Diskussionen in den Pausen, Informationen in 16 Fachvorträgen, und eine Werksführung bei Thermo Fisher in Germering – der 15. Praxistag HPLC bot wieder ein volles Programm und zahlreiche Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch über Probleme und vor allem Lösungen für die Flüssigchromatographie. Dieser Rückblick gibt einen Eindruck der Veranstaltung und bietet den ein oder anderen Praxistipp aus den Vorträgen.
Anwender und Experten trafen sich beim 15. Praxistag HPLC im Veranstaltungsforum Fürstenfeld.
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Nie war die Bühne größer. Der Praxistag HPLC stellte am 28. und 29. Oktober die Hochleistungsflüssigchromatographie in den Fokus. In der Eventlocation in Fürstenfeldbruck bei München versammelten sich dazu rund 100 Teilnehmer, passenderweise im „Säulensaal“, um gemeinsam in die Feinheiten dieser etablierten Trennmethode einzutauchen. Dort ging es um mathematische Formeln, die niemand braucht, Chromatographie-Software, die jeder will und Methodenentwicklung in diversen Ausprägungen. Dieser Rückblick fasst den 15. Praxistag HPLC zusammen und gibt einige Praxistipps aus den diversen Fachvorträgen mit.
Werksführung bei Thermo Fisher
Für einen Teil der Praxistag-Besucher ging es am 28. Oktober bereits um 9 Uhr los – mit einer Shuttlebus-Fahrt. Denn bei Thermo Fisher Scientific gab es 32 Plätze für eine exklusive Werksführung am Standort in Germering. Wer sich frühzeitig für den Praxistag HPLC angemeldet hatte, durfte also mit in den Bus und startete um 10 Uhr die Thermo-Fisher-Tour als Vorprogramm.
Nach der Werksführung ist vor dem Praxistag – Gruppenfoto bei Thermo Fisher Scientific in Germering
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Aufgeteilt in vier Gruppen besichtigten die Teilnehmer das Applikationslabor, die Produktion des Nano-, Kapillar- und Mikrofluss UHPLC-Systems, die Herstellung und Endtestung von UHPLC-Pumpen sowie Reinraumproduktion optischer Bauteile und die Produktion besonders anspruchsvoller Fluidik-Bauteile. Viel Input in gerade einmal drei Stunden – und da hatte der eigentliche Praxistag noch gar nicht angefangen.
Gradientensteuerung in der HPLC
Nach der Rückfahrt zum Veranstaltungssaal startete dann der Hauptteil für alle Teilnehmer des Praxistages mit einem ersten Highlight. Chromatographie-Profi Dr. Stavros Kromidas eröffnete den Tag mit seiner Keynote – und stellte vermutlich einen neuen Rekord in Beispiel-Chromatogrammen pro Minute auf. Folie um Folie zeigte er anhand seines über Jahrzehnte gewachsenen Archivs Beispiele im Sinne von „Gute Trennung, schlechte Trennung“.
Dr. Stavros Kromidas, Kromidas GmbH: So passen Sie Ihren HPLC-Gradienten an: Bewährte Tipps und Tricks
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Kromidas erklärte, wie sich mit kleinen Anpassungen die Auflösung in den Chromatogrammen steigern lässt, besonders durch Einstellen eines steilen Gradienten. Und auch, wenn die ein oder andere mathematische Formel auf seinen Folien auftauchte und (dunkle) Erinnerungen an Ausbildungs- und Studiumszeiten weckte, kondensierte der Keynote-Speaker die abstrakten Formeln auf einfache Merksätze. Für einfache Trennungen mit 10 bis 15 Peaks empfahl der HPLC-Profi: „Nehmen Sie lieber eine kurze und dünne Säule und gehen Sie mit dem Fluss eher hoch.“ Generell sei es sinnvoll, bei der Wahl des Gradienten mutig in Extremen zu denken, um die Trennung zu optimieren, schloss Kromidas seine Keynote.
Zahlreiche Praxistipps zur HPLC gibt es auf der Webseite von Kromidas. Und auch in den E-Papern der LABORPRAXIS findet sich jeweils ein HPLC-Tipp des Experten – reinschauen lohnt sich.
HILIC und nachhaltige SFC
Dr. Thomas Letzel, Analytisches Forschungsinstitut für Non-Target Screening (AFIN-TS) GmbH: Polaritätserweiterte Chromatographie (RPLC-HILIC und SFC): Anwendung, Effizienz und Nachhaltigkeit
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Im Anschluss schwor Dr. Thomas Letzel vom AFIN-TS das Plenum u.a. auf polaritätserweiterte Chromatographie ein: die RPLC-HILIC. Einen tieferen Einblick in dieses Thema bieten auch die HILIC-Tipps, die Letzel seit April 2026 für die LABORPRAXIS neu aufbereitet. In seinem Vortrag beim Praxistag ging er allgemein auf die Methode ein und zeigte zudem Ansätze zu nachhaltigeren Methoden der HPLC. So eignet sich etwa in vielen Fällen die SFC (Supercritical Fluid Chromatography) als grünere Alternative zur klassischen HPLC. Bei der Methode mit überkritischem CO₂ als Lösungsmittel lassen sich gegenüber herkömmlichen HPLC-Ansätzen bis zu 75 Prozent CO₂-Emissionen sparen, vor allem bedingt durch die deutlich kürzere Laufzeit der Analyse.
Stand: 08.12.2025
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Dr. Annette Dibowski, Dichrom GmbH: The Science of Flow
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Bei Dr. Annette Dibowski drehte sich alles um den guten Flow – in diesem Fall um den Fluss in der HPLC. Die Geschäftsführerin von Dichrom zeigte, wie sich die Wahl der Kapillaren und Fittings auf den Fluss auswirkt. Dabei stellte sie typische Fehler vor, etwa schief geschnittene Kapillaren oder versteckte Totvolumina im Fitting, wenn die Kapillare zu kurz oder die Ferrule zu weit oben angesetzt ist. „Ich empfehle, die industriell vorgeschnittenen Kapillaren zu kaufen, wenn Sie höchste Anforderungen an die Analytik haben“, sagte Dibowski. „Wenn Sie doch lieber selbst schneiden, nehmen Sie sich auf jeden Fall Zeit und machen es ordentlich“, ergänzte die Expertin und zeigte dazu Mikroskopieaufnahmen von Schnittkanten, die leicht schief oder ausgefranst waren.
Für die Wahl des richtigen Fittings empfahl Dibowski den Periodic Table of Analytical Fittings als Referenz, um die geeigneten Verbindungsstücke zu finden und den reproduzierbaren Fluss in der HPLC zu sichern.
PFAS-frei in die Analytik
Florian Köhler, Scat Europe GmbH: PFAS – die Ewigkeitschemikalie. Unersetzlich oder schleichend tödlich?
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Einen Exkurs zum Thema PFAS gab es von Florian Köhler. Der langjährige Sicherheitsbeauftragte und Vertriebler bei Scat stellte im Schnelldurchlauf vor, was es mit den per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen auf sich hat, und wies auf die Umwelt- und Gesundheitsprobleme hin. Bekannt vor allem aus Alltagsprodukten wie Regenjacken oder Antihaftbeschichtungen in Pfannen, sind PFAS mittlerweile nahezu überall in der Umwelt nachweisbar und aufgrund ihrer Stabilität zurecht als „Ewigkeitschemikalien“ bekannt. „Früher hieß es ‚Ui toll, du hast eine Teflon-Pfanne.‘ Heute ist das anders, weil PFAS in Verruf geraten sind“, schilderte Köhler.
Um dem Thema im Labor Rechnung zu tragen, hat Scat eine neue Generation von Sicherheitskappen für Lösungsmittelflaschen entwickelt – und zwar ohne PFAS, genauer gesagt ohne den typischen Dichtungskunststoff PTFE. „Die Kappe ist trotzdem stabil, das war bisher nur mit PTFE möglich“, betonte Köhler in seinem Vortrag. Als Ersatz hat die Kappe einen Kern aus Polyetheretherketon (PEEK).
Der positive Umweltaspekt ist das eine. Wenn im Labor selbst PFAS-Analytik betrieben werden soll, sind die Kappen sogar notwendig, um eine Kontamination des Lösungsmittels mit fluorhaltigen Substanzen zu vermeiden. Andernfalls könnten Bestandteile wie PTFE die Messergebnisse verfälschen.
Validierung, durchgängig digitalisiert
Martin Alt, Quacx GmbH: Von CSV zu CSA – Validierung neu gedacht: digital, risikobasiert und automatisiert
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Bei Martin Alt von Quacx stand das Thema Validierung im Mittelpunkt. Er stellte vor, wie sich der Prozess perspektivisch durch spezielle Software unterstützen und erleichtern lässt. „Viele arbeiten noch in Word und Excel. Dadurch kommt es beim Übertragen von Daten zum Medienbruch und zu Übertragungsfehlern“, skizzierte Alt das aktuelle Bild im Laboralltag.
Am Praxisbeispiel des Chromatographiedatensystems (CDS) Chromeleon 7.3.2 erklärte er, wie ein durchgängiger digitaler Validierungsprozess aufgebaut werden kann. Das Ziel: Konfigurationsdateien automatisiert erzeugen und über definierte Schnittstellen in das CDS übertragen. Anschließend wird die dokumentierte Soll-Konfiguration automatisiert mit dem tatsächlichen Ist-Zustand des Systems verglichen. Abweichungen werden systematisch dokumentiert und die Ergebnisse bis in die Validierungsberichterstattung weitergeführt.
Chromatographie-Software, leicht gemacht?
Dr. Silvia Kindler, Knauer Wissenschaftliche Geräte GmbH: Knauer OS – HPLC Software neu gedacht! Muss das wirklich so kompliziert sein?
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Bevor validiert werden kann, braucht es eine Softwareumgebung. Diese stellte Dr. Silvia Kindler von Knauer vor. Sie präsentierte die HPLC-Software Knauer OS und erklärte, wie sich damit die Chromatographie-Auswertung erleichtern lässt. „Viele werden das kennen: Man hat sich mit der Zeit eine gewisse Struktur angeeignet, wie man Daten ablegt. Aber das braucht man hier gar nicht. Nutzer fügen alle Daten in eine einzige Quelle ein und arbeiten dann mit einfachen Filtern, Tags und Suchmasken, über die sich alle Daten schnell wiederfinden lassen“, schilderte Kindler.
Als weitere Besonderheit hob sie hervor, dass die Software keine Lizenzbeschränkung hat. „Wir können beliebig skalieren, von Einzelarbeitsplätzen bis zu Laborvernetzung.“ Für Universitäten bietet Knauer sogar eine kostenlose „Community Version“ an. Anfang 2027 sind weitere Features geplant, darunter ein Visualisierungstool, mit dem sich Messaufbauten grafisch darstellen lassen sowie eine 3D-Funktion für gekoppelte Chromatogramme.
Mit diesem Ausblick endete der erste Tag des Events. Jedenfalls der offizielle Teil. Viele der Teilnehmer hatten noch das anschließende gemeinsame Abendessen im Foyer des Säulensaals gebucht und ließen den Abend gemeinsam mit den Referenten in Ruhe ausklingen. Hier im Beitrag der ideale Moment, um sich durch die Bildergalerie zum Praxistag durchzuklicken:
Prof. Dr. Thomas Welsch, Universität Ulm: Säulentechnologie in der (U)HPLC – Schlüssel für hohe Auflösung und Geschwindigkeit
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Tag zwei startete mit einer weiteren Keynote, diesmal von Prof. Dr. Thomas Welsch, emeritierter Professor der Universität Ulm. Als HPLC-Experte war Welsch bereits bei zahlreichen Praxistagen dabei und teilte auch diesmal wieder seine Erfahrung mit dem Auditorium. Er gab einen Überblick zu den verschiedenen Parametern, mit denen sich die Trennung beeinflussen lässt: von der Fließgeschwindigkeit bis hin zur idealen Säulenpackung. Welsch hob dabei die Vorzüge von Core-Shell-Partikeln hervor, auch bekannt als pellikular oder Surface Porous Particles (SPP). Sie ermöglichten laut Welsch gleichmäßigere Packung und Flusswege sowie höhere Effizienz und Geschwindigkeit. Ihr Vorteil basiere unter anderem auf der einheitlicheren Partikelgröße im Vergleich zu vollporösen Silica, die typischerweise eine breitere Größenverteilung aufweisen.
Des Weiteren zeigte Welsch die Vorteile monolithischer Trennsäulen auf. Diese böten dank wesentlich höherer Permeabilität einen deutlich geringeren Druckabfall – im Vergleich zu partikelgepackten Säulen gleicher Trennleistung. Zudem ließen sich höhere Flussraten einstellen und damit geringere Analysezeiten realisieren.
Die Suche nach der analytischen Wahrheit
Dirk Böser, Tosoh Bioscience GmbH: Was Ihr HPLC‑Peak über Biomoleküle wirklich sagt – und was nicht
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Im Anschluss an Welschs Einstieg mit diversen Tipps zur besseren Trennleistung ging Dirk Böser von Tosoh Bioscience auf die Suche nach der analytischen Wahrheit in der Trennung großer Biomoleküle, und blickte dazu auf die Peaks im Chromatogramm. Was sieht man dort, und was sieht man womöglich nicht? Gerade bei komplexeren Trennungen solle man schon vorher genau überlegen, was man in der Probe für Analyten erwartet. Entsprechend gilt es dann, den geeigneten Detektor auszuwählen. Dies verdeutlichte Böser an der Größenausschlusschromatographie eines PEGylierten Proteins, bei dem auch Teile von freiem Polyethylenglykol (PEG) vorliegen: „Wenn ich nicht weiß, dass PEG enthalten sein kann, sehe ich es im Zweifel nie, weil ich nur einen UV-Detektor einsetze. Freies PEG sieht man aber im UV nicht, dafür braucht es RI-Detektion.“
Auch die Molekülgröße kann bei der Detektion zu Schwierigkeiten führen, wie der Experte betonte: „Bei zu großen Molekülen kann man an die Obergrenze der Detektorempfindlichkeit kommen. Dann muss man die Laserintensität entsprechend herunterregeln.“
Böser sensibilisierte dafür, die Daten (selbst)kritisch zu hinterfragen und auf mögliche Fehlerquellen in der Methode zu prüfen. „Oft findet man etwas im Chromatogramm, was da nie war – und man fragt sich, wo diese zusätzlichen Peaks herkommen. Manchmal waren die Peaks aber immer schon da und sind nur nicht mit dem Detektor erfasst worden, oder waren überlagert von anderen Peaks.“ Sein Tipp für mehr Sicherheit bei komplexen Trennungen: „Orthogonale Methoden und erweiterte Detektion verhindern Fehlinterpretationen.“
Methodenentwicklung 1: Literatur ist nur der Anfang
Dr. Andreas Loebers, VWR: Einblicke in die Praxis der HPLC-Methodenentwicklung
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Dr. Andreas Loebers von Avantor brachte dann den ersten von mehreren Beiträgen zum Thema Methodenentwicklung in der HPLC. Sein Fahrplan sah auf dem Papier ganz einfach aus:
Literaturrecherche
Screening
Optimierung der Applikation
Validierung der Methode (falls erforderlich)
Er machte auf die ein oder andere Hürde in der Methodenentwicklung aufmerksam und gab Tipps, wie sich Probleme frühzeitig erkennen und vermeiden lassen. So wies er auf die Bedeutung des pH-Wertes hin, der für die Trennung eine wichtige Rolle spielt. „Idealerweise sollten wir 2 pH-Einheiten entfernt vom pKs-Wert des Analyten arbeiten, mindestens eine pH-Einheit sollte es auf jeden Fall sein, weil sich ansonsten bereits kleine Änderungen im pH-Wert stark auf die Retentionszeit auswirken.“
Als einen der wichtigsten Parameter bei der Methodenentwicklung stellte Loebers die Wahl der Trennphase bzw. des Säulenmaterials heraus. Zu Beginn der Methodenentwicklung rät er, zunächst verschiedene Säulen zu testen. Das habe oft den größten Effekt auf die Auflösung. Wenn man eine gut funktionierende Säule gefunden hat (idealerweise bereits mit Basislinientrennung), kann man mit dem Feintuning fortfahren, also Parameter wie Druck, Lösungsmittel und Gradient anpassen. Oft hilft auch ein Blick in die Literatur bei geeigneten Startparametern. Doch Vorsicht: „Nur weil eine Applikation publiziert ist, muss es nicht die optimale Trennung für diesen Fall sein“, betont der Experte. Daher ist auch in solch einem Fall eine Methodenentwicklung nicht automatisch überflüssig.
Und passend zu diesem Credo ging es auch bei den folgenden Vorträgen um Feinheiten und Hilfen für die Methodenentwicklung in der HPLC.
Methodenentwicklung 2: Biphenylphase und mehr
Markus Adling, Restek GmbH: Von klassisch zu clever: Methodenentwicklung mit der Biphenyl-Phase – die bessere C18?
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Markus Adling setzte den Fokus in seiner Präsentation auf die Biphenylphase. „Das Besondere an dieser Phase sind die beiden Phenylringe, die frei drehbar verbunden sind. Wir haben hier hervorragende Wechselwirkungen mit anderen Aromaten und ungesättigten Verbindungen“, erläuterte Adling.
Die Vorteile von Biphenyl- gegenüber klassischen C18-Phasen: Sie bieten den höchsten Grad der Polarisierbarkeit, funktionieren mit 100% wässrigen Bedingungen und sind selektiver für aromatische und dipolare substituierte elektronenziehende Gruppen sowie kondensierte Ringverbindungen. Welche Säule wie gut geeignet ist, findet man aber immer noch am besten in einem Test im eigenen Labor heraus. „Bei Restek bekommen Sie immer eine Testsäule. Die muss bei Ihnen dann erstmal beweisen, was sie kann“, sagte Adling und ergänzte mit Blick auf die Methodenentwicklung: „Verlassen Sie sich aber nicht nur auf einen einzigen Säulenhersteller. Nehmen Sie bei der Validierung immer einen Hersteller B rein und validieren Sie diesen mit. Dann können Sie auf diesen wechseln, falls es mit dem ersten Hersteller einmal Probleme geben sollte – zum Beispiel weil eine Säule nach vielen Jahren nicht mehr produziert wird.“
Zum Schluss zeigte Adling noch den Chromatogramm-Modellrechner „Pro EZLC“. Hier kann man sich nach kostenfreier Anmeldung Beispiel-Chromatogramme für Pestizide, Cannabinoide, PFAS, Suchtstoffe und Nitrosamine berechnen lassen. Durch Anpassen von stationärer und mobiler Phase können so schon die ersten Planungsschritte einer Methodenentwicklung am Rechner simuliert werden. Was im Modell vielversprechend aussieht, kann ein guter Startpunkt für die praktischen Experimente sein.
Methodenentwicklung 3: Wahl der passenden RP-Säule
Dr. Dennis Kühbeck, Altmann Analytik GmbH & Co. KG: Die richtige Wahl Ihrer RP-Säule: Wie Sie mit verschiedenen Modifikationen von RP- Säulen an Ihr Ziel gelangen
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Von den Biphenyl-Phasen ging es weiter zu RP-Säulen. Dr. Dennis Kühbeck von Altmann Analytik führte in seinem Vortrag durch die verschiedenen Modifikationen von Reversed-Phase-Säulen.
„Oft hat man noch eine klassische C18-Säule im Labor rumliegen und kann damit einen ersten Test für die Methodenentwicklung machen“, sagte Kühbeck. Der Vorteil: „Die sind etabliert und gut erforscht – es gibt schon sehr viele Applikationen in der Literatur, die man leicht mit einer C18-Phase abdecken kann.“
Passend dazu stellte Kühbeck die verschiedenen Phasen vor: von der klassischen endcapped C18-Säule – dem universellen „Workhorse“ für rein hydrophobe Trennungen –, über non-endcapped Phasen für unpolare Verbindungen bis zu polar-embedded Phasen, um basische Analyten bei neutralem pH-Wert ohne Peak-Tailing zu trennen.
Seine Take-Home-Message: „Am besten steuert man die Auflösung über die Selektivität. Minimale Veränderung in der Selektivität hat bereits einen großen Effekt – eine andere Phase zu nehmen ist daher oft ein guter Ansatz für die Optimierung der Trennung.“ Eine Übersicht der verschiedenen Phasentypen gibt es übrigens auf den Seiten von Altmann Analytik.
Störungsfrei durch die Bioanalytik
Sabine Bortenschlager-Bräu, YMC Europe GmbH: Von kleinen Molekülen bis zu Biopharmazeutika – Die Vorteile (bio)inerter UHPLC-Säulen für sichere und zuverlässige Analytik
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Einen neuen Schwerpunkt setzte Sabine Bortenschlager-Bräu von YMC Europe. Sie behandelte die Vorteile (bio)inerter UHPLC-Säulen für sichere und zuverlässige Analytik, insbesondere bei Pharmazeutika. Dort gibt es viele Spezies, die mit den Metallionen der Säule Chelatkomplexe bilden und so teilweise deutlich verzögert oder gar nicht von der Säule kommen. Klassisch ist man diesem Problem begegnet, indem man die Säule in mehreren Vorläufen mit der Probe gesättigt hat. Statt diese zeitaufwendige Methode zu nutzen, bieten sich bioinerte Säulen an, die ab der ersten Fraktion reproduzierbare Ergebnisse ermöglichen.
Bei der Analytik von Biomolekülen kann sich der Einsatz einer solchen Spezialsäule also schnell rentieren – selbst wenn das restliche HPLC-System nicht bioinert ist. „70 Prozent der substanzberührenden Oberfläche geht auf die Säule zurück. Damit ist sie besonders stark verantwortlich für die störenden Metallwechselwirkungen bei chelatbildenden Analyten“, betonte Bortenschlager-Bräu. Die besten Ergebnisse bei der Trennung von Chelatbildnern brächten natürlich komplett bioinerte Systeme.
Optimierungspotenziale der HPLC
Christian Gotenfels, Agilent Technologies: Kurze Übersicht über neue LC-Technologien für besonders herausfordernde Problemstellungen
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Es folgte Christian Gotenfels von Agilent Technologies. Er gab eine kurze Übersicht über neue LC-Technologien für besonders herausfordernde Trennungen. Dabei zeigte er die Besonderheiten der Fluoreszenzdetektion auf, die im vorigen Jahr der Kern seines Vortrags waren.
Ein neues Highlight war der High Dynamic Range Diode Array Detector (HDR-DAD). Dieses System kombiniert eine 3,7-mm- und 60-mm-Max-Light-Flusszelle und ermöglicht damit einen deutlich weiteren linearen Bereich. Laut Gotenfels erreicht man so eine 30-mal niedrigere Nachweisgrenze (LOD) für die Analyse von Verunreinigungen sowie ein 3-fach höheres oberes Detektionslimit – und das zusammen in einer Messung. Im Übergangsbereich zwischen niedrigen und hohen Signalwerten kombiniert das System die Daten aus den zwei Flusszellen und ermittelt rechnerisch einen gewichteten Messwert: Die 60-mm-Flusszelle übernimmt bei niedrigen Werten, die 3,7-mm-Zelle bei hohen. So lassen sich Proben in einem einzigen Durchgang messen, in denen Analyten mit hohem und Analyten mit sehr niedrigem Konzentrationsbereich gemeinsam vorkommen.
Methodenentwicklung 4: Software findet die optimalen Parameter
Christian Schnattinger, Shimadzu Deutschland GmbH: Intelligente Methodenentwicklung – Trends für die (U)HPLC im Labor der Zukunft
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Gab es eigentlich schon genug Vorträge zur Methodenentwicklung? Christian Schnattinger von Shimadzu fand: nein – und ging ein letztes Mal auf die Tricks und Kniffe ein, um schnell eine neue Trennaufgabe zu bewältigen. Er zeigte eine Roadmap zur Methodenentwicklung. Was tue ich wann und wie lange dauert es ungefähr?
„Typischerweise braucht es vier bis fünf Wochen zur neuen Methode, mit Erfahrung geht es schneller, wer wenig Erfahrung hat, kann auch länger brauchen“, schätzte Schnattinger. Um Anwender bei der Methodenentwicklung zu unterstützen, empfahl er den Einsatz entsprechender Software. Er verglich das manuelle Methoden-Scouting mit dem Software-gestützten und zeigte, wie sich etwa beim Erstellen von Methoden- und Batch-Files durch einen automatisierten Prozess Zeit sparen lässt. Statt mehrerer Stunden gelingt dies in wenigen Minuten.
Zur Methodenoptimierung stellte Schnattinger ein Tool für das Design of Experiments vor, mit dem sich aus einigen wenigen Testmessungen ein Parameterraum berechnen lässt, der das Auffinden der optimalen Einstellungen für die jeweilige Trennung erleichtert. Eine digitale Gradientensimulation zeigt sogar in Echtzeit und anhand eines simulierten Chromatogramms, wie sich Änderungen im Gradienten auf die Trennung auswirken würden. Anwender können einen Punkt im Gradienten per Mausklick und Drag and Drop verschieben und direkt sehen, wie dies das Chromatogramm beeinflusst.
Nach fest kommt ab, normalerweise – ein Live-Test
Dr. Frank Steiner und Sylvia Grosse, Thermo Fisher Scientific: Mehr aus Ihrer HPLC herausholen: Tipps, Tricks und Lösungen
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Nach den zahlreichen Frontal-Vorträgen wählten Dr. Frank Steiner und Sylvia Grosse von Thermo Fisher Scientific einen etwas anderen Ansatz und verließen für ihren Auftritt die Bühne, um in den Sitzreihen des Auditoriums diverse Vials und Fittings zu verteilen. Mit diesem Hands-on-Ansatz stellten sie unter anderem die Vial Bottom Detection vor: eine technische Lösung, bei der die Injektionsnadel vorsichtig bis zum Boden des Vials fährt, den Widerstand erkennt und dann ein paar Mikrometer zurückfährt, um die Probe zu entnehmen. Dies verringert Probenverluste und gleicht kleine Unterschiede in der Vial-Form aus, da für jedes Gefäß individuell die Höhe der Injektionsnadel eingestellt wird.
Bei den Fittings wurde es dann einmal kurz ganz still im Saal, als Grosse durchdrehte – nicht sie selbst, sondern die Verschlusskappe. Dank spezieller Technik in der Verschlusskappe ist ein „zu fest“ ziehen des Fittings nicht mehr möglich, es klickt einfach und der Anwender weiß damit, dass der Verschluss mit genau der richtigen Kraft festgeschraubt ist.
Silvia Grosse verteilt einige Testobjekte unter den Teilnehmern, während ihr Kollege Dr. Frank Steiner (nicht im Bild) von der Bühne aus weiter referiert.
(Bild: VCG – Lüttmann)
Im Saal durften die Teilnehmer selbst testweise am Fitting „durchdrehen“, bis man überall das Klicken hörte. Das Prinzip ist von Drehmomentschlüsseln bekannt, nun sitzt die Technik direkt in der Hülse. „Wir selbst haben zum Testen 300-mal rein- und rausgeschraubt und immer wieder Messungen gemacht, ob das Fitting noch das tut, was es tun soll“, schilderte Grosse. Sie und ihr Sparringspartner Steiner lockerten mit dem interaktiven Teil die Stimmung spürbar auf und brachten für die letzten Beiträge des Tages noch einmal neue Energie in die Runde.
HPLC-Troubleshooting 4.0: Mit Daten zu mehr Prozesssicherheit
Mike Hillebrand, Hi-Analysis GmbH: HPLC-Troubleshooting 4.0 – Vom Fehlerbild zur datenbasierten Systemüberwachung
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Das Finale des Praxistages bestritt schließlich ein Trio, bestehend aus Mike Hillebrand von Hi-Analysis, Feiyang Li von YMC Europe und nochmals Martin Alt von Quacx. Thema des Schlussvortrags: HPLC-Troubleshooting 4.0 – Vom Fehlerbild zur datenbasierten Systemüberwachung
Hillebrand stellte diesen einen (stereo)typischen Kollegen im Labor vor, den immer alle fragen, wenn die HPLC wieder Probleme macht – hier als „Herr Müller“ benannt. „Doch Herr Müller ist im Urlaub“, erzählte Hillebrand mit einem Augenzwinkern. Was also tun bei HPLC-Problemen?
Hillebrand nahm die Teilnehmer dazu mit in ein zukünftiges Labor, in dem mithilfe der gemessenen Daten vorausschauend ermittelt wird, wenn das System aus der Bahn läuft. „Oft kündigt sich ein Fehler frühzeitig in den Daten an, etwa in einem Trend beim Basislinienrauschen oder in der Druckpulsation“, betonte Hillebrand. Liegen Referenzdaten und aktuelle Messdaten vor, lassen sich daraus Schlüsse für den Ist-Zustand des Systems ziehen – und Maßnahmen ableiten.
Fahrplan zur Fehlersuche: ein Troubleshooting-Poster, das es am Stand von Hi-Analysis zum mitnehmen gab.
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
An welcher Stelle im HPLC-Prozess es hakt, und was typische Lösungen sind, das können Anwender zum Beispiel einem HPLC-Troubleshooting-Poster entnehmen, das frei als Download zur Verfügung steht und von Hillebrand auch beim Praxistag verteilt wurde. „Eine häufige Fehlerquelle bei der HPLC ist die Säule selbst“, schilderte Hillebrand. „Säulen verändern sich mit Nutzung und Belastung. Davon kann Feiyang Li ein Lied singen“, leitete er auf den nächsten Referenten über.
„Keine Sorge, ich werde nicht singen“, beschwichtigte dieser. Dafür zeigte Li in seinem Part, woran man erkennt, dass eine Säule altert.
Herr Müller ist im Urlaub, die Säulen laufen aber weiter.
Feiyang Li, YMC Europe GmbH: HPLC-Troubleshooting 4.0, Teil 2
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
„Wie lange eine Säule überleben wird, hängt vor allem davon ab, was Sie mit der Säule im Labor machen und wie stark die Säule genutzt wird“, betonte Li. Er ging auf drei wesentliche Prozesse der Säulenalterung ein:
Partikuläre oder stark adsorbierende Kontamination
Chemischer Stress auf Materialien oder Oberflächenchemie
Mechanischer Stress auf Partikel, Säulenbett und Hardware
„Testläufe sollten Sie bei kritischen Analysen am besten nach jeder Sequenz machen. Zumindest jede Woche einmal ist empfehlenswert“, riet der Experte. Der Vergleich mit den Referenzdaten zeigt dann, ob die Säule noch die erforderliche Leistung erbringt.
Herr Müller ist noch immer im Urlaub. Die Sequenz läuft weiter.
Martin Alt, Quacx GmbH: HPLC-Troubleshooting 4.0, Teil 3
(Bild: VCG – C. Lüttmann)
Den Abschluss des Praxistages HPLC bildete Martin Alt. Er warf einen näheren Blick auf die Software und Überwachungslogik zu einer prädiktiven Auswertung von Messdaten. „Unser Ziel ist nicht, Erfahrung durch einen Algorithmus zu ersetzen. Wir fragen uns: wie verhält sich das System normalerweise?“, betonte Alt. „Nach jeder relevanten Injektion beantwortet die Logik Herrn Müllers Fragen erneut. Das Ergebnis ist eine Handlungsempfehlung, keine ungeprüfte Ursachenfeststellung.“
Am Ende des Vortrages kam dann auch Herr Müller endlich aus dem Urlaub zurück. „Fehlermeldungen findet er keine vor, sondern die richtigen Fragen bereits beantwortet“, schloss Alt seinen Vortrag.
Im Mai 2027: Werksführung bei Knauer
Und während Herr Müller aus dem Urlaub zurückkam, hatten sich die Teilnehmer des Praxistages definitiv einen kleinen Urlaub verdient, oder zumindest das nächste Wochenende. Zwei Tage voller Input wollen schließlich erst einmal verarbeitet werden. Und das möglichst bald, denn der nächste Praxistag HPLC ist bereits für den 11. und 12. Mai 2027 geplant.