Der Boden atmet – und trübt die CO2 Bilanz wohl stärker als bislang angenommen. Wie Forscher in einer neuen Studie zeigen, werden die CO2-Emissionen durch Bodenmikroben bis Ende des Jahrhunderts stark zunehmen. Ursachen sind zunehmende Wärme aber auch veränderte Bodenfeuchtigkeit.
Das Rasterelektronenmikroskop-Bild zeigt eine Bakterien-Kolonie (bläulich gefärbt) um eine wenige Mikrometer kleine Wurzel (braun) im Boden. Das Bild stellt dar, wie Bakterien und Mikroben-Gemeinschaften den CO2-Ausstoß aus dem Boden durch heterotrophische Atmung beeinflussen: Im Boden befinden sich Bodenkörner, denen Mikroben-Gemeinschaften anhaften, die den gelösten Sauerstoff O2 und organischen Kohlenstoff DOC aus organischer Substanz (OM) verarbeiten.
(Bild: Grafik: Springer Nature / Institut für Umweltingenieurwissenschaften)
Der Anstieg der Kohlenstoffdioxid (CO2)-Konzentration in der Atmosphäre ist ein Hauptauslöser der globalen Erderwärmung – zirka ein Fünftel des CO2 in der Atmosphäre stammt aus Quellen im Boden. Dies ist zum Teil auf die Aktivität von Mikroorganismen wie Bakterien, Pilzen und weiteren Kleinstlebewesen zurückzuführen, die im Boden mithilfe von Sauerstoff organisches Material (z. B. abgestorbene Pflanzenteile) zersetzen. Während dieses Prozesses wird CO2 in die Atmosphäre freigesetzt, was in der Wissenschaft als heterotrophe Bodenatmung bekannt ist.
Ein Team von Forschenden der ETH Zürich, der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, des Wasserforschungsinstituts des ETH-Bereichs, Eawag, und der Universität Lausanne hat nun einer gemeinsame Studie zu Bodenmikroben und deren Treibhausgaswirkung veröffentlicht. Die Forscher haben gezeigt, dass die CO2-Emissionen, die Bodenmikroben in die Erdatmosphäre abgeben, bis zum Ende dieses Jahrhunderts nicht nur zunehmen, sondern sich auch weltweit beschleunigen werden.
Anhand einer Modellrechnung kommen die Experten zu dem Ergebnis, dass die CO2-Emissionen von Bodenmikroben bis zum Jahr 2100 drastisch ansteigen werden. Beim ungünstigsten Klimaszenario könnten sie weltweit einen Anstieg von bis zu rund vierzig Prozent er-reichen – im Vergleich zu den heutigen Werten. „Der prognostizierte Anstieg der mikrobiellen CO2-Emissionen wird also weiter zur Verschärfung der globalen Erwärmung beitragen. Das unterstreicht die dringende Notwendigkeit, genauere Hochrechnungen der heterotrophen Atmungsintensität zu erhalten“, sagt Alon Nissan, Hauptautor der Studie und ETH-Fellow am ETH-Institut für Umweltingenieurwissenschaften.
Die Ergebnisse bestätigen nicht nur frühere Studien, sondern sie liefern auch genauere Erkenntnisse über die Mechanismen und das Ausmaß der heterotrophen Bodenatmung in den verschiedenen Klimazonen. Im Gegensatz zu anderen Modellen, die sich auf zahlreiche Parameter stützen, vereinfacht das neue, von Nissan entwickelte, mathematische Modell die Hochrechnungen, indem es bloß zwei entscheidende Umweltfaktoren verwendet: Bodenfeuchtigkeit und Bodentemperatur.
Der Fortschritt des Modells besteht zudem darin, dass es alle biophysikalisch relevanten Ebenen umfasst, von der Mikroebene der Bodenbeschaffenheit und der Wasserverteilung im Boden bis hin zu Pflanzengemeinschaften wie Wäldern, ganzen Ökosystemen, Klimazonen und sogar der globalen Skala. Peter Molnar, Professor am ETH-Institut für Umweltingenieurwissenschaften, unterstreicht die Bedeutung des theoretischen Modells, das die großen Erdsystemmodelle ergänzt, wie folgt: „Von der Bodenfeuchte und Bodentemperatur ausgehend erlaubt das Modell, dass wir die mikrobielle Atmungsintensität viel einfacher abschätzen können. Außerdem verbessert es unser Verständnis dafür, wie die heterotrophe Atmung in verschiedenen Klimaregionen zur globalen Erwärmung beiträgt.“
Nicht nur Wärme sorgt für mehr CO2-Bildung im Boden
Ein Hauptergebnis der von Molnar und Nissan geleiteten Forschungszusammenarbeit ist, dass der Anstieg der mikrobiellen CO2-Emissionen in den verschiedenen Klimazonen unterschiedlich ausfällt. In den kalten Polarregionen trägt vor allem der Rückgang der Bodenfeuchtigkeit zum Anstieg bei und weniger ein deutlicher Temperaturanstieg. Das ist anders in den warmen und gemäßigten Zonen. Nissan verweist auf die Empfindlichkeit der Kältezonen: „Schon eine geringe Änderung des Wassergehalts kann in den Polarregionen zu einer erheblichen Veränderung der Atmungsintensität führen.“
Ihren Berechnungen zufolge werden die mikrobiellen CO2-Emissionen in den Polarregionen unter dem ungünstigsten Klimaszenario bis zum Jahr 2100 voraussichtlich um zehn Prozent pro Jahrzehnt ansteigen, also doppelt so schnell wie im Rest der Welt. Diese Diskrepanz lässt sich auf die optimalen Bedingungen für die heterotrophe Atmung zurückführen, die dann auftreten, wenn sich die Böden in einem „halbgesättigten“ Zustand befinden, also weder zu trocken noch zu nass sind. Diese Bedingungen herrschen in den Polarregionen vor, wenn die Böden auftauen.
Demgegenüber weisen Böden in anderen Klimazonen, die bereits vergleichsweise trocken sind und zu weiterer Austrocknung tendieren, einen vergleichsweise geringeren Anstieg der mikrobiellen CO2-Emissionen auf. Unabhängig von der Klimazone bleibt der Einfluss der Temperatur jedoch der gleiche: Mit steigender Bodentemperatur steigt auch die Emission des mikrobiellen CO2.
Stand: 08.12.2025
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Bis zu 50 Prozent mehr CO2 durch Mikroben im Jahr 2100
Die Grafik (l.) zeigt, dass die heterotrophe Bodenatmung seit 1980 zunimmt, wobei sie in den Polarzonen doppelt so stark ansteigt (blaue Linie) wie der durchschnittliche Anstieg aller Klimazonen (schwarze Linie). Grafik (r.): In Zukunft dürfte der mikrobielle CO2-Ausstoß aus den Böden noch stärker ansteigen, nämlich um rund 40 Prozent bis 2100 gemäß einer neuen Modellhochrechnung. In den Polarregionen wird der Anstieg deutlich höher sein. (Grafiken: Springer Nature / ETH-Institut für Umweltingenieurwissenschaften / Bild: Adobe Stock, Bearbeitung: Hochschulkommunikation ETH Zürich)
(Bild: Springer Nature / ETH-Institut für Umweltingenieurwissenschaften / Adobe Stock)
Im Jahr 2021 stammten die meisten CO2-Emissionen von Bodenmikroben hauptsächlich aus den warmen Regionen der Erde. Im Einzelnen entfielen 67 Prozent dieser Emissionen auf die Tropen, 23 Prozent auf die Subtropen, 10 Prozent auf die gemäßigten Zonen und nur 0,1 Prozent auf die arktischen oder polaren Regionen.
Die Forscher rechnen mit einem erheblichen Anstieg der mikrobiellen CO2-Emissionen in allen Regionen im Vergleich zu den im Jahr 2021 beobachteten Werten. Bis zum Jahr 2100 prognostizieren sie einen Anstieg von 119 Prozent in den Polarregionen, 38 Prozent in den Tropen, 40 Prozent in den Subtropen und 48 Prozent in den gemäßigten Zonen.
Quelle oder Senke für CO2?
Die Kohlenstoffbilanz in Böden, die den Ausschlag gibt, ob Böden eine Kohlenstoffquelle oder -senke darstellen, hängt vom Zusammenspiel zweier entscheidender Prozesse ab: der Photosynthese, bei der Pflanzen CO2 aufnehmen, und der Atmung, die CO22freisetzt. Daher ist die Untersuchung der mikrobiellen CO2-Emissionen von entscheidender Bedeutung, um zu verstehen, ob die Böden in Zukunft CO2 speichern oder freisetzen werden.
„Aufgrund des Klimawandels ist das Ausmaß dieser Kohlenstoffflüsse – sowohl des Zuflusses durch die Photosynthese als auch des Abflusses durch Atmung – ungewiss. Ihr Ausmaß wird sich jedoch auf die Rolle der Böden auswirken, die heute noch eine Kohlenstoffsenke sind“, erklärt Nissan.
In ihrer laufenden Studie haben sich die Forscher in erster Linie auf die heterotrophe Atmung konzentriert. Die CO2-Emissionen, die Pflanzen durch autotrophe Atmung abgeben, haben sie noch nicht untersucht. Die weitere Erforschung dieser Faktoren wird ein umfassenderes Verständnis der Kohlenstoffdynamik in Bodenökosystemen ermöglichen.