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Probenvorbereitung entscheidend für Chromatographie

Wie kommt die Probe am besten auf die Säule?

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Durch eine vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit mit Agilent Technologies ist Gerstel ab 1986 in der Lage, eigene GC-Komplettsysteme anzubieten und Kundenwünsche zu konfigurieren. Viel kreative Energie floß seitdem in die Weiterentwicklung und Verbesserung der Probenaufgabe. Das Unternehmen überzeugt die Fachwelt mit dem Thermal-Desorption-System (TDS), das in Verbindung mit dem KAS eine verfälschungsfreie und umweltfreundliche Analyse leicht- und schwerflüchtiger organischer Verbindungen ermöglicht – ohne den Einsatz organischer Lösemittel. Der Einsatz für die „Grüne Chemie“ fand Beachtung: 1989 erhielt Eberhard Gerstel für das KAS den Umweltschutzpreis des nordrhein-westfälischen Handwerks u.a. aus der Hand des damaligen nordrhein-westfälischen Umweltministers Klaus Matthiesen.

Internationale Ausrichtung nach Führungswechsel

Als Eberhard Gerstel 1998 die Firma seinen Söhnen Eberhard. G. Gerstel und Holger Gerstel überlässt, die fortan mit dem langjährigen Mitarbeiter Ralf Bremer gemeisam als Geschäftsführer für die Geschicke der Firma verantwortlich zeichnen, blickt er auf ein Unternehmen, das 60 Mitarbeiter beschäftigt, mehrere Millionen D-Mark pro Jahr umsetzt und dessen solides Fundament weiteres Wachstum zulässt, vor allem auch international. Bereits 1994 war in den USA die erste Tochtergesellschaft, die Gerstel Inc., gegründet worden. Die neue Firmenleitung erkennt das Potenzial, das der internationale Labormarkt bietet, und schreitet zur Tat. Im Jahr 2000 wird die Gerstel AG in der Schweiz gegründet, 2004 die Gerstel K.K. in Japan, 2010 die Gerstel LLP in Singapur. In rund 90 Ländern der Erde hat das Unternehmen heute Vertretungen.

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Automatisierung der Analytik fördert Neudenken

Der Ausklang des letzten Jahrhunderts ist geprägt von den Anfängen einer sich anbahnenden digitalen Revolution im Labor und dem Ziel, mehr Automatisierung zu wagen. Gerstel holt sich Software-Experten ins Team und investiert in die Entwicklung von Automatisierungs- und Robotertechnologie – für mehr Effektivität im Labor, eine gesündere Umwelt und der Gerstel-Maestro-Software als verbindendes und in die Umgebung von gängigen Chromatographie-Plattformen integrierendes Element. Der Multi-Purpose-Sampler (MPS) bildet die Geräteplattform und das eigene über inzwischen drei Jahrzehnte gewachsene technologische Know-how, den Schlüssel zum Erfolg: Bei der Umsetzung der Probenvorbereitung, etwa der Flüssig-Flüssigextraktion (LLE), der Festphasenextraktion (SPE), der Erstellung von Standards u.v.m. spielt nicht zuletzt sowohl das gewachsene entwicklungstechnische als auch das inzwischen enorme applikative Know-how des Unternehmens eine große Rolle.

Auf der Analytica 2000 in München präsentierte Gerstel eine Produktneuheit, die es in dieser Form seit der Entwicklung der Solid-Phase-Micro-Extraction (SPME) 1990 nicht gegeben hat: die Stir-Bar-Sorptive-Extraction (SBSE) mit dem patentierten Gerstel-Twister.

Während bei der SPME eine mit Sorbensmaterial beschichtete Faser verwendet wird, erfolgt die Extraktion bei der SBSE mit einem mit Sorbens ummantelten speziellen Rührstäbchen für Magnetrührer. Der Twister extrahiert die Inhaltsstoffe, während er die Probenflüssigkeit durchmischt und weist dabei, ob der im Vergleich zur SPME signifikant größeren Sorbensmenge, eine erheblich höhere Extraktionsleistung auf. Die Einfachheit der Handhabung des Twisters besticht: Er wird der Probe entnommen, trocken getupft und in der Thermal-Desorption-Unit (TDU) auf Temperatur gebracht, wobei die extrahierten Komponenten desorbiert werden und sich mittels Gaschromatographie analysieren lassen.

Innovationsprozesse generieren Innovationen

Die Twister-Analytik ist einfach, erfordert weder Lösemittel noch die sonst übliche Probenvorbereitung und mit ihr lassen sich winzigste Spuren organischen Materials höchst sensitiv nachweisen. Der Twister inspirierte geradezu dazu, analytisch neue Wege zu gehen und auch neue technologische Möglichkeiten auszuloten: Gerstel präsentierte wenig später nach dem Twister die Thermal-Desorption-Unit (TDU), ein auf die Thermodesorption des Twisters ausgelegtes System, das, vergleichbar dem TDS, unmittelbar mit dem KAS verbunden wird. Der MPS erledigt die automatisierte Abwicklung der Analytik und garantiert einen hohen Probendurchsatz. Die Beschäftigung mit der Thermodesorption und der TDU erschloss weiteres neues Potenzial – für gerätetechnische Verbesserungen und auch für innovative Erweiterungen, etwa der Möglichkeit zur Pyrolyse in einem Gerät. Gerstel-Technologie ist modular aufgebaut und daher kombinationsreich, nach Belieben individuell und auch vielseitig einsetzbar.

Innovation und Wachstum als Nachlass

Im Jahr 2007 bezog Gerstel nach seinen heutigen Firmensitz am Eberhard-Gerstel-Platz 1 in Mülheim an der Ruhr, der auf die nächsten 25 Jahre weiteres Wachstum zulässt; mit der Namensgebung der Anschrift ehrt die Stadt Mülheim an der Ruhr die Leistung des Firmengründers. Inzwischen beschäftigt Gerstel rund 200 Mitarbeiter: zur einen Hälfte Ingenieure und Naturwissenschaftler, zur anderen überwiegend Fachkräfte aus dem Bereich Feinwerktechnik und Mechatronik, die meist im Betrieb selbst ausgebildet wurden. 50 Jahre nach der Gründung des Unternehmens haben Gerstel-Lösungen weltweit mehr denn je ihren festen Platz beim Nachweis organischer Verbindungen in den unterschiedlichsten Anwendungsfeldern, in allen Industriezweigen, in der Forschung, in Lebensmittel- und Umweltüberwachungsämtern – und zwar in puncto GC/MS und LC/MS, wobei nicht nur von innovativen Produktlösungen die Rede sein kann, sondern auch von der großen applikativen und servicetechnischen Unterstützung, die Gerstel den Anwendern seiner Technik bietet.

Die Marktposition zu erhalten und zu stärken, wird auch das Ziel der nächsten Führungsgeneration sein, die bei Gerstel heranreift, darunter die Enkel des Gründers. Auch auf sie hat Eberhard Gerstel Senior, der 2004 im Alter von 77 Jahren verstorben ist, seine Augen gerichtet: Von einer Stele aus, die sein Antlitz trägt und ihm zu Ehren auf dem Eberhard-Gerstel-Platz errichtet wurde, blickt der Gründer auf den Firmensitz.

* M. Platthaus: Chefredakteur LABORPRAXIS, E-Mail: marc.platthaus@vogel.de

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