Die acht Planeten unseres Sonnensystems kennt fast jeder, doch das Universum ist voll von ihnen. Über 5.000 haben Astronomen bereits entdeckt. Und nun ist es mithilfe des James-Webb-Teleskops erstmal gelungen, Kohlendioxid in der Atmosphäre eines solchen Exoplaneten nachzuweisen – ein Meilenstein für die Astronomie.
Abb. 1: Eine Illustration, die zeigt, wie der Exoplanet WASP-39 b nach dem derzeitigen Wissen über den Planeten aussehen könnte. Diese Illustration basiert auf indirekten Transitbeobachtungen von Webb sowie anderen erdgebundenen und Weltraumteleskopen.
(Bild: NASA, ESA, CSA, Joseph Olmsted (STScI))
Heidelberg – Seit Januar 2022 kreist das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST), das von der NASA, der ESA und der CSA betrieben wird, in seiner Umlaufbahn in etwa 1,5 Millionen Kilometer Entfernung um die Erde und hat schon zahlreiche spektakuläre Aufnahmen geliefert. Auch die nun veröffentlichten Daten reihen sich in diese Erfolgsgeschichte dieser Mission ein. Denn mit Webb ist nun der erste eindeutige Nachweis für Kohlendioxid in der Atmosphäre eines Planeten außerhalb des Sonnensystems gelungen.
Diese Beobachtung eines Gasriesenplaneten liefert wichtige Erkenntnisse über die Zusammensetzung und Entstehung des Planeten. Das Ergebnis ist auch ein Hinweis auf die einzigartige Fähigkeit von Webb, Kohlendioxid in den dünneren Atmosphären kleinerer Gesteinsplaneten zu entdecken und zu messen.
Ein entfernter Exot im Blick des Webb-Teleskops
Ort der Entdeckung ist WASP-39 b: ein heißer 700 Lichtjahre entfernter Gasriese mit einer Masse von etwa einem Viertel der des Jupiters (etwa so viel wie Saturn) und einem 1,3-mal größeren Durchmesser als Jupiter. Seine extreme Ausdehnung hängt teilweise mit seiner hohen Temperatur von ca. 900 °C zusammen. Im Gegensatz zu den kühleren, kompakteren Gasriesen in unserem Sonnensystem umkreist WASP-39 b seinen Stern in unmittelbarer Nähe – nur etwa ein Achtel der Entfernung zwischen Sonne und Merkur – und vollendet einen Umlauf in etwas mehr als vier Erdtagen.
Der Exoplanet WASP-39 b
WASP-39 b ist ein heißer, gasförmiger Exoplanet, der einen etwa 700 Lichtjahre entfernten, sonnenähnlichen Stern im Sternbild Jungfrau umkreist. Der Planet kreist außergewöhnlich nah um seinen Stern (weniger als 1/20 der Entfernung zwischen Erde und Sonne). Er vollendet eine Umkreisung in etwas mehr als vier Erdtagen. Die Entdeckung des Planeten, die auf bodengestützten Beobachtungen beruht, wurde 2011 bekannt gegeben. Der Stern WASP-39 hat ungefähr die gleiche Größe, Masse, Temperatur und Farbe wie die Sonne. Das Webb-Teleskop hat noch kein direktes Bild des Planeten oder seiner Atmosphäre aufgenommen.
Die Entdeckung des Planeten, über die bereits 2011 berichtet wurde, basierte auf bodengestützten Entdeckungen des schwachen, periodischen Abdunkelns des Sternenlichts, wenn der Planet vor seinem Zentralstern vorbeizieht, als einen Transit vor dem Stern vollzieht (wie diese Methode funktioniert, ist in der Bildergalerie in Abb. 2 erklärt).
Frühere Beobachtungen durch andere Teleskope, darunter die Weltraumteleskope Hubble und Spitzer, wiesen Wasserdampf, Natrium und Kalium in der Atmosphäre des Planeten nach. Die Infrarotempfindlichkeit des JWST hat nun auch das Vorkommen von Kohlendioxid auf diesem Planeten bestätigt.
Spektroskopie in den Tiefen des Kosmos
Transitplaneten wie WASP-39 b, deren Umlaufbahnen wir nicht von oben, sondern von der Seite beobachten, bieten Astronomen ideale Möglichkeiten, die Planetenatmosphäre zu untersuchen. Während des Transits verdeckt der Planet einen Teil des Sternenlichts, was zu einer generellen Verdunkelung führt. Ein kleinerer Teil des Lichts passiert die Atmosphäre des Planeten.
Da verschiedene Gase unterschiedliche Kombinationen von Farben absorbieren, können Forscher kleine Helligkeitsunterschiede des durchgelassenen Lichts über ein Spektrum von Wellenlängen analysieren, um genau zu bestimmen, woraus eine Atmosphäre besteht (mehr dazu in der Bildergalerie in Abb. 3). Die Kombination aus aufgeblähter Atmosphäre und häufigen Transits macht WASP-39 b zu einem idealen Ziel für die Transmissionsspektroskopie.
Bildergalerie
Erster eindeutiger Nachweis von Kohlendioxid
Das Forschungsteam hat für seine Beobachtungen von WASP-39b den Near-Infrared Spectrograph (NIRSpec) des Teleskops James Webb verwendet. Als Mitglied eines europäischen Konsortiums lieferte das Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg die Mechanismen der Filter- und Gitterräder, die NIRSpec zur Aufspaltung des Lichts in Wellenlängen verwendet. Im resultierenden Spektrum der Atmosphäre des Exoplaneten ist der geringe Helligkeitsanstieg zwischen 4,1 und 4,6 Mikrometern für Exoplanetenforscher alles andere als unbedeutend (s. Abb. 2). Es ist der erste klare, detaillierte und unbestreitbare Nachweis von Kohlendioxid, der jemals auf einem Planeten außerhalb des Sonnensystems entdeckt wurde.
Stand: 08.12.2025
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„Als die Daten auf meinem Bildschirm erschienen, hat mich das riesige Kohlendioxid-Signal sofort begeistert“, sagt Zafar Rustamkulov, Doktorand an der Johns Hopkins University in Baltimore, USA, und Mitglied des Transit-Exoplaneten-Teams. „Es war ein besonderer Moment, der eine wichtige Schwelle in der Exoplanetenforschung überschreitet.“
„Meilenstein für die Charakterisierung der Atmosphäre von Exoplaneten“
Kein Observatorium hat jemals zuvor so feine Helligkeitsunterschiede zwischen so vielen einzelnen Farben im Bereich von 3 bis 5,5 Mikrometern in einem Transmissionsspektrum eines Exoplaneten gemessen. Der Zugang zu diesem Teil des Spektrums ist entscheidend für die Messung der Häufigkeit von Gasen wie Wasser, Methan und Kohlendioxid, die Astronomen auf vielen verschiedenen Exoplaneten vermuten. „Die Entdeckung eines so deutlichen Signals von Kohlendioxid auf WASP-39 ist ein gutes Zeichen für die Entdeckung von Atmosphären auf kleineren, erdgroßen Planeten“, sagt Natalie Batalha von der University of California in Santa Cruz, USA, die das Team leitet.
Die Zusammensetzung der Atmosphäre eines Planeten zu verstehen ist wichtig, weil sie uns etwas über den Ursprung des Planeten und seine Entwicklung verrät. Kohlendioxidmoleküle sind empfindliche Indikatoren für die Geschichte der Planetenentstehung. Wissenschaftler können ermitteln, wie viel festes und wie viel gasförmiges Material diesem Gasriesenplaneten während seiner Entstehung zugeführt wurde.
„Dieser eindeutige Nachweis von CO2 ist ein wichtiger Meilenstein für die Charakterisierung der Atmosphäre von Exoplaneten“, erklärt MPIA-Direktorin und Co-Autorin Laura Kreidberg. „CO2 ist ein wichtiger Indikator für die Entstehungsgeschichte von Planeten: Es hilft uns, das komplette Kohlenstoff- und Sauerstoffinventar der Atmosphäre zu messen, das sehr empfindlich auf die Bedingungen in der Scheibe reagiert, in der der Planet entstanden ist.“ Mithilfe der CO2-Messung können die Wissenschaftler z. B. den ursprünglichen Entstehungsort des Planeten, die Eigenschaften der eingebrachten Feststoffe und Gase sowie die spätere Wanderung des Planeten besser eingrenzen.
Originalpublikation: JWST Transiting Exoplanet Community Early Release Science Team: Eva-Maria Ahrer, Lili Alderson, Natalie M. Batalha et al.: Identification of carbon dioxide in an exoplanet atmosphere, Nature (2022); DOI: 10.48550/arXiv.2208.11692