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Nettostromerzeugung 2020 Wie grün ist Strom aus Deutschland?

Autor: Christian Lüttmann

Die Richtung stimmt, die Geschwindigkeit noch nicht – im Jahr 2020 stammt erstmals über die Hälfte des Stroms im öffentlichen Netz aus erneuerbaren Energien wie Windkraft und Photovoltaik. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme betonen aber, dass der Ausbau der „grünen“ Energie erheblich beschleunigt werden muss, um die EU-Klimaziele für 2030 noch zu erreichen.

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2020 war erstmals über die Hälfte des Stroms im deutschen Stromnetz aus erneuerbaren, „grünen“ Energiequellen (Symbolbild).
2020 war erstmals über die Hälfte des Stroms im deutschen Stromnetz aus erneuerbaren, „grünen“ Energiequellen (Symbolbild).
(Bild: gemeinfrei, Matthew Henry / Unsplash)

Freiburg im Breisgau – Wie grün ist der Strom aus unseren Steckdosen? Dies beobachtet das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) seit vielen Jahren. 2020 ergibt die Auswertung der Forscher nun erstmals: Über die Hälfte des Stroms im öffentlichen Netz stammt in Deutschland aus erneuerbaren Energien.

Den hohen Anteil der erneuerbaren Energien beim Nettostrom führen die Fraunhofer Forscher zum einen auf günstige Windbedingungen und eine hohe Zahl an Sonnenstunden zurück, zum anderen auf einen Rückgang des industriellen Strombedarfs infolge der Corona-Epidemie. Insgesamt lag die Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2020 etwa 5% unter dem Vorjahreswert.

Strommix: Wie grün ist die Energie aus deutschen Steckdosen?
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Den größten Beitrag am Nettostrom liefert bereits zum zweiten Jahr in Folge die Windkraft. Mehr als ein Viertel der Energie im Strommix stammt aus Windkraftanlagen. Laut ISE-Bericht übertraf die Windstromproduktion 2020 die Stromerzeugung aus Braunkohle in zehn Monaten des Jahres und lag in allen zwölf Monaten vor der Kernenergie.

Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen zu langsam

Trotz dieser hohen Leistung braucht es noch deutlich mehr Windkraftwerke, um die ambitionierten Klimaziele der EU erreichen zu können. Schließlich sollen die CO2-Emissionen bis 2030 um 65% gesunken sein, verglichen mit den Emissionen im Jahr 1990. Um das zu erreichen, sei jährlich ein Zubau von onshore-Windanlagen mit einer Leistung von 7,4 bis 8,4 Gigawatt (GW) nötig, so lautet das Ergebnis einer Studie des Fraunhofer ISE. Zum Vergleich: Ende Oktober 2020 lag die neuinstallierte Leistung von onshore Wind nur 1,5 GW über dem Vorjahreswert. Damit ist der Zubau von Windkraftanlagen zum wiederholten Mal stark eingebrochen.

Ähnlich hoch ist der Rückstand bei Photovoltaik. Dort kommen die Fraunhofer Forscher auf einen benötigten Zubau von 10,5 bis 14,8 GW pro Jahr. Von 2019 auf 2020 kamen jedoch nur 5,4 GW dazu.

So sieht der Verlauf der Energiewende im Stromsektor aus

Wie sich die Stromerzeugung seit 2002 entwickelt hat, zeigt das folgende Diagramm. Dort sind die zusammenhängenden Trends „Ausstieg aus Kohle- und Kernkraft“ sowie „Aufbau der erneuerbaren Energien“ zu erkennen. In den Jahren 2009 und 2020 ist zudem deutlich der Rückgang der Gesamtstromerzeugung erkennbar, einmal aufgrund der Wirtschaftskrise und aktuell wegen der Corona-Pandemie.

Insgesamt steigt der prozentuale Anteil an erneuerbaren Energien im Strommix kontinuierlich an. Besser zu erkennen ist dies am folgenden Diagramm, das die Entwicklung seit 2002 zeigt. Klar ist aber auch: Um die anvisierte CO2-Neutralität bis 2050 zu erreichen, muss das Tempo noch weiter angezogen werden.

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Über den Autor

 Christian Lüttmann

Christian Lüttmann

Redakteur, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG