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Interview Verband Deutscher Laborunternehmen "Wir stehen für Verbraucherschutz, Gesundheit, Umwelt und technische Sicherheit"

Das Gespräch führte Marc Platthaus, Chefredakteur LABORPRAXIS 3 min Lesedauer

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In Deutschland gibt es mehrere Tausend privatwirtschaftliche Laboratorien. Organisiert ist ein Großteil von ihnen im Verband Deutscher Laborunternehmen (VDLAB). Wir haben mit Geschäftsführer Anton Blöth über Akkreditierung, Fachkräftemangel und Digitalisierung gesprochen.

Anton Blöth ist Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Laborunternehmen.(Bild:  VDLAB)
Anton Blöth ist Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Laborunternehmen.
(Bild: VDLAB)

Herr Blöth, aus dem VUP ist in diesem Jahr der VDLAB geworden. Warum war die Namensänderung aus Ihrer Sicht notwendig – und was soll der neue Name ausdrücken?

Anton Blöth: Der VDLAB ist kein neuer Verband, sondern die konsequente Weiterentwicklung des VUP (Verband Unabhängiger Prüflaboratorien). Unsere Wurzeln liegen bei den unabhängigen Prüflaboratorien. Heute vertreten wir jedoch die ganze Breite privatwirtschaftlicher Laborunternehmen: Prüf-, Analyse-, Mess- und Kalibrierlaboratorien in sehr unterschiedlichen Märkten. Der alte Name bildete diesen Anspruch nicht mehr vollständig ab. „Verband Deutscher Laborunternehmen“ sagt nun klarer, wer wir sind und für wen wir sprechen. Zugleich macht er die unternehmerische Dimension sichtbar: Labore sichern Qualität, Verbraucherschutz, Gesundheit, Umwelt und technische Sicherheit – sie müssen dabei aber auch investieren, Personal gewinnen und sich im Wettbewerb behaupten.

Welche Themen beschäftigen den VDLAB derzeit besonders – und warum sind sie gerade jetzt für unabhängige Laborunternehmen wichtig?

An erster Stelle stehen Akkreditierung und Regulierung, Fachkräfte und Qualifizierung sowie die digitale Transformation. Steigende Personal-, Energie- und Regulierungskosten treffen auf hohen Investitionsbedarf und teilweise erheblichen Preisdruck in der Branche. Vorgaben sind im Kern sinnvoll und fachlich regelmäßig geboten, ihre Umsetzung muss aber praxistauglich und verhältnismäßig bleiben. Genau hier liegt die Aufgabe des VDLAB: Wir bringen die Erfahrungen der Laboratorien frühzeitig in politische und regulatorische Prozesse ein, informieren über relevante Entwicklungen und schaffen Räume, in denen Labore voneinander lernen und gemeinsam gestalten können. Wer als Unternehmen nicht jede Entwicklung allein bewerten möchte, findet bei uns fachliche Orientierung und ein belastbares Netzwerk.

Wie Sie ausgeführt haben: Akkreditierung und Regulierung prägen den Arbeitsalltag vieler Labore. Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf, und welche Anliegen bringen Sie gegenüber Politik und Behörden ein?

Akkreditierung ist unverzichtbar für das Vertrauen in Laborleistungen – sie darf aber nicht selbst zur Dauerbelastung und zum Wettbewerbsnachteil werden. Verfahren dauern vielfach zu lange, binden erhebliche personelle Ressourcen und verursachen schwer planbare Kosten. Wenn zugleich die Gebührensätze deutlich steigen sollen, muss dem ein verbindlicher und konkreter Reformpfad gegenüberstehen. Gemeinsam mit anderen Verbänden haben wir einiges in Bewegung gebracht. Nun muss das BMWE einen verbindlichen Rahmen sowie Vertrauen und Akzeptanz für die Neuaufstellung schaffen. Das liegt auch im Interesse der neuen DAkkS-Geschäftsführung, die erkennbar bereit ist, alte Zöpfe abzuschneiden und gemeinsam mit den betroffenen Kreisen neue Wege zu gehen. Wir setzen uns für effiziente und digitale Verfahren, klare Zuständigkeiten und Fristen, verlässliche Kostentransparenz sowie eine stärkere Service- und Dialogorientierung ein. Unser Ziel ist kein Absenken fachlicher Anforderungen, sondern ein Akkreditierungssystem, das Qualität sichert und zugleich leistungsfähige Labordienstleistungen ermöglicht. Akkreditierung muss wieder ein Gewinnerthema werden, wie es ein Kollege vom TÜV-Verband kürzlich treffend formuliert hat.

Fachkräftesicherung, Digitalisierung und neue Technologien stellen die Branche vor große Aufgaben. Welche davon haben für den Verband derzeit Priorität, und wie wollen Sie Ihre Mitglieder dabei unterstützen?

Fachkräfte und Digitalisierung lassen sich kaum getrennt betrachten. Automatisierung, KI und vernetzte Datenprozesse können Labore entlasten und neue Leistungen ermöglichen. Dafür braucht es Austausch und Vernetzung in der Branche – etwa im Digital LabHub –, gemeinsame Standards, sichere Rahmenbedingungen und Beschäftigte, die den Wandel fachlich wie organisatorisch gestalten können. Mit neuen Fachausschüssen für Digitalisierung und Qualifizierung baut der VDLAB seine fachliche Arbeit und die Unterstützung seiner Mitglieder in beiden Themenfeldern gezielt aus.Ein besonderes Angebot ist VDLAB Next Generation: Das Programm bringt junge Führungskräfte aus Prüf- und Kalibrierlaboratorien zusammen und verbindet kollegiales Lernen, Mentoring, Trainings und ein über mehrere Jahrgänge wachsendes Netzwerk. So unterstützen wir nicht nur einzelne Nachwuchskräfte, sondern stärken die nächste Führungsgeneration der gesamten Branche.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Blöth.

Anton Blöth

Anton Blöth ist seit 2015 Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Laborunternehmen (VDLAB) e. V. und vertritt die Interessen privatwirtschaftlicher Prüf-, Analyse-, Mess- und Kalibrierlaboratorien gegenüber Politik, Behörden und weiteren Akteuren der Qualitätsinfrastruktur. Überdies ist er Vorsitzender des Technical Committee Quality Assurance (TCQA) und in dieser Funktion Mitglied des Boards des europäischen Laborverbandes EUROLAB aisbl.

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