Lyme Borreliose Zeckenbisse: Körpereigene Abwehr von Borrelien
Ein Zeckenbiss kann gefährlich werden – das weiß so ziemlich Jeder. Hierzulande sind die lästigen Plagegeister v.a. als Überträger von Lyme Borreliose und der Frühsommer-Meningitis FSME gefürchtet. Bei eine Infektion mit Borrelien ist v.a. der unentdeckte chronische Verlauf gefährlich. Doch der Körper wehrt sich gegen die Eindringlinge. Wie genau, das haben Forscher am Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) nun herausgefunden.
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Hamburg – Das Bakterium Borrelia burgdorferi ist Verursacher der Lyme Borreliose, einer durch Zecken übertragenen Erkrankung, die Haut, Gelenke und Nervensystem betreffen kann. Eine unentdeckte Infektion mit Borrelien kann dabei zu einem chronischen Verlauf führen.
Die Aufnahme und der intrazelluläre Abbau von Borrelien durch menschliche Immunzellen wie Makrophagen sind deshalb ausschlaggebend für die Bekämpfung einer Infektion. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) konnten nun entscheidende Schritte des intrazellulären Abbaus von Borrelien in Makrophagen aufklären – die Erreger werden in einer Art „grüner Tonne“ entsorgt.
Zelluläre „grüne Tonne“: Wie der Körper Borrelien abbaut
Bei ihrer Aufnahme in Makrophagen werden die langgestreckten Borrelien mit einer intrazellulären Membran-Hülle ummantelt. Die stetige Abschnürung kleiner Membran-Anteile führt dabei zu einer kugelförmigen Verdichtung der Borrelien, einem entscheidenden Schritt, der zum vollständigen Abbau der Bakterien führt.
„Zugleich wird durch diese Verdichtung wieder Membran recycelt, die dann für weitere Aufnahme-Prozesse zur Verfügung steht – die Borrelien werden also quasi in einer zellulären ´grünen Tonne´ in Makrophagen verarbeitet“, erläutert Prof. Dr. Stefan Linder, Institut für medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene. Sein UKE-Forscherteam konnte nun wichtige Schlüsselmoleküle identifizieren, die an der Schnittstelle des intrazellulären Borrelien-Abbaus und des Membran-Recyclings in menschlichen Makrophagen stehen.
Ansatzpunkte zur Bekämpfung weiterer Infektionen?
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Sorting Nexin-3 (SNX3), ein Molekül, das als Andockstelle für die zelluläre Reycling-Maschinerie dient. SNX3 bindet eine spezielle Fettsäure im Membranmantel um die Borrelien und aktiviert weitere Proteine, die den Abbau der Borrelien fördern. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass die durch SNX3 gebundene Fettsäure sich bevorzugt an gekrümmten Membranen anreichert. „Die schraubenähnliche Form der Borrelien und die mehrfach gekrümmte Membranhülle stellen direkte Angriffspunkte zum gezielten und effizienten Abbau der Bakterien in Makrophagen dar“, erläutert Prof. Linder, dessen wissenschaftliche Arbeiten durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden.
Diese Befunde sind möglicherweise auch auf andere schraubenförmige Bakterien wie Treponema oder Legionella übertragbar und könnten daher neue Ansatzpunkte zur Bekämpfung entsprechender Infektionen bieten, so Prof. Linder.
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Vorsicht vor Zeckenbissen
Eine Infektion mit Borrelien tritt fast ausschließlich in den Sommermonaten als Folge von Zeckenstichen auf.
Um die Gefahr einer Übertragung von Borrelien bei einem Zeckenbiss zu minimieren, gilt es einiges zu beachten:
- Eine zeitige Entfernung der Zecken kann eine Übertragung der Borrelien verhindern, da diese erst nach mehrstündiger Saugaktivität stattfindet.
- Auf keinen Fall sollten Zecken bei der Entfernung gequetscht oder gestresst werden (z.B. durch Öl), da dies die Wahrscheinlichkeit einer Infektion steigert.
- Die überwiegende Mehrheit der Borrelien-Infektionen führt zu einer Rötung der Haut, die sich ringförmig um die Einstichstelle ausbreitet.
- Bei Auftreten dieser Hautrötung sollte umgehend der Hausarzt aufgesucht werden, da sich die Infektion in diesem Stadium sehr gut antibiotisch behandeln lässt, raten die UKE-Mikrobiologen.
Originalpublikation: Klose, M., Salloum, J.E., Gonschior, H., Linder, S. (2019). SNX3 drives maturation of Borrelia-containing phagosomes by forming a hub for PI (3)P, Rab5a and galectin-9. J. Cell Biol. DOI: 10.1083/jcb.201812106
* S. Lemm: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 20251 Hamburg
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