Doch leider finde „Industrie 4.0 in den Köpfen vieler Entscheider erst in 40 Jahren statt“, so Dueck.

Eine Frage der Mentalität? Die Chemie und die Start-Ups

Die Chemie sei eher die Schweiz als das Silicon Valley – die These aus einer VCI-Studie mag für viele Entscheider immer noch gelten. Was möglich ist, zeigen Beispiele wie Polymaterials: Das Start-Up will sich als F&E-Dienstleister für die Polymerchemie positionieren. Wettbewerbsfähig, schnell und auf höchstem Niveau, wie CEO und Mitinhaber Dr. Jürgen Stebani betont. Der Gründer vergleicht sein Unternehmen mit einem „Schnellboot“, das flexibel auf individuelle Anforderungen eingehen könne.

Dabei sei in Sachen Zusammenarbeit zwischen David und Goliath noch Luft nach oben, so der Start-Up-Gründer. Die neuen Unternehmen wären nicht Teil der Prozesskette oder würden von den Entwicklungseinheiten der Konzerne als Konkurrenz begriffen. „Speed-ups können schneller Haken schlagen, weil der Abstimmungsbedarf geringer ist“, so Stebani. „Diesen Vorteil muss man nutzen.“

Lernen von Garagenfirmen: Ein Modell für die Chemie.Industrie?

Kann ein Start-Up ein Modell für eine etablierte Firma werden? Bei der Modernisierung des Traditionsstandorts Mannheim von Roche Diagnostics, war klar, dass Garagenfirmen nur begrenzt Vorbildfunktion haben. Den Herausforderungen begegneten die Schweizer mit Erneuerung, Rück- und Neubau, aber auch durch Konzentration auf die Kernkompetenzen Technologie und Automatisierung.

So habe man sich einen Vorsprung innerhalb des Unternehmens wie auch gegenüber der Konkurrenz erarbeitet, erklärt Werkleiter Martin Haag. Das bedeute aber auch, alte Zöpfe abzuschneiden: Die Chemie, einst Herzstück des Standorts, blieb dabei auf der Strecke. Gerade in solchen Umbrüchen werde das "Abholen" der Mitarbeiter zum Schlüssel für erfolgreiches Change-Management, so Haag.

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