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Milzbranderreger Spektroskopie-basierter Schnelltest auf Milzbranderreger

| Autor / Redakteur: Stephan Stöckel*, Susann Meisel*, Mandy Elschner**, Markus Lankers***, Petra Rösch* und Jürgen Popp*, **** / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Seit 2001 häufen sich Fälle vorgetäuschter Anschläge durch Drohbriefe mit undefinierbarem Pulverinhalt. Mittels der Raman-Mikrospektroskopie kann innerhalb weniger Stunden für Gewissheit gesorgt werden, ob gefährliche Milzbranderreger vorliegen oder nicht.

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(Bild: Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Durch die terroristischen Anschläge mit Milzbrandsporen im Herbst 2001 in den USA rückte die Bedrohung von Menschen mit biologischen Waffen in den Fokus der breiten Öffentlichkeit. Nicht zuletzt, da es weltweit, aber insbesondere in den USA und Europa, in der Folge eine Flut von vorgetäuschten Angriffen auf Regierungen, Behörden, Botschaften und Privatpersonen gab. Allein in den Monaten Oktober und November 2001 mussten in den USA über 120.000 Verdachtsproben auf Milzbrandsporen untersucht werden. Dabei handelte es sich mehrheitlich um Briefe oder Paketsendungen mit undefinierbarem Pulverinhalt inklusive der Drohung, Milzbrandsporen zu enthalten, oder um solche, die dies den Empfänger vermuten ließen.

Auch elf Jahre nach den „Anthrax attacks“ treten solche Nachahmungstaten auf: Beispielsweise wurden im März 2012 Dutzende verdächtige Drohbriefe mit nicht deklariertem Pulverinhalt an Wahlmänner der bevorstehenden Bundespräsidentenwahl geschickt. Letztlich befand sich in diesen lediglich harmloser Sand. Die Folgen solcher „Anschläge“ sind allerdings weitreichend: Zur Abklärung, ob die Materialproben Anthrax-Sporen enthalten, müssen diese unter hohen Sicherheitsbedingungen in entsprechende Untersuchungslaboratorien überführt und die mutmaßlich kontaminierten Räume/Gebäude geschlossen werden, wodurch hohe finanzielle Verluste entstehen können. Nicht zu vergessen ist die Unsicherheit und Furcht von potenziell exponierten Menschen.

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Deshalb muss das Ziel der Labordiagnostik sein, so schnell wie technisch möglich das Vorliegen von Milzbrandsporen sicher festzustellen. Das heißt, es muss zum einen ermittelt werden, ob überhaupt Sporen vorliegen oder nur unschädliches Material. Zum anderen muss auch eine Differenzierung zwischen dem pathogenen Milzbranderreger, dem Bakterium Bacillus anthracis, und apathogenen Keimen erfolgen. Einige dieser Mikroorganismen mögen sehr eng mit B. anthracis verwandt, aber für den Menschen nicht pathogen sein. Im August 2009 beispielsweise wurde in Sydney ein Drohbrief in einer Postverteilungsstelle sichergestellt, der Bacillus thuringiensis enthielt, ein weitverbreitetes biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel.

Mikrobiologische Labortests

Zur Analyse steht eine Vielzahl an etablierten Untersuchungsmethoden zur Verfügung wie klassische Anzuchtverfahren, Genomnachweismethoden (PCR, Real-Time-PCR) sowie immunologische Techniken. Diese können allerdings meist nur in Speziallaboratorien durchgeführt werden und sind teilweise sehr zeitintensiv, zumal die Isolierung von Bakterien aus Umweltproben weitaus schwieriger ist als aus klinischem Material.

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