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Betriebliche Altersvorsorge: So sorgen Sie richtig vor

| Autor/ Redakteur: Matthias Ruppert* / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

 // Gesetzliche Rente, private Vorsorge oder Riesterrente: Arbeitnehmer haben viele Möglichkeiten, mit denen sie für das Rentenalter vorsorgen können. Wir stellen die betriebliche Altersvorsorge vor.

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Abb.1: Arbeitnehmer sollten dafür sorgen, dass sie im Alter finanziell abgesichert sind.
Abb.1: Arbeitnehmer sollten dafür sorgen, dass sie im Alter finanziell abgesichert sind.
(Bild: ©vegefox.com - stock.adobe.com)

Laut dem Gehaltsreport IT und Industrie, den die Vogel Communications Group 2018 durchgeführt hat, verdienen Mitarbeiter in der Labor- und Analysentechnik im Vergleich z.B. zur IT-Branche weniger. Aus diesem Grund sollten sich die Labormitarbeiter intensiv Gedanken über die Zeit nach ihrer Berufstätigkeit machen. Denn: Vorsorgen sollte jeder. Gerade im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen müssen Arbeitnehmer befürchten, dass ihre gesetzliche Rente nicht ausreichen wird, um einen späteren, angenehmen Lebensabend zu verbringen. Neben gesetzlicher Rente und privater Vorsorge dient auch die betriebliche Altersvorsorge (bAV) dazu, sich für das Alter abzusichern.

Formen der betrieblichen Altersvorsorge

Die bAV kann auf fünf Wegen durchgeführt werden: in Form einer Direktversicherung, Pensionszusage, Unterstützungskasse, eines Pensionsfonds oder einer Pensionskasse. Größere (Industrie-) Unternehmen verfügen zumeist über mehrere Durchführungswege. Bei der Durchführung über eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds wie auch bei der Direktversicherung müssen Unternehmen seit 1. Januar 2019 bei Entgeltumwandlungen zur bAV einen Arbeitgeberzuschuss leisten. Dieser Zuschuss liegt bei 15 Prozent und wird aus den Sozialversicherungsbeiträgen finanziert, die der Arbeitgeber durch die Entgeltumwandlung des Arbeitnehmers einspart.

Um bestmöglich auf einzelne Arbeitnehmer zugeschnitten zu sein, ist es möglich, die bAV individuell zu gestalten. Auf diese Weise kann der Arbeitgeber zum Beispiel die Dauer der Unternehmenszugehörigkeit oder besondere Leistungen des Arbeitnehmers würdigen und so ausgewählten Mitarbeitern seine Wertschätzung ausdrücken. Auch wenn Mitarbeiter bereits bei der vorherigen Arbeitsstelle einen Vertrag abgeschlossen haben, kann die vorhandene Versorgung in das Versorgungssystem des neuen Arbeitgebers übernommen oder integriert werden. Dem neuen Arbeitgeber obliegt jedoch die Entscheidung, welche Art von bAV seiner neuen Mitarbeiter er übernehmen möchte.

Viele Branchen haben ganz bestimmte Regelungen

In großen Industrieunternehmen ist sehr häufig eine komplett oder zu Teilen vom Unternehmen finanzierte Vorsorge für die Mitarbeiter zu finden. Dies gilt besonders auch für die Chemie- und Pharmabranche, die die bAV per Tarifvertrag geregelt hat. In der chemischen Industrie wird die bAV zum Beispiel durch die jährliche Einmalzahlung oder den Demografiebeitrag gefördert. Soweit diese Anschubfinanzierungen genutzt sind, kann weiteres Entgelt umgewandelt werden, das mit 13 Euro pro 100 Euro Umwandlungsbetrag zusätzlich bezuschusst wird. Typischerweise nutzen auch die tarifungebundenen Unternehmen der Chemiebranche dieses umfangreiche Fördersystem.

Die große Anzahl von Mitarbeitern in Industrieunternehmen ermöglicht zumeist den Abschluss von Kollektivversicherungsverträgen. Diese ermöglichen es den Arbeitgebern günstigere Konditionen und besonders bei der Berufsunfähigkeitsabsicherung vereinfachte Aufnahmeverfahren zu erreichen. Dies erspart den Arbeitnehmern, sich einer Gesundheitsprüfung mit detaillierten Fragestellungen unterziehen zu müssen, wenn sie trotz üblicher Wehwehchen eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchten.

Betriebsrentenstärkungs- gesetz: Was ist das?

Für die betriebliche Altersversorgung von besonderer Bedeutung ist auch das am 1. Januar 2018 in Kraft getretene Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG), mit dem der Gesetzgeber das Ziel verfolgt, die bAV weiter zu verbreiten. Kern des BRSG ist das Sozialpartnermodell (SPM), das sich direkt an Tarifvertragsparteien wendet. Im Unterschied zu den bekannten Durchführungswegen der bAV ist das Sozialpartnermodell geprägt von der „reinen Beitragszusage“. Dies bedeutet, dass Arbeitnehmern nur noch die Zahlung der vereinbarten Beiträge zugesagt wird, der Arbeitgeber jedoch nicht für das Ergebnis haftet, weil die kalkulierte Rente nicht mehr garantiert werden darf. Dieses Garantieverbot gilt gleichermaßen für die Versorgungseinrichtung und den Arbeitgeber. Hintergrund ist die Überlegung, dass Garantien Geld kosten und eine freiere Kapitalanlage zumeist in Aktien auf lange Sicht höhere Renditen und damit Renten ermöglichen soll.

Beim Sozialpartnermodell wird deutlich, dass auch einige Zeit nach seiner Einführung viele Fragen zur Organisation und Durchführung offen sind, sodass bis heute noch kein einschlägiger Tarifvertrag vorliegt. Das Gesetz übertrug den Tarifpartnern den Großteil der Verantwortung bei der Durchführung und Steuerung des SPM. Diese befinden sich auch weiterhin eher in Gesprächen zur Einführung, als in Prozessen der konkreten Umsetzung, was auch auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Betriebliche Altersversorgung 2019“ deutlich wurde. Gerade die Tarifpartner aus der Chemie- oder Metallbranche, die schon umfangreiche Regelungen zur bAV geschlossen haben, neigen eher dazu, das SPM neben ihre bestehenden Versorgungslösungen zu stellen, statt nur auf dieses neue bAV-Pferd zu setzen.

Nicht zu unterschätzen: Der Fall der Berufsunfähigkeit

Vom SPM weitgehend unberührt bleibt der Bereich der Absicherung der Berufsunfähigkeit (BU), deren Risiken regelmäßig massiv unterschätzt werden. Gerade bei jüngeren Generationen ist der Gedanke, dass Berufsunfähigkeit nicht allzu häufig vorkommt und man selbst aufgrund seines Alters davon höchstwahrscheinlich nicht betroffen sein wird, noch immer weit verbreitet. Ein großer Irrglaube, zumal viele Arbeitnehmer gar nicht genau wissen, was der abstrakte Begriff genau bedeutet. Berufsunfähig zu sein heißt, seinen aktuellen Beruf nur noch teilweise oder gar nicht mehr ausüben zu können – und das unabhängig davon, ob man von körperlichen oder psychischen Leiden betroffen ist. Der Burnout ist bei weitem der häufigste Grund der BU, deutlich vor Unfällen oder chronischen Rückenleiden. Da für solche Fälle häufig keine gesetzliche Vorsorge in der Form der Erwerbsminderungsrente zur Verfügung steht, lohnt es sich, sich diesem Thema möglichst frühzeitig zuzuwenden. Denn eine Berufsunfähigkeitsabsicherung ersetzt das Arbeitsentgelt, wenn man nicht mehr arbeiten kann.

Die Beschäftigung mit den verschiedenen Durchführungs- und Förderwegen der bAV, mit den kontroversen Diskussionen rund um das Sozialpartnermodell oder auch das Themengebiet BU zeigen: betriebliche Vorsorge ist komplex. Wer sich jedoch heute nicht mit dem Thema beschäftigt, hat in der Zukunft das Nachsehen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollten sich deshalb besser früher als später damit auseinandersetzen und fachlich fundiert beraten lassen.

* M. Ruppert BVUK. GmbH, 97074 Würzburg

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