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Meilenstein Temperiertechnik

Vom Rosenhut zur Peltiertemperierung

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Prozessthermostate füllen eine Lücke

Ins neue Jahrtausend startet Lauda mit der Entwicklung der Prozessthermostate, einer Produktgruppe, die zwischen Laborthermostaten und Heiz- und Kühlsystemen angesiedelt ist: Lauda Integra (später umbenannt in Integral). Das Patent für die so genannte LN2-Kryopac-Technik, die Temperaturen von –150 °C bis 400 °C ermöglicht, puscht zudem den Sektor Heiz- und Kühlsysteme. Das Familienunternehmen, inzwischen vom Gründer-Enkel Dr. Gunther Wobser als Geschäftsführender Gesellschafter mit geleitet, will schließlich 2003 im mittleren und oberen Preissegment aufholen – mit der Proline. Innovatives Design, eine abnehmbare Bedieneinheit und Hightech im Inneren werden zum Erfolgsrezept.

„Peltiertechnik neu gedacht!“ – Temperierung per Halbleiter

2006 steht im Zeichen des 50. Jubiläums des Unternehmens – und der neuen Variante Integral XT bei den Prozessthermostaten. Zudem stellt Lauda die Gerätelinie Aqualine vor, die universelle Wasserbäder für das Labor beinhaltet. Damit deckt Lauda als einziger Hersteller die gesamte Bandbreite an Temperiergeräten ab – vom Labor-Wasserbad bis zu modularen Temperieranlagen.

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Die Modellpflege und -entwicklung prägt die nächsten Jahre. Herausragend ist die Einführung von Eco-Kältethermostaten in Europa, die durch den Einsatz natürlicher Kältemittel einen Beitrag zur Reduzierung des Treibhauseffektes leisten. Auch die Messe Analytica spornt die Lauda-Entwickler zu Neuerungen an, so etwa 2014, als die neue Produktlinie Microcool vorgestellt wird – Umlaufkühler zur Kühlung von Analysegeräten. Ebenfalls noch 2014 kann der Temperierspezialist mit der Neueinführung der PRO neue Maßstäbe bei Kälte- und Wärmethermostaten setzen. Zum vorerst letzten Meilenstein verhelfen die Entwickler dem Unternehmen 2017 – nach zwei Jahren intensiver Forschung: „Wir haben die Peltiertechnik neu gedacht“, so die selbstbewusste Botschaft. Auf Basis der bewährten Technik entstand ein neuartiger thermoelektrischer Umwälzthermostat, der Lauda Loop. Vor dem Hintergrund gestiegener Anforderungen an flexible Arbeitsprozesse war das örtlich ungebundene Temperieren das Ziel. Bei diesem Thermostaten, im März in Paris auf dem Forum Labo vorgestellt, wird die Temperatur mittels Stromfluss durch Halbleiter erzeugt; je nach Stromrichtung wird geheizt oder gekühlt – zwischen 4 und 80 °C, und das ohne Kühlmittel. Der Lauda Loop ist für die Temperierungen von Refraktometern, Bioreaktoren, Elektrophorese-Kammern oder für die Probenvorbereitung einsetzbar. Zusätzlich bieten die thermoelektrischen Thermostate des bereits 2013 akquirierten amerikanischen Unternehmens Lauda-Noah Peltierthermostate bis 2,5 Kilowatt, vornehmlich für die anspruchsvolle Halbleiterindustrie.

„Mit der Peltiertemperierung konnten wir ein weiteres Mal Maßstäbe setzen“, sagt Dr. Gunther Wobser, der heutige Geschäftsführende Gesellschafter, und fügt hinzu: „Wir haben aber auch allen Grund, auf die Erfolge der Vergangenheit stolz zu sein, etwa auf den ersten digitalen Thermostaten, den wir 1982, weit vor dem Wettbewerb auf den Weg gebracht haben.“ Bei vielen Entwicklungen waren es immer wieder Kunden und deren Anforderungen, die Lauda zu Höchstleistungen anspornten. „Gerade bei OEM-Anwendungen und beim Anlagenbau arbeiten wir seit jeher interaktiv mit unseren Kunden. Das wollen wir auch bei Seriengeräten tun.“ Für weitere Entwicklungen sollen künftig gezieltere Analysen der vorhandenen Daten als Schrittmacher dienen. Die daraus resultierenden Erkenntnisse über die Nutzung der Lauda-Geräte wird den Entwicklern tiefe Einblicke in den Bedarf der Anwender geben und für weitere Meilensteine in der Temperiertechnik sorgen.

Literatur

[1] Eduard Gildemeister, Friedrich Hoffmann, „Die ätherischen Öle“, 3. Auflage, Schimmel & Co.

[2] Rüdiger Kramme, „Medizintechnik - Verfahren – Systeme – Informationsverarbeitung“. Springer-Verlag, 2016

[3] Tina Schäfer, „Heroen der Chemie“, Unispiegel 1/2016, Universität Heidelberg

[4] Website www.lauda.de, „Temperierung – was ist das?“

[5] nach Lauda-Chronik, Gesamtwerk

* Dr. U. Reutner: Fachjournalistin Technik & Wissenschaft, 86916 Kaufering

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