English China

Biodiversität gefährdet Was der Klimawandel für Tropenwälder bedeutet

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Sie werden oft als die grüne Lunge unseres Planeten bezeichnet. Doch auch Tropenwälder werden in den nächsten Jahrzehnten den Klimawandel spüren. Freiburger Forscher haben jetzt Modelle simuliert, wie sich die Vegetation verändern wird und senden Alarmsignale für die Biodiversität aus.

Firmen zum Thema

Der Klimawandel wird in den kommenden Jahrzehnten die Zusammensetzung der Tropenwälder verändern.
Der Klimawandel wird in den kommenden Jahrzehnten die Zusammensetzung der Tropenwälder verändern.
(Bild: Marcel Baechler, Rainstr. 12, 2562 Port)

Freiburg – Mit ihren mehr als 2.900 heimischen Pflanzenarten und einer hohen Biodiversität sind die tropischen Wälder Zentralamerikas wichtige Ökosysteme. Forstwissenschaftler befürchten, dass der Klimawandel die Zusammensetzung der Wälder beeinflusst und unwiederbringliche Verluste an Lebensraum und Artenvielfalt verursacht.

Ein Team um Prof. Dr. Marc Hanewinkel und Lukas Baumbach vom Institut für Forstwissenschaften der Universität Freiburg möchte diese Veränderungen besser abschätzen können. Deshalb simulierten die Forschenden, wie sich zukünftige klimatische Bedingungen auf die wichtigsten Baumtypen in Zentralamerika auswirken.

Die Wälder werden trockener

Die Modelle zeigen die voraussichtliche Situation für die Jahre 2061 bis 2080. Große Teile der untersuchten Region werden demnach einen Wandel von an Feuchtigkeit angepassten hin zu trockenen Wäldern, oder solchen, die mit einer Vielfalt von Umweltbedingungen zurechtkommen, erleben. Damit bestätigen die Freiburger Forschenden bisherige Studien, die ebenfalls einen Trend zu trockener Vegetation prognostizieren. Gebiete mit an Feuchtigkeit angepassten Baumarten werden sich separieren und die Verbindung zueinander verlieren.

Besonders beim biologischen Korridor entlang der Karibikküste, der eine wichtige Nord-Süd-Migrations- und Ausbreitungsroute der Bäume darstellt, wird sich die Fragmentierung bemerkbar machen. Gleichzeitig steigt die Gefahr, dass die Bäume an Bergen und Berggipfeln aussterben, ein Phänomen, das in der Fachwelt als „mountaintop extinction“ bekannt ist.

Schutzgebiete für Baumarten werden notwendig sein

„Unsere Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, die Verbindung von Lebensräumen durch biologische Korridore zu sichern und Schutzgebiete auszuweiten“, sagt Hanewinkel. „Bei dem derzeitigen Tempo der Umweltveränderungen könnten viele Arten nicht in der Lage sein, sich an die neuen Bedingungen anzupassen, was schließlich zu einer Verschiebung des Lebensraumes oder zu ihrem Aussterben führen würde.“

Für ihre Analyse betrachteten die Wissenschaftler die physiologischen, morphologischen und lebensgeschichtlichen Merkmale der Pflanzen und teilten die regional weit verbreiteten Baumarten für ihre Simulationen in sieben Gruppen ein. Die Untersuchungsregion umfasste den zentralamerikanischen Subkontinent zwischen den Längengraden 68° bis 100° und den Breitengraden 4° bis 24°. Die Karibikinseln waren ausgenommen, da hierfür keine Daten vorlagen.

Tropische Biodiversität reagiert empfindlich auf den Klimawandel

Die mittelamerikanische Landschaft ist geprägt von vielen unterschiedlichen Waldtypen, die eng an die lokalen Umweltbedingungen angepasst sind. „Aufgrund dieser hohen Spezialisierung und der Knappheit an alternativen Lebensräumen ist zu erwarten, dass die tropische Biodiversität besonders empfindlich auf den Klimawandel reagiert“, sagt Hanewinkel. Diese Entwicklung würde dramatische Auswirkungen auf die Biodiversität in Zentralamerika haben, betont der Freiburger Forscher: „Feuchtwälder und Bergwälder beherbergen die größte Anzahl von Amphibien, Vögeln, Säugetieren und Reptilien, von denen viele bereits jetzt vom Aussterben bedroht sind oder unter der Zerteilung ihres Lebensraums leiden.“

Originalpublikation: Baumbach, L., Warren, D.L., Yousefpour, R. & Hanewinkel, M. (2021): Climate change may induce connectivity loss and mountaintop extinction in Central American forests. In: Communications Biology. 4:869. DOI: 10.1038/s42003-021-02359-9

(ID:47533528)