Probentransport: Geschwindigkeitsrekord der Formel 1 erreicht
Die winzigen Kristalle werden üblicherweise in einem Wasserstrahl in den Pfad des Röntgenlasers gesprüht. Auch Wasser verdampft durch den Blitz, und somit muss sich ein intakter Wasserstrahl rechtzeitig vor dem nächsten Blitz wieder ausbilden. „Wir haben die Geschwindigkeit des Wasserstrahls, der die Proben transportiert, auf bis zu 100 Meter pro Sekunde beschleunigt – das entspricht ungefähr dem Geschwindigkeitsrekord in der Formel 1“, erläutert Max Wiedorn vom CFEL, der mit seinem Institutskollegen Dominik Oberthür für diesen Probentransport verantwortlich war. Eine maßgeschneiderte Düse sorgte dabei für einen stabilen Wasserstrahl mit den nötigen Eigenschaften.
Eine der schnellsten Röntgenkameras der Welt
Um die Beugungsbilder in schneller Folge aufzuzeichnen, hatte ein internationales Konsortium unter Leitung von DESY-Wissenschaftler Heinz Graafsma in jahrelanger Arbeit eine der schnellsten Röntgenkameras der Welt entworfen und gebaut, maßgeschneidert für den European XFEL. Anders als bei gewöhnlichen Digitalkameras besitzt beim „Adaptive Gain Integrating Pixeld Detector“ (AGIPD) jedes Pixel 352 eigene Speicherzellen, die dann in einem Durchgang ausgelesen werden. Zudem lässt sich die Empfindlichkeit jedes einzelnen Pixels individuell regeln. So kann der Detektor nicht nur mit der ultraschnellen Pulsrate des European XFEL mithalten, sondern auch einen enormen Empfindlichkeitsbereich abdecken und damit feinste Variationen in den Beugungsmustern darstellen.
„Die Anforderungen des European XFEL sind so einzigartig, dass der Detektor von Grund auf neu entworfen und für diese Aufgabe maßgeschneidert werden musste“, berichtet Graafsma, der die Detektorgruppe im DESY-Forschungsbereich Photon Science leitet und Professor an der Mittelschwedischen Universität in Sundsvall ist. „Das war nur dank der umfassenden Expertise und fruchtbaren Kooperation des gesamten großen Teams möglich.“
Leistungsfähigkeit des Röntgenlasers bestätigt
Die Forscher testeten die neue Anlage zunächst mit einer sehr gut untersuchten Substanz, dem Enzym Lysozym aus Hühnereiweiß. Tatsächlich passt die am European XFEL bestimmte Struktur, die feine Details von bis zu 0,18 Nanometern (millionstel Millimetern) zeigt, perfekt zu der bereits mit hoher Detailgenauigkeit bekannten Struktur des Enzyms.
„Das ist eine exzellente Bestätigung der Leistungsfähigkeit der Anlage“, unterstreicht Röntgenlaser-Pionier Henry Chapman, Leitender Wissenschaftler bei DESY und Professor an der Universität Hamburg. „Wir sind begeistert von der Geschwindigkeit der Analyse: Experimente, die sonst Stunden in Anspruch genommen haben, lassen sich jetzt in ein paar Minuten durchführen, wie wir gezeigt haben. Und der von uns verwendete Aufbau lässt sich sogar noch weiter optimieren, wodurch die Messgeschwindigkeit noch zusätzlich steigt. Der European XFEL bietet glänzende Aussichten für die Erkundung des Nanokosmos.“
Die beeindruckende Leistung des Röntgenlasers ist insbesondere auch ein Erfolg des DESY-Beschleunigerteams, das den Bau des weltweit längsten supraleitenden Linearbeschleunigers geleitet hat, der den European XFEL antreibt und auch vom DESY-Beschleunigerkontrollraum aus gesteuert wird.