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Fettleibigkeit und Suchtverhalten Ur-Omis Erbe: Langzeitfolgen fettreicher Ernährung untersucht

| Autor / Redakteur: Roland Baumann* / Dr. Ilka Ottleben

Dass Ernährungsgewohnheiten sich von Generation zu Generation teils beträchtlich unterscheiden, wissen die meisten von uns aus eigener Erfahrung. „Jeder so wie er mag, betrifft mich nicht“, könnte derjenige lapidar sagen, dem in erster Linie das eigene Wohl am Herzen liegt. Aber: Anhand einer Studie im Mausmodell kommen Forschende der ETH Zürich nun zu einem anderen Schluss. Ernährt sich eine Mutter fettreich, kann sich das demnach negativ auf die Gesundheit ihrer Nachkommen auswirken – und zwar bis hin zu den Urenkeln.

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Ernährt sich die Mutter fettreich, kann sich das negativ auf die Gesundheit ihrer Nachkommen auswirken – und zwar bis hin zu den Urenkeln. Zu diesem Schluss kommen Forschende der ETH Zürich aufgrund einer Studie mit Mäusen. (Symbolbild)
Ernährt sich die Mutter fettreich, kann sich das negativ auf die Gesundheit ihrer Nachkommen auswirken – und zwar bis hin zu den Urenkeln. Zu diesem Schluss kommen Forschende der ETH Zürich aufgrund einer Studie mit Mäusen. (Symbolbild)
(Bild: Lisa F. Young)

Zürich/Schweiz – Die Ernährungsgewohnheiten von Müttern wirken sich nicht nur auf ihre Kinder und Enkel aus, sondern auch auf die Urenkel. Zu diesem Schluss kommen Forschende aus dem Labor für Translationale Ernährungsbiologie der ETH Zürich. In einer Studie, die sie zusammen mit KollegInnen aus Cambridge und Basel veröffentlicht haben, beschreiben sie, wie sich fettreiche Ernährung ungünstig auf die Nachkommen auswirkt.

Die Forschenden fütterten neun Wochen lang weibliche Mäuse mit fettreicher Nahrung – vor der Paarung, während der Schwangerschaft und während der Stillzeit. Ihre männlichen Nachkommen wurden dann mit Weibchen gepaart, die eine Standard-Labornahrung erhalten hatten. Die männlichen Nachkommen dieser Mäuse wurden wiederum mit Weibchen gepaart, die eine Standard-Labornahrung erhalten hatten.

Fettleibigkeit und Suchtverhalten durch fettreiche Ernährung der Uroma?

Die Enkelkinder der Mäuse, die sich fettreich ernährt hatten, zeigten suchtähnliche Verhaltensweisen auf sowie Merkmale von Fettleibigkeit. Dabei konnten auch Veränderungen im Stoffwechsel festgestellt werden. Bei Nachkommen der dritten Generation, also den Urenkeln, beobachteten die Forschenden Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen: Während die Weibchen ein suchtähnliches Verhalten zeigten, wiesen die Männchen Merkmale von Fettleibigkeit auf.

Um die stoffwechselbedingten Merkmale von Fettleibigkeit zu beurteilen, haben die Forschenden bei den Nachkommen der zweiten und dritten Generation Körpergewicht, Energiestoffwechsel, Fettstoffwechsel und Blutplasmaparameter wie Insulin und Cholesterin gemessen. In Verhaltensexperimenten untersuchten sie zudem, ob die Mäuse besonders nahrhafte Lebensmittel bevorzugten, also eine fettreiche Nahrung gegenüber einer Standardnahrung oder eine Zuckerlösung gegenüber Wasser. Sie beobachteten auch, ob Mäuse stärker auf Drogen wie Alkohol und Amphetamine reagierten. Diese Resultate verglichen sie mit jenen einer Kontrollgruppe, in der niemand der Vorfahren fettleibig war.

Dossier Übergewicht & Ernährung In unserem Dossier „Übergewicht & Ernährung“ haben wir für Sie weitere Forschungsvorhaben und -erkenntnisse zum Thema Übergewicht und Ernährung zusammengefasst.

Ergebnisse nicht eins zu eins auf Menschen übertragbar

„Die Ergebnisse aus unserer Mausstudie können sicher nicht eins zu eins auf Menschen übertragen werden“, hält Daria Peleg-Raibstein, die Schlussautorin der Studie, fest. Doch ist es praktisch unmöglich, solche Langzeitfolgen von Überernährung beim Menschen zu untersuchen. Da gibt es zu viele Störfaktoren. „Mit dem Mausmodell konnten wir die Auswirkungen einer fettreichen Ernährung auf nachfolgende Generationen ohne diese Faktoren untersuchen“, erklärt Peleg-Raibstein. „In weiteren Studien wollen wir herausfinden, welche molekularen Übertragungsmechanismen für diese Langzeitfolgen bei den nachkommenden Generationen verantwortlich sein könnten.“

Originalpublikation: Sarker G. et al.: Transgenerational transmission of hedonic behaviors and metabolic phenotypes induced by maternal overnutrition. Translational Psychiatry. 2018; 8:195. doi: 10.1038/s41398-018-0243-2

* Roland Baumann: ETH Zürich, 8092 Zürich/Schweiz

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